Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1869-01-01 · 1 (1.1.1869) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
1 (1.1.1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 10 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4890378-5433914-5433949--203-4890557
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 — 10 — v. M. Nachts grstorbkn (Wir gedenken noch auf diesen Gekehrten zurück zu kommen D. Red.) ' - Wie» 10. Dezember. Die feierliche Schlußstein l e g u n g i m R u d o l f i n u m. Als im.Iahre 1858 die frohe'Kundc erscholl, daß dem allgeliebtcn Herrscherpaar bald ein edler Sprosse erblühen werde, gelobte Herr A. M. Pollak, Bürger von Wien und Zündwaarenfabrikant, im Falle als Gottes Huld die Völker der Monarchie durch die Geburt eines Kronprinzen beglücken sollte, ein würdiges Monument dieser segensreichen Stunde im Schooße der Haupt- und Residenzstadt Wien zu errichten, welches für ewige Zeiten einem edlen Zwecke geweiht sein sollte. Herr Pollak hat sein Gclöbniß erfüllt und eine höchst zeitgemäße großartige Stiftung gegründet, die, was ihre Gemeinnützigkeit betrifft, dem Institute des Theresianums sich würdig zur Seite stellen dürfte. Als Industrieller hat derselbe, in richtiger Erkcnntniß der Bedürfnisse eines jeden tüchtigen Industriellen, in jetziger Zeit erachtet, daß vorzugsweise für die technische Ausbildung eine praktische Unterstützung von wohlthätigstcr Wirkung und fruchtbringendstem Nutzen sei. Derselbe beschloß nun ein Haus zu bauen, worin sechzig unbemittelten Studircndcn der Technik ohne Unterschied der Konfession bequeme Wohnung und Mittel gegeben werden, wo sic für ihre Ausbildung und Ausführung ihrer Arbeiten in der Chemie und Physik Gelegenheit finden sollen. Sc. Majestät gestattete huldvollst, daß der durchlauchtigste Kronprinz Rudolf daö Protektorat über diese Stiftung übernehme und am gestrigen Tage fand die feierliche Schlußsteinlegung des Rudolfin ums statt. Dasselbe wurde bereits des Morgens prachtvoll mit Fahnen und Teppichen geschmückt, über die Facadc wehte eine lange Flagge mit der Inschrift: „Hoch, Kronprinz Rudolf," während die Flur des Gebäudes, in dessen Hintergründe sich der Schlußstein befand, im Schmucke von Ephcu, Reisig, Blumen und Sammtdrapericn prangte. In der Maycrhofgassc hatte sich schon in den Vormittagsstunden eine ansehnliche Menschenmenge cingefundcn und von 12 Uhr an bildeten Techniker daselbst Spalier. Im Flur erwartete Herr Pollak und dessen Familie die hohen Gäste, die sich gegen halb l Uhr cinfandcn. E« erschienen Ihre kais. Hoheiten die Erzherzoge Karl Ludwig, Al brecht und Rainer, Se. Durchlaucht Fürst Schwarzen be r g, Ihre Ezc. Graf B e u st, Graf T a a f f c, v. P l e n c r, G i S k r a, v. H a s n c r, Statthaltcrcilciter R. v. Webe r.^Polizei-Dircktor Hofrath v. S t r ob a ch, Bürgerin.- Stellv. Felder mit einigen Gemcindcräthcn, das gcfammtc Lehrcrpcrsonalc des Polytechnikums u. s. w., u. s. w. Schlag 1 Uhr erschien Se. Majestät der Kaisermitdcm Kronprinzen Rudolph an der Seite. Unter den Klängen der BolkShymne einer Militärkapelle und unter stürmischen Vivatrufcn der anwesenden Menge wurden Allerhöchst dieselben von Herrn Pollak empfange». Se. Majestät dankte in huldvollen Worten gegen den Stifter für den Empfang und begab sich sodann mit dem Kronprinzen unter das StiegcnhauS, wo die Schlußstcinlegung stattfand, zu welchem Zwecke bereits alle üblichen Vorbereitungen getroffen waren. Herr Pollak verlas die Stiftsurkunde, weiche die Entstehung und den Zweck der Stiftung darlegt, worauf dieselbe von Sr. Maj. dem Kaiser, dem Kronpriiizen (der mit scstcr Hand seinen Namen unterschrieb) und den Erzherzogen unterzeichnet und sodann in eine Glaskapsel verschlossen wurde, in welche der Kronprinz zuvor die gegenwärtig gangbaren LandcSmünzen in Gold und Silber gelegt hatte, Unter dem üblichen Ecremoniell fand sonach von Seite des Kronpriiizen die Schlußsteinlcgung statt, höchst welcher als Protektor der Stiftung die ersten drei Hammerschläge machte: hieraus folgten Se. Majestät der Kaiser und die Erzherzoge. Szrgrdm. In der hiesigen Repräsentanz wurde am 7. v. M. der Antrag gestellt, der prinzipiellen Rechtsgleichheit der Israeliten dadurch thatsächlich gerecht zu werden, daß an die Stelle der bisher verstorbenen Stadlrcprüsentantett Israeliten m die Repräsentanz gewählt werden mögen. Die¬ Eiaentbum. Druck und Verlag von Lenders k Arandeis. ser Antrag ging bei der liberalen Partei von der Parteider Intelligenz auS: bekämpft wurde er von der in Szegedin gegenwärtig herrschenden Volkspartei. Im Laufe der 3ftündigen Debatte, die durch diesen Antrag hervorgerufen wurde, sagte unter Anderem ein Redner der Volkspartei, er habe im Jahre 1848 einen gebildeten Juden gekannt, der bei einem Gespräche über Emanzipation erklärte, daß die Juden keine Gnaden annehmen, sie würden ihre Rechte schon erringen. Weun man nun die Israeliten aus Gnade in die Repräsentanz aufnehmen wollte, würde man sie in ihrem Selbstgefühle verletzen. Nach Beendigung der Debatte wurde abgestimmt und der Antrag mit 4!) gegen 45 Stimmen verworfen. Nach der Abstimmung aber begegnet ein Szegediner Jsraelite einem der 49 Sieger und fragt ihn um den Grund weshalb er gegen den Antrag stimmte. „Warum sollten wir denn" — war die geflügelte Antwort — Juden in die Repräsentanz aufnehmen? Haben doch auch die Juden keinen einzigen Christen zum Abgeordneten für den israelitischen Kongreß gewählt!", Gratz.jVor Kurzem wurde der hier sehr geachtete Chef der Wcinhandlung Moritz Fürst, in den Gemeinde-Verband ausgenommen. Es ist dieß seit 300 Jahren der erste Fall Meran. Der daselbst ansäßige Wechsler Herr Biedermann (Israelit) wurde in den Verband der hiesigen Gemeinde ausgenommen. " Aix (Frankreich) Der Banquiee Laroque, einer der würdigsten urd gcehrtcstcn Glaubensgenossen des Departement (hi Midi, wurde zum Präsidenten des hiesigen Handelsgerichtes ernannt. (Un. isr) San Fraucisko. Herr Joseph Davis von hier wurde zum Capitän der Sacramcnto-Light - Artillerie ernannt. ES ist dieß der erste Fall, daß ein Jude einen solchen Dienst in diesem Staate erhalten hat. (Jew ßeserd.) Briefkasten der Redaktion. Herrn A. St. in N. Sie werden es begreiflich finden, daß wir unS erlaubt haben zu abrogiren. — Herrn Dr. K. in Pr. Eignet sich eher für eine Broschüre. — Herrn I. B. in H. Wegen Mangel an Raum muß die Fortsetzung in der nächsten Nummer folgen. Briefkasten der Administration. Herr 8. in P. Aus unser Schreiben noch immer keine Antwort. Herr Dr. K. in B. Erbitten uns den Jnseratcn-Rest von 1 Thaler. B. Straschitz k. k. privileg. Kleider Fabrik Prag Graben (Nro. 850) neben gräflich Nostitz’schen Palais. Grösste Auswahl von allen Gattungen HERREN-XLEIDER besonders Herbst-Überzieher, Jaquetts, Sacco nach neuester englischer und franzüsicher Fagon; lleiiikleider, Grilots und allen zur Herren-Garderobe gehörigen Artikeln. Auch empfiehlt er ein grosses Lager von modernen Brünuer-,französischen und englischen Rock- und Hosenstoffen, und werden Bestellungen prompt, pünktlich und billig ausgeführt. Bei Aufträgen vom Lande genügt die Brustweite und Ärmellänge oder ein anpassendes Kleidungsstück. \ Verantwortlicher Redakteur I. Vr»»deiS.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.