Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 24 (22.10.1868)
- Date
- 1868-10-22
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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201 Bkilaqe zur „Gegenwart" Nro. 24. vielfach unechte Werke unlcrgcscho^bcn werden. Wer daher seinen lieben Verwandten und Freunden oder sich selbst eine Freude wachen will, wende sich direkt an I. H Heller in Bern. Auswärtiges. Baden. Das Grossherzogthnm Baden zählt nach den neuesten statistischen Erhebungen pro 1807 eine Bevölkerung von 931000 Katholiken, 475.918 Protestanten. 25.5,99 Israeliten, 13.019 Mcnnonitcn, 380 Dentschkatholikcn nnd 4 Mormonen. Warschau. Bor Kurzem ist der Bau deS israeliti schen Theaters vollendet worden, nachdem das früher erbaute wegen schwacher Konstruktion noch vor seiner Eröffn nung ans Befehl der Behörden abgetragen werden musste. DaS Theater, welches ungefähr 800 Personen fasst, ist sehr bequem eingerichtet und im Innern geschmackvoll decorirt. Im Theater werden die wichtigsten Eprsoden anS dem alten Testam ent c in rein dcntscher Sprachc szenisch zur Darstellung kommen. DaS Sebampielpersonal besteht anS über 30 Personen jüdischer Konfession; die weiblichen Rollen werden von den jüngeren Mitgliedern des Personals gespielt werden. Paris. Der jüdische Friedhof von Montmartre war am Allkiscelentage auch geöffnet, aber menschenleer; nur an der Statue Halcvh's lag ein frischer Blumcnstranss, während man auf dem christlichen Kirchhofe Montmartre das Grab Heine'S (er starb bekanntlich als Protestant) ganz verlassen und nnbckränzt fand. Spanien. Zahlreiche jüdische Familien aus London und Lissabon fragten bereits bei der provisorischen Regierung an, ob dieselbe die früher« Gesetze, welche die Ausweisung der Inden aus Spanien bestimmten, abgcschasst habe und erhielten eine bejahende Antwort. Spanien. General Prim richtete nachstehendes Schreiben an die spanischportugiesischen Juden, die sich wegen der Zurücknahme des AnSschlicssnngS Ediktes von 1492 an ihn wandten. „Herrn H. Gnedalla, Präsidenten der israelitisch, spanischen und portugiesischen Gesellschaft in London! Mein Herr! Ich habe das GlnckwünschnngSschrcibcn, daS Sic an mich im Namen ihrer Glaubensgenossen richteten, erhalten; ich danke Ihnen aufrichtig für die darin geäußerten IheilnahmSvollcn Gefühle, ich bin überzeugt, dass der Sieg der Revolution ohne irgend eine Beschränkung alle Religionsfreiheiten hcrbciführen werde. Aber ich kann selbst nichts bewilligen, was Sic gerechter Weise verlangen. Wollen Sie daher direkt an die provisorische Regierung oder an ihren Präsidenten eine Bittschrift, so wie ich sic vor mir habe, und zwar in spanischer Sprache richten, damit sie sogleich mit aller Aufmerksamkeit, die dieser Gegenstand verdient, gewürdigt werden könne. Wollen Cie, mein Herr, mein Vertreter bei Ihren Glaubensgenossen sein und ihnen für die Wünsche, die Sic mir wegen der Grösse nnd dcS Glückes Spaniens äußern, meinen Dank auSsprcchen." Irrlaud. zählt von 1861—07 322 Israeliten. Nordamerika. LoniSvillc. Freitag am 8. September wurde hier der neue Tempel der „Adath Israel", der an der Stelle des vor anderthalb Jahren abgebrannten erbaut wurde, eingcwciht. Der „Israelit" ein in Eineinati, Dhio, erscheinendes Journal, beschreibt den herrlichen Ban dieses neuen Gotteshauses, dessen Kosten sich ans 120000 Dollars beliefen: Sein innerer Raum fasst 1500 Sitze. Höchst feierlich war die Einweihung woran sich die vornehmsten Bürger der Stadt lctheiligten. Unter den Anwesenden bemerkte man auch den General TomaS. Malor Tomppert, und die Richter der verschiedenen Gerichtshöfe. Die EinwcihungSpredigten hielten die Herren vr. Kierberg und Wise nach den, bei solchen Gelegenheiten stattfindenden Zeremonien. Die Hauptpunkte, worauf Sr. Ehrwürden Herr Or. Klecbcrg seine Predigt da-- licheS Monument der Treue und Verehrung Israels gegen den Ewigen und Einzigen. 2. Unser Tempel ist ein Monn ment der Treue Israels zn sich selbst. 3. Der israelitische Tempel ist ein Monument der Treue Israels gegen das Menschengeschlecht." - Hierauf »olgtc ein vom Ehor vortrefflich vorgctra.zener Psalm, und dann die Predigt Sr. Ehrwürden dcS Herrn l>r. Wise, deren Inhalt der 24. Psalm war. Beide Predigten machten ans die Zuhörer einen nngc wöhnlich tiefen nnd erschütternden Eindruck sowohl durch dir, Herz nnd Gemüth sehr ergreisenden Worte, als auch durch die Gediegenheit des SprachansdrnckeS und durch die Erha bcnheit der Ideen. Einige Psalmen machten daun den Schlnss der Feierlichkeit. Die ganze Versammlung verließ in gehobc »er Stimmung das neue Gotteshaus. Abend war Eonecrt und Ball. 0. I. t. Kunst und Literatur. Theater. Am 21. vorigen Monats gelangte auf der hiesigen Bühne daS in der dramatischen Literatur unverwüstliche Schauspiel: Der Jude von Eninberland zur Aufführung und hatte nicht jenen Erfolg, den diese Perle des fühlenden Dichters verdient hätte. So geringen Anspruch dieses klassische Stück auf einen jener Effekt verursachenden Titel, die dem SpeknlatiouSgciste den rechten Weg in die Theaterkasse bahnen, macht, so wusste der Dichter den hip gchcuern I n d e n sch m e r z. die Kämpfe mit der Leidenschaft in der Brust des arinen alten kranken Schemas scharf zn poinliren und mit diesem Manne einen Helden zn schuf fen, der ohne Hcldcnlhaten im Hasse oder iii der Liebe, in der Tugend oder im Laster ans der Bahne, die Zuhörer in einem gewissen Grade fesselt. Durch eines altenscheinloscnIndeick stille Thaten und noch stilleres Leiden, um mit dein unver gefflichen Börne z» spreche», entlockt man nicht die alltüg lichcn Thealerthräneii, aber wenn, wie hier, das Bestrebendes Dichters gelang, edlere als diese. Bevor wir auf die Darstellung selbst zn sprechen kommen, wollen wir vor Allem einen Theil der geistreichen .Kritik Bvrnc's anführe», dem die richtigste Anschauung über dieses dramatische Stück vindi.cirt werden kann, und, der cs getroffen mit den feinsten Pinsel strichen, die Handlung des nicht gar grossen Stückes, rin Gemälde darznstellcn, an welchen! das geistige Auge in die Falten dcS Gewandes einer wie mit dem Meißel geforinten Statuette zu sehen und die rasch sich wieder verflüchtigenden Empfindungen nur momentan mit zn empfinden scheint. „Ihr besucht" beginnt er ein anatomisches Kabinet, und seht dort manches Herz, fiir die Anschauung fasslich zubercitet, dargestellt in allen seinen Theilen, die feinste Ader ansgespritzk, und den Lauf des Blutes, mit allen seine» Krüininungen. Aber das Blut stockt, nnd das Herz schlägt nicht mehr, es fühlt weder Lust noch Pein, und bedarf nnd fordert keinen Trost. Ihr tretet zurück, unter die wandelnden Menschen, so lieblos nnd »nbelehrt wie zuvor. Die aufgcdccktc Brust, die uns der Dichter zeigt, wirkt sie mehr, als jenes tobte Präparat? fällt der Vorhang, dann ist alles vorüber. Der Weg fiihrt vom Leben zur Bühne. aber nicht zurück. Wie viele Tausende jenes unglückliche» Volkes musste Eninberland haben dulden sehen, bis er de» nngrhrncr» I u den sch »i erz, einen reiche» dnnklcn Schatz, von Gej schlecht zn Geschlecht herabgeerbl, auch nur zu ahnen vermochte, bis er zn erlauschen vermochte die Leiden, die nicht Ilagen, weil sic kein Dhr zn finden gewohnt sind? Wieviele Tausende müsste er selbst »»schuldig verdammt haben, bis er endlich einen schuldlos fand, um ihn dem nns> »chlbarem Mit leiden der Menge im Bilde darznstellcn V Die Ansfnhrnug war. > wie schon Eingangs bemerkt, eine verfehlte. Herr KühnS glaubte Alles gcthan zu Huben, wenn er in der Person des Schewa einen alten verarmten Hausierer vorführte und durch ein erbärmliches Iüdcln den Juden zum Juden machen zn müssen glaubte. In dieser Beziehung trifft den Darsteller so