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Die Gegenwart · 1868-10-08 · 22 (8.10.1868) · p. Seite 233

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
22 (8.10.1868)
Date
1868-10-08
Page
Seite 233 (sequence 1)
Language
German
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^AtHrigc« Uboa» »e»e»t für frag nab bi( Pr»binz iiflnfibt A«-elln»g ins HauS »der Poftversendvag b. W.. . Ist.40 kr. fiir'S Ausland ITblr. Inserate werden dil- Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Zudenthums. Xebnktio« »ab flb» «inistratiou Nittergaffe dir,. 408 — l wohin alle Briefe n. Grlbfrnbuugrn z» richten sind. Dir „Gegenwart" er> scheint zweimal i« Monate u.z. jeden 2. ligst berechnet. Expedition für den gesäumten Buchhandel Oskar Seiner in Leipzig Verlagsbuchhandlung. und t. Donnerstag Nro. 22. Prag 8. Oktober 1868. 1. Jahrg. Anhalt: Leitartikel: Die spanische Revolution und die Lude». — Eine kleine Abänderung. — DaS Berhältniß der positiven Religion zur Philoso phie. — Der Sabbath in New-Amk. Correspondenzen r Koschrtitz. ** LoealeS. — Auswärtiges. — Vom Viichcrtischr. Nachtrag. Hirtenbrief des Oberrabbiners von Bordeaur. Feuilleton. — Inserate Die spanische Devolution und die Juden. Wenn das in Spanien crstvor einigen Tagen abgespielte Drama, in welchem eine Königin den Purpur abgcstrcift, die Krone abgeworfen, und auf den Trümmern ihres Thrones die Fahne der Revolution aufgepflanzt sicht, in ganz Europa und vielleicht außerhalb des ContinentS jenes In tereffe erweckt hot, das wieder einmal den Satz bewahrheitet: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht," so ruft diese Katastrophe, die die Flucht einer Königin sammt ihrer Fa mitte im Gefolge hat, in jenem Israeliten, in dem noch die Schauerscenen in den inquisatorischcn Schauspielen auf der pyrenäischcn Halbinsel wie Grauen erregende Traumgcbilde vorbeizichcn, die qualvollsten Ncmiiiieccnzcn hervor. Grade wurden es 376 Jahre als Isavclla Tochter Heinrich des IV., der zur Seite ihr Gemahl Ferdinand stand, sich von der ebenso verderblichen als ungerechten Staatskunst hinrcißen ließ, die Juden zu vertreiben, weil sic eine Beute des Hasses und der Verachtung der Ehristcn sich durch Fleiß das zu entschädigen, was sic als Menschen nicht genießen durften, ihre Ehre durch Reichthümcr zu ersetzen suchten. Die Regierung, anstatt die auf ungereimten Beschuldigungen basirte, in den fürchterlichsten Ausschreitungen entartete Wuth iniillrtim. Wie manche tvodtnjiub wie wir nicht könne». Däß die Präger löbliche Eultusrepräsciitanz in ihrem 2l)iin und Wirken einzig da steht und Großartiges geschaffen, Unsägliches geleistet, daß sic im Arincnivcscn ein organisatorisches latent entwickelt. daß sic B. darauf gesehen hat, daß an dein Vor. und AuSgangSabcndc des Ionikipur die Straßen der Joscfstadt, in denen die Synagogen sich befinde», hell beleuchtet waren, auf daß kein schwach gewordener Andächtige ein Bein breche, daß die löbl. Repräsentanz einen loyalen Wahl- und Stcucrmodus geschaffen, daß die Männer derselben ihr Ehrenamt nicht zu anderen Ehrenämtern auSgebeutct haben, daß deren Vorsitzender als Roschhakohol einer großen Gemeinde aus politischer Klugheit keine Politik treibt, daß alle die in der Repräsentanz sitzenden Juden wahre Juden sind, die für ihren Glauben schwärmen, daß die Gemeinde nach innen und außen in ausgezcichnetrster Weise vertreten ist, so wollen manche, daß wir schreiben, aber — wir können nicht. des Pöbels, zu dämpfen, ließ sich entweder aus einem blinden RcligionSeifer oder aus anderen ihr selbst unerklärlich gebliebenen Gründen mit fortreißcn und sic befahl den Iu>. den das Äönigrcicli, (;4!>2) grade zu einer Leit wo eine neue freie Welt entdeckt wurde, zu räumen, gab ihnen zum i Verkauf ihrer Güter eine fechsmonatliche Frist, und verbot i ihnen zugleich bei Todesstrafe Silber, Gold und Edelsteine ' mit sich sortzunehmcn, mit einem Worte, man vertrieb sie, j um sic zu plündern. — Was war die Folge dieser edlen ' Staatskunst'? welche Consequenzrn hatte diese Barbarei? - Spanien verlor mehr als löO.iHH) Menschen, mit denen zugleich die Arbeitsamkeit, die zähe Ausdauer, Künste, Industrie und Handel gewichen waren. Diese himmelschreiende Justiz. die Gewalt vor Recht crg.hen ließ, lohnte sich bloß für den Augenblick, die Beraubung der Juden schien zwar ein großer Gewinn zu sein, während der Staat in progressiver Weise verarnite. DaS an Zahl überlegene Volk vermochte nicht die großen Stenern zu bezahlen und die Rothwcndigkeilen des Lebens zu beschaffen, die man sonst ans dem Schweiße der Juden gewonnen hatte. So wnthere die Demoralisation in jenem Lande, wo die Grandezza in höfischen Manieren „stolz den Spanier haben wollte" und ans ihrem Banner, Mord, Hab- und Verfolgungssncht gesetzt hat, wo ein Philipp der fünfte die Inden darum zum Feuer verurtheiltc, um deren erworbenes Gut in wnthschnaubcndcr Gier an sich zu bringen. Die Bemühungen der Philipp, der Karl Ferdinand, Spanien zur einstigen Blüthc wieder znrückzuführe», wurden vergeblich n»d nichts als Kriege uns zahllose Ränbcrhorden raubten jede.Hoffnung. Das waren die Früchte, jener Millkühr, die auf Thronen ihren Sccplcr geschwungen, das waren die Resultate einer Ration welche Eivilisation als ein Verderben für das Land angesehen hat. Run sind wir heute wieder an einem Abschnitte d?r «beschichte angclangt, und sehen in einem Lande eine Königin entthront, Daß die jüdischen Stadtverordneten, die auch m der jüdischen Eilitusrrpräsenta»; sine», im Eolleginin so oft ihre Stimme gegen den Unfug erhebe», der «ich in der lasesstadt, wo «sattes- Häuser, Lchrinstitutc rristircn, breit inacht und die Demoralisation ihren Einzug halten läßt, so wollen manche, daß wir schreiben, aber mir f i* n n e n n i ch t. Daß die lalinud-Ihora-Schnle eine Schöpfung ist, die best»»- gen zu werden verdient und eine» nnvcrweltbaren Lorbeer »in da- Haupt jener sticht, welche an diesem Meisterwerke einen ehrlichen Antheil habe», daß die Lehrer an dieser Schule durchwegs fromme, gottcsfürchtigr Männer sind, die nur Eine» «*»11 verehren, daß die Cominiffion die mit der llebcrivachnng dieser Schult betraut, tadcllos ist irtib deren Obmann, ohne irgend ein anderes Interesse im Auge zu haben, sich rein nur |uc das Iudcuthmn opfert, daß die Schüler an dieser Schule nur ans Heißhunger zum Talmud, aus Wiffcnsdurst zur heiligen Lehre, sonst ans keinem ander» Hungcr und Durst der Anstalt angehörcn, so wollen manche, daß wir schreiben, aber - wir können nicht. Daß die Landcsrcpräsentanz in ihren Leistungen unübertrefflich. in ihren Bestrebungen uncrinüdlich, in ihren Sitzungen au. x

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