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Die Gegenwart · 1868-09-24 · 21 (24.9.1868) · p. Seite 221

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
21 (24.9.1868)
Date
1868-09-24
Page
Seite 221 (sequence 1)
Language
German
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Htlbjäferißkfe Sbon< icntat fUr Prag und feit Provinz iuNusivr Anstellung ins Hauvdrr Poftvrrsendung ö. W.. . I fl. -10 kr. flir'S Ausland ITHlr. Inserate werde» diliir,ft berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Expedition für drn gesammten Buchhandel Tdkar Seiner in Leipzig Verlagsbuchhandlung Redaktion und Afe« miniftration Ritte», gaffe Nro. 108 — l wohin alle Priese ». Geldsendungen zu richten sind. Tie ״Gegenwart" er» scheint zweimal im Monate u.z. jeden 2. und 4. Donnerstag Uro. 21. Prag 24. September 1868. 1. Zahrg. Inhalt: Leitartikel: Unser Verhalten. — Wie komm, Laut uiilrr die Prosetrn. — Die Juden in Rumänien und Herr Fra»; Schusrlka. — Da« Berhältniß der positiven Religion zur Philosophie. Eorrespoudrnzen: Pardubitz. LoealrS.- Auswärtiges, Kunst und Literatur. — Vom Puchertlsche. Nachtrag. Hirtenbrief des ÖderrabbinerS von Bordeaux. Feuilleton, — ^llserate^^^ ♦ Unser Verhalten. Wer den Begriff der Presse erfasst, deren Gänge, die sie in den verschiedenen Zcitphascn duichzumachen hat, kennt, wird gewiß den Standpunkt, den sic einnimmt, und ihre Schwierigkeit erkennen, ohne die Wcchselfälle und verschiedenen Einwirkungen, denen.sie oft unterliegt, seiner Beachtung zu entziehen. Die jüdische Presse spcciell, die die Interessen des Judcnthnms nn Allgemeinen, die der jüdischen Gemeinden insbesondere zu vertreten hat, hat bei der präpondcrirendcn Intelligenz der Israeliten, bei der scharfen, oft mit Vorurthcilen verknüpften Kritik, bei der Sondcrintercssenpolitik, die leider oft gewichtig in die Waagschale füllt, einen im Vergleiche zn der politischen Tages- oder Fachpresse weit schwierigeren Standpunkt. Wohl würdigend, daß die Presse das Sprachrohr der öffentlichen Meinung, die Eomunicativn zwischen' derselben und dem Leser ist, verkennen wir keineswegs die schwierige Aufgabe, die wir zn erfüllen haben und wissen auch das llrthcil in soweit zu schätzen, als es uns die Grenzen, die zwischen unserem Organe und dem .Lesepubliknm gezogen sind, erlauben. Feuilleton. Ghetto und Museum. — Mineralogische Zrveiscl. — ,Eine seltsame Predigt. — Tempel und Circus. — Referent und Lalmndlhoratehrer.— Ein jüdischer Reporter. — Ein versöhnender Wunsch. Wenn ich das Prager chcn»aligc Ghetto betrachte, so inusi ich cS «nwillkührlich mit einem Musen»» vergleichen, in dem sich wohl Raritäten und Antiquitäten kcincsivcgs aber stostbarkcite» vorfinden, die unS daS Ghetto »vcrthvoll inachcn. ^bschon kein rourist, will ich mir das Privatvergnügen einer kleinen Ruiidschan gönnen, nn» »nich als Wissensdurstigcr, auch in archäologischer Vczichnng zu bcsricdigcn. Bor Allem fällt mir in jener Gasse, wo mai» zun» Perdrusse des h. Joachim und zum!rotzc eines reichgcivvrdenen und gottsceligen Hausircrs eine Lmiagoge tcmplisirte und einen E t r i n hincinbrachtc, den andcrswo die Vaulcutc vcrivarfcn. Bon einen» solchen Stein im äußerst ungeschliffenen Zustande, sragen dir jüdischen Mineralogen, >»׳ie es ko»nn»e, daher so ge haltvoll ist. nachdem er doch für sie keinen Werth Hai »n»d sind mit sich nicht einig, in ivelchc Mlnfff er zu reihen sei, ob in »virkichen Steine oder in die Petrefakten. in welch' letzterem Falle leich- Tic viclcn schnlcichclhaftcn Zuschrifwn, die uns von nah und fern von maaßgcbcndcr Scitc zukommcn und den Ausdrnlk dcr unparlhciischstcn Kritik cnthaltcn, dienen uns zur kompetenten Ronn, zum Barometer unserer journalistischeu Thätigkcil und zum Lohne für unsere Bestrebungen, die wir stets im Flusse zu erhalten bemiNsl sein und die hoffentlich zu einem ersprießlichen Resultate führen werden. Adftrahirt von diesem Allen, erheben sich zuweilen Stimmen gegen unser Blatt, die dasselbe in öffentlichen Kreisen zu -vernngliinpsen und inateriell zu schädigen suchen, weil sie 'speeielle Interessen dazu sliinuliren, die in ihren Rücksichten «gen Verwandte, Belannlc das allgemeine Wohl in den Hintergrund drängen, lieber verdammen, verhetzen, jede gute Meinung dem Scheite» Haufen überliefern und ein bestehen des Trgan mit dem Geifer der Bosheit besudeln. Wenn wir, wie schon früher bemerkt, die Urthcile im Allgemeinen nicht dcSavonircn. so können ickr doch lciiicswcgs unsere journalistische Thätigkeit nach dem llrtheilc jedes Einzelnen einrichtcn und das allgemeine Beste, den Fortschritt der Humanität, die ein Postulat der Zeit ist, int Auge habend, von nnserem Programme nicht weichen, auch wenn uns die Pfeile dcr Bosheit umfliegen und wir unser eigen Interesse nntrr den Eindrücken vcrläumdcrischer Verfolger leiden sehen. Dirß Alles schrickt uns nicht ab, und der Leser dieser Blätter nehme die moralische Bernhigung hin, duß, so wie durch unser Blatt schon manches Gefahrbringende verhütet, Man» ches im Keime erstickt und Vieles unterdrückt wurde, was Rachthcil gebracht Hütte, bei unserem standhaften AuSharren die schönsten Erfolge erzielt, die die Gemeinde» und ihre Vertretung«» gctviß einmal dankbar anerlennen »vcrdcn. Macht man uns vielleicht den Vorwurf, daß. wir zuweilen ans den» Kreise der Objektivität heraustrctcn und Person tcr. da man verinnthct. es sei ei» dem Merfer dcr Vernunft Entsprungcuer, der ans seiner Flucht »Ich »nngcdreht und versteinert wurde. In diesem Smiagogentempel. wollte iw meinen Vlick zu Gott erheben, mein Gebetbuch herauSnelmien, als mir dir Hand erstarrte ob. der ausgesprochenen Grundsätze eines homiletischen stosniopoliten, die da^lnutctcn: Abraham halte anch kein Gel>r»buch, man braucht keines, ein jeder bete nach seiner Wesse,?enumgeach tcl betete ich ans meinem Gebetbnche und sah mir am heiligen Aeujahrskeste de» schlvarzbcknttctcn Man» mit den zivci langen vom Halle »ich hcrabschlängeluden Servntten gut an, wie er Gotthold Ephraim Lesiing, der zn Eainenz seine laufe erhielt, in die stan zelrede cingestochten und im» ein ני צדיק*) Srclier /adik l.iwroclio von der Mangel hcrabgedonnerl hat. Ich konnte mir z»»׳ar nicht erklären, »velches sntercsic der Mann an Lesiing hatte, ob vielleicht sein Herz mit dcsicn Emilie Galolti oder M»na von Barnhcln» in» cknsannnenhange stand, oder ob er in sich das Gegenstück von Nathan dem Weisen fand, .stürz »ch unterbrach meine Andacht, flüchtete in dcr Fnrcht. daß . diese Stätte dcr nächste Weg in s Irrenhaus sei, und meine Clirti» mußten noch die Worte de» Predigers vernehmen, daß man »110 Theater gehen fall, daß die Schauspielkunst ebenso erbaut wie eine Predigt. Mag r» sein, daß dieser theatralischer Unsinn, von einem donnemden N 111 e n beglri

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