Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1868-08-13 · 18 (13.8.1868) · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
18 (13.8.1868)
Date
1868-08-13
Page
Seite 191 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4890378-5433912-5433931--084-4890450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

tyMiWilt* «box. aouRt für Prag «ob Ile Provinz i»N«sive Z»stell»ng ins Haus »der Postverseodung ö. W.. . Ist.40 kr. fiir'S Ausland 1 Thlr. Inserate werden billigst berechnet.. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Expedition für den gesammten Buchhandel Ö?far Seiner in Leipzig Vrrlag-bnchhandlnng. Rrdaktiaa nutz Atz. »tnistralion Rittergaste «r». 408 — 1 wohin alle Briefe n. Geldsendungen zn richte» sind. Die „Gegenwart" erscheint zweimal i» /Monate u.z. jeden2. und 4. Donnerstag Dro. 18. Prag 13. Äugvst 1868. 1. Zahrg. Anhalt: Leitartikel: Das Oberrabbina». — Auch rin Institut. — Dir neuen Verhältnisse unb ihre Gefahren. — Michael Sachs. — Das Brrhältniß der positiven Religio» zur Philosophie. Corrrspoudenz: Ungarn. Locales. — Auswärtiges. Suust und Literatur. — Wohlthätigseitsakte. Nachtrag: Ein Fragment israelitischer Geschichte. Feuilleton. — Inserate — Das Oberrabbiuat. Während sich das Bedürfnis in manchen Kreisen geltend macht, ein Oberrabbiner müsse geschaffen'- werden, tritt die Frage: Brauchen wir einen Oberrabbincr oder nicht? immer näher an unS heran, die um so schwieriger zu beantworten ist, alö die Meinungen über diese brennende Frage, sehr verschiedener Natur sind. Ohne uns auf den EansalncxuS jener kontradictorischrr Urtheile der diversesten Elemente einer großen Gemeinde einzulasscn, würden wir uns heute nach Art der Gorgcnrn mit den umschlungenen Schlangen, die Pflicht um'S Herz, den noch problematischer:, Gegenstand zu beleuchten. ES ist bis zur Evidenz erwiesen, daß die Präger israel. Gemeinde als der locus der böhmischen Iudcnschafl in den kläglichsten Zustand gerathen ist und gerade in pro Feuilleton. Wer sind unsere Grosse»'?—Die HuknnftSprediger. —Fahrende Schola sien. — Ein Dialog. — Jünglein und dramatische Jungsran. — In seinen Armen das Jünglein hing. — Fritz und Fritz. — Danken kommt von denke». Wer sind unsere Großen? so lautet oft die Frage, die im Salon der Reichen, in der Hütte der Annen, auf offener Straße wie ain Boston- oder Whisttische vielfach ventilirt wurde, ohne daß man die Geistesgegenwart besesien, sich dieselbe zu beantworten oder gar beantworten zu können. „Ich bin keiner von den Großen" sagt zum Doetor Faust, der dämonische Mephisto, der vielleicht keinen Stolz darin zu suchen glaubte, einer von jenen zu sein. Jet, bin auch keiner von den Große», ich bin nur ei» armer Feuilletonist, der auch keinen Anspruch darauf »nachts rin Großer sein zu wollen, mir fehlt einmal jener metallene Stiefelabsatz, der dazu dient, kleine Leute groß zu machen, mir fehlt jeder Absatz. Also unsere Großen find nur mathematische Größen, bei denen das plus den Aue schlag gibt, sie sind wichtige Faktoren in der Arithmetik, sie multipliziren Ihr Bermögen, verkleinem ihr Herz, vergrößeril den Stolz und sind sonst-ganz unschuldiger Natur; denn sie thuen — Nicht». Nichts ln deS Wortes nichtssagendster Bedeutung, Nichtfür ihre Gemeinde, der sie angehören, Nichtfür ihre Glaubensgenossen und wenn unS dir Schrift lehrt, Gott hat die Welt au- Nicht» erschaffen, so leh. grcssiver Zunahme, seitdem sie an so vielen Rabbinern. Predigern, oder wie man sie nennen mag, laborirt. Ist eS auch traurig, daß man hierin theilweise den Grund sucht, so ist eS doch wahr, und eine Wahrheit läßt sich nicht so leicht umstoßcn. Freilich hängen die Ucbelstände keineswegs von der Quantität ab. sic finden ihre Quelle in der Qualität. Die entgegengesetzten Richtungen und Anschauungen solcher Männer, deren Mangel an eine feste lleberzeugung füh. ren uothwcndigcrwcise zur Begriffsverwirrung, welche eine Gemeinde dem Abgründe des religiösen Indiffcrenti-muS nahe bringt. Die Gemeinde sonach wol nicht verführt, jedoch nur irregeführt, mußte sich selbst überlassen und alles dem geraten Wöhle überliefert werden. Bon dein Standpunkte ans, daß jeder in der Gemeinde seinen eigenen Weg geht, ohne daß daraus der Individualität ein Schaden erwächst, ist ein geistliches Oberhaupt, eine überflüssige Pagode, die der Außenwelt gegenüber eine ornamenienartige Ausschmückung einer nach innen schwarz^und morsch gewordenen Gemeinde bildet; jedoch von dem religiösen Gesichtspunkte ans betrachtet, oaß die traurigen Momente das Bcrsinken des Eharakters einer Gemeinde in den bodenlosen Sumpf der Immoralität leicht zu Folge haben können und man zum Schlüße daS religiöse Schisslein dem "leisesten Windhanche preisgibt, die Heerde ohne Hirten sicht, dann freilich tbnt ein geistliches Oberhaupt Roth. Wohl ist es eigentlich heute noch nicht unsere Aufgabe auf ein solches zn drängen, vielmehr zur Borsicht aufznforvv» Niki»» zn Etwas konnnen, und als Lolin für ihre glücklichen Perioden in die Reihen der Großen gezählt werden. Leider I wie schon bemerkt habe», wir in Prag keine jüdischen Großen, wir haben nur Größen und zwar solche bei denen der Positiv groß, der Comparativ größer, der Superlativ größter beiße», oder in verstandlicherer llebersetznng: Der hat Geld, der bat mehr Geld, der noch mehr oder anders, der tbnt wenig, der nichts, der gar nicht». In dieser ihrer nichtstbuenden Unschuld fürchten sie jede Brrjudung, ziehen sich trotz interconscsiiviielleui Gesetze von Allein »nd Jedem, das die Tangente des Jndentbnms jbildet, zurück, und suchen nur ihre! traten im Leben bie und da an der jüdische» RathhauSthürc mit kupfernen .lügen zu verzeichnen, je nachdem ein freudenreiches Fauiilienereigniß ihren Widerstand bricht »nd sie darin erinnert, an welchem Berge ihre Borfabren gestanden ober je nachdem Jemand an» der Familie durch de» »nerbittliche» Polizisten in ein andere» Lebe» rasch entführt wird, der in aller Eile so viel Geld zurück läßt, daß die trostlose» Zurückgelassene», vor Schmerz gemischt mit Freude das Testament zerreißen n»d es dem großen Tobten oder dem tobten Großen nicht möglich machen etwas für seine Seele zn thun. Und dennoch iverdeii die sogenannten Großen gefeiert, ihnen kaschulirt. hofirt und der devoteste Kni; gemacht. Betrachte man doch einmal diese Geldmatadore wie schief sie über die Schulter hinwegschaue», wenn sich ihnen irgend einer näherst, der nicht zu. waS höherem geboren ist, welche Ausdehnung erhält der ersterc welche Zusammenschrnmpt mg d.r letztere l Sin Glück ist doch bet der Sache, daß nicht Alles ewig dauert und die Großen wie die Kleinen nicht in die Zukunft blicken können. Da« wird un« nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.