Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 17 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- Seite 181 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Helbjatzri,»« NI» Rtmcat für Vrtfl nnd lit Provinz inNnfive Zustellung in» Haus oder Potzvrrsrndung ö. W. - -1 st- 40 kr. fjir'S Ausland 1 Tdlr. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Expestition für den gefnmmten Buchhandel 9dkar Leiner in Leipzig “ ' „nd 4. röimerstag. Rrlakti» aal Nlmiaitzraiiou Rittergaffe Rro. 4Ü8 — l wobin alle Briefe ». Geldsendungen;u richten sind. Tie „Gegenwart" erscheint zweimal im Monate u.,. jeden 2. Dro. 17. Prag 23. Juli 1868. 1. Iahrg. In Folge unseres der k. k. Preßbehörde vorgei legten Prograwmes bat unser Blatt zweimal im Monate u. zw. jeden 2. und 4. Donnerstag zu erscheinen. Da dieser Monat fünf Donnerstage aufweist, so kann! die nächste Nummer erst den 13. August in die Öf- 1 fentlichkeit gelangen. Die Administration der „Gegenwart." Inhalt: Leitartikel: Tie RrligionSsrriheit im EivilstandSrcgifter. DaS Armenwesen. 2. ©vief de« Prof. Esra Pontremoli an Herrn P. P. tzorrrspondruz: Prag, Heimanmkstec. Locales. — Auswärtiges. Bom Büchertische. Nachtrag: Leben und Wirken des Rabbi I. Hirsch Aschkenasi. Feuilleton. — Inserate — Die Religionsfreiheit im Civilltandsregifter. Kurz nach Erscheinen der interkonfessioncUcn Gesetze haben wir in unserem Blatte einige Fragen aufgeworfen, unter welchen auch die enthalten war, ob jemand als zum I u d e n t h u m c nicht gehörig betrachtet werden könne, weil seine Eltern nach Zulaß des Staatsgrnndgcsctzcs vom 21. Dezember 1867 Art. 14. an ihn die Beschneidung nicht Feuilleton. Klagelieder. Wie sitzt sic so einsam die Zndcnhcit, die einst so volkreich war und nun einer Witwe gleich geworden I Cie weint in stiller Nacht, die Thräne näßt ihre Wange. Niemand tröstet sie von all' ihren Freunden. Die Wege der Religion sind verödet, da Niemand in die Gotteshäuser kommt und ihre Thorr sind verwüstet, die Priemrr selbst sic spreche,» bloß mit der Zunge, während das Herz von wer materiellen Eiskruste umgeben, zu schlagen aufgehört. Wohl ist lene erhabene Lonne geblieben, die ringsum da» AU ~bc(eud|tct und piit ihren weitstrahlrnden Fühlern die Gesinnungen erspäht und «erz und Nieren prüft; allein der sonst glänzende Ltcrn die Religion fängt an zu crblaffen. jemehr die mittelalterliche Eisrinde wrrstrt, und dir Judenhrit sich im Thau der Freiheit gesund zu ba- ^en glaubt. I Reden wir mit jenem Dichter, um deffen Mundwinkel -abwech- «lnd Ernst und Humor sich spielten; wis er den helleuchtenden Wtern Religion sprechen läßt: „An meinem Busen ist Trost, in »einem Arme ist Ruhr, in meinem Kuße ist Frirdm. Laß' stur au». Mckrn drin zrrriffrne» Herz; laß austönrn deine Lippen die Lei- > vornehmen ließen. '.Dianclicii wcijL uwgm nnscrc Frage», und s darunter auch diese, als müßige erschiene» seist; allein die jüngsten Borgänge in Wien wo Eltern ihr Kind ohne die rituell gebotene Bcschnridnng in die' j»d. Matrilen wollten j cintragcn lassen, haben nur all zu rasch und all zu sehr unsere Boraussichl gcrcchtfcrligl. Ilebcrall, in allen möglichen Zeitungen und in Broschüren wird. die Frage ventilirt, wie Eonfliclcn der liberalen l^esebc mit den Institutionen der latholischen Hierarchie zu begegne» sei; cs hatte aber! tauni jemand geglaubt, daß ein solcher Eonftict sich zuerst in Mitte einer EonfessionsgeseUschnst zeigen werde, wclcber der Liberalismus am meisten zu statten kommt. Wir wollen uns in Folgende» nicht darauf cinlafsen, ob die Bcschneidung als religiöser Akt crlässlich oder uncrlässlich sei; in dieser Bczichnng genügt es »ns vollkommen, auf die Schrift nicht etwa einer jüdischen Autorität früherer Jahrhunderte oder ans den Kreisen der Orthodoxie hinznwciscn, sondern auf die eines Mannes, dessen Name gerade unter den fortgeschrittenen Israeliten, ja unter den Reformern s ehr guten KlaNg hat. ans das Approbationsichrejben des Herrn Rabbiners H. B. Fasfcl zu >1. Gideon Brechers „Die Be schncidung der Israeliten, Wien l*4f> bei Schmied und Busch." Herr Rabbiner Fasset bespricht da die Frage ausführlich und gründlich, und kommt zn dem Resultate, daß die Be schncidung dem Israeliten ^mcrlässliche Pflicht, ja die Bedingung seiner Zugehörigkeit zur jüd. kom. Genossenschaft sei, und daß die für Unterlassung der Bcschncidnng angcdrohte Strafe rvc, in mildeste» Sinne genommen, eine Ansschri düng, Losrcißung vom jüd. Bolle, also von der Religions genossenschaft, bedeute. denslicdrr deiner Cecle; laß dein Auge auslecren seine schneidenden Kristalltropfen und die Tropfsteine des ätzenden Kummers; laß von dir ausglimmcn und absiaster» die Angenblistsfronte der täuschenden Fkucrivrrkc. »nd dann, wen» das Unglück, der Schmerz, dir Bo»- beit, die Täuschung, die Ersabrung, diese geschäftigen Kannnerdie- »er der Seele, dich entkleidet babr» von allen irdischen Freuden und Erwartungen, dann werfe dich an meine Brust, in meine Muttcrarnie, und ich will dick» wie eine» Neugeborenen weich rinwickeln in Trost und Liebe. Fch bin Liebcsanfang und Licbesfortdaurr ohne LicbcScnde. Nur bei mir ist die Stiftshütte der Ruhe, nur bei mir die Bundrsladc des Friedens!" Laffrn wir unser prüfendes Auge hasten an die' satt morsch gewordene Wand de» Zudrnthum», daS nur nach Außen sicht, während es im Innern mit Blindheit geschlagen isi. da wird der elegische Ton Jeremias hörbar: „Verstört ist die Wonne unsere» Herzens, verwandelt in Trauer unser festlicher Reigen; Gefallen dir Krone unseres Hauptes!" Seit dem von Außen her die Klänge der Freiheit wie Melodien tönen, seitdem tönen im Innern die Stimmen, welche der heiligen Lehre einen Grabgesang widmen und heilige Traditionen verwerfen wollen, wie dumpfer Gciftcrchor. Und erst die Zustände in den jüdischen Gemeinden, die den verschütteten Herculanum und Pompeji gleichen, wie sind birst beschaffen I Mangel , an wahrer Religion, Apathie für» 3udenthum. abhanden gekommener Sinn für dir Interessen drssrlben haben da ihren Siß aus-