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Die Gegenwart · 1868-07-16 · 16 (16.7.1868) · p. Seite 179

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
16 (16.7.1868)
Date
1868-07-16
Page
Seite 179 (sequence 9)
Language
German
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179 Beilage zur „Gegenwart" Xr. 16. pien *533 M103 p» .12DM charatterifirt ihn sein Söhn Emden. Nun aber wie HauS führen? wie seine Existenz sichern, wenn ihm «uf andere Wege keine Subsidien zufloßen, ja nicht zugab, daß sie ihm zufließen sollen? — Um diesen sich immer mehr und mehr gestaltendcn Mißverhältnissen Einhalt zu thuu, trieb er sich auf Anrathen seiner Freunde einen im Geschäfte kundigen Mann auf, dem er sein erheiratetes Gut anvertraute, und mit dem er in der Folge den Profit theilen sollte. Allein dieser, da ihm Merkurius nicht günstig war, und durch unglückliche Konjunkturen immer mehr und mehr das ihm anvertraute Eapital zusammcnschmolz, machte aus einmal Reiß auS und entfloh nach Amsterdam. Wie erschrack unser H., als ihm die traurige Kunde zu Ohren kam, seine Habe auf solche schnöde Weise so schnell zu verlieren! Der düstere Gedanke jetzt endlich die menschliche Hilfe beanspruchen zu müssen, nagte wie ein Wurm an seinem Herzen ^Schwarze Mlder umflorten seine Seele immer mehr und mehr, die keinen Hoffnungsstrahl zn ihr durchdringcn ließen, so daß sich ihm davon eine Gemüthskranlhcit entwickelte, die bald in eine solche gefährliche Krankheit auSartete, daß schon die Aerzte alle Hoffnungen aus eine Wiedergenesung aufgaben. Doch auf deren Anrathen besuchte er den Badeort zn EmS in Nassau, wo er nach und nach der ReconvaleSccnz sich wieder crfreuete. Während seiner Abwesenheit wurde ihm in der Mitte des Monats Sivan d. I. lüÜG sein ältester Sohn Jakob, auch Jakob Israel Jabctz genannt, der nachherigc in der rabbinischen Welt, so wie in der Judenheit Epoche machende, bekannte scharfsinnige Kritiker und für Licht und Wahrheit kämpfende Emden geboren. Wie groß war seine Freude, als ihm sofort die ftohe Nachricht hinterbracht wurde, einen Sohn bekommen zu haben; da er schon alle Hoffnung aufgab, indem, wie erwähnt, ihm schon drei Mädchen geboren wurden, je einen männlichen Erben zu besitzen I Diese freudige Ucberraschung trug viel zu seiner Genesung bei. Er verließ sogleich den Kurplatz um nach bestandenem Ungcmache im Zirkel seiner Familie ein Doppclfrst zu begehen. Da er auch ein Mohel war, so nahm er die Funktion selbst vor. Kaum einige Tage anwesend übte er eine überraschend humane eine beinahe an Selbstverleugnung gränzcnde Handlung aus, welche wir dem freundlichen Leser um so mehr vorführen wollen, da wir daraus auf seinen biedern und edlen Charakter schließen können. ' Genannter hatte nämlich vom Vater seines flüchtig gewordenen Compagnon'ö nach der oben gemeldeten Affaire eine schriftliche Urkunde erhalten, worin dieser sich verbindlich machte, falls sein Sohn die Passivschuld nicht begleichen sollte, er anstatt seiner der Zahler sein werde. Zufälligerweise verfiel der Kavent gleich nach ZcbiS Ankunft iu eine gefährliche Krankheit. Dieser befürchtend, wie lcicl t könnte sich nicht der Gekränkte wegen Nichteinhaltung seines gegebenen Versprechens zu Herzen genommen haben, nnd am Ende der Veranlasser deS davon leicht zu entstehenden SterbcfallcS zu sein einerseits, anderseits in Erwägung deren, da ihn die Vorsehung von Todesgefahr entrissen und nebst dem ihn mit einem männlichen Erben gesegnet, nicht gegen diese himmliche Begnadigung undankbar zu sein, ergriff er ungeachtet er jetzt sebst in mißlichen Umständen sich befand, sogleich die Urkunde, riß sic in zwei Stücke, nbcrschickte dieselbe dem Pa-, ticntcn, welche auch da« beste Mcdikamcut war, das je ein Aeskulapjünger darrcichcn konnte; denn von der Stunde an grnaß der Kranke. H. konnte sich, trotzdem jetzt sein Vermögen bedeutend gelichtet wurde, und trotzdem er zur Bestreitung seines Hanshaltcö weit über 1000 Thlr. Bank» jährlich bedurfte, dennoch nicht, entschließen irgend eine Gabe ja nicht einmal die üblichen Emolumente anzunehmcn. Um aber, damit sein noch übrig gebliebenes Capital nicht der gänzlichen Auflösung entgegen gehe, sannen seine Gönner aus ein für ihn sehr vorthcilhafteS Mittel aus. Sic boten - ihm an, daß er seine Barschaft ihnen zum Geschäftsbetriebe übergeben sollte, wo sie dann den davon entfallenden Gewinnsttheil ihm entrichten werden. H. ging ihrem Vorschlag mit der Bedienung ein, daß sie nur, wa« ihm rechtmäßig gebührt, nicht aber ihn durch Vorgespirlungen zu täuschen und etwa auS ihren eigenen Mitteln hinzuzuthun, geben sollten. Viele wiederum verwendeten sich für ihn bei ihren jüdischen Geschäftsfreunden in London, die ihm Perlen und verschiedene Edelsteine zu billigen Preisen zukommen ließen, wodurch er glänzende Geschäfte machte, ja einer seiner Hanptgönner richtete ihm sogar eine Weinhandlung ein, wo er wn mit den besten ftanzösischen und italienischen Weine reichlich versah. Diese Mittel inSgesammt halfen ihm sein Leben erleichtern, und konnte er so ungestört und sorgenlos seinen Studien obliegen. Unter diesen Auspicien verlebte er einige Jahre ruhig und glücklich. Da aber sein Schwiegervater MircleS schon ganz und gar seinen Berufspflichten nachzukommen unfähig wurde, und vielen schon zuwider war immer besten Schwiegersohn, der ohnedies durch seine Vorträge vollauf zu thun hatte, noch mit den rabbinischen Funktionen nnd andern Gcmeindcangclegcnhcitcn, ohne etwas dafür zu haben, in Anspruch zu nehmen; so stellten seine Gönner bei dem Gcmeindcvorstand den gerechten Antrag: man möge dem erstern seinen vollen Gehalt belassen, nnd lctztern für seine Mühewaltung einen seinem Stande nach angemessenen Gehalt bestimmen. Allein da diese die Minorität waren, ging ihr Projekt nicht durch. Aber bei allen seinen liebenswürdigen und unzweideutigen biedern Charakter hatte Zcbbi dennoch einen Antago nisten in Altona, der ihn unverschuldet, vielleicht au« einer gewissen Capricc anfeindete, und zufälligerweise war dieser gerade einer der größten und einflußreichsten Männer in der Gemeinde. Nach dem Dahinscheiden seines Schwic gervaters wurde ihm sogleich nach dessen Bestattung unter vielen Glückwünschnngen daS Rabbinat der zwei Gemeinden Hamburg und WandSbcck übergeben; jedoch Altona welches damals der Capo der Trippclgemeindc war, wurde ihm nicht zugestanden, weil schon noch beim Leben seines Schwieger vaterS ein anderer (wahrscheinlich R. JccheSkel Katzcnellrnbogen) auf Beeinflußung seines oben gemeldeten Gegners designirt wurde, daß cS zu Reibungen und von diesen zu 'Spaltungen kam, versteht sich von selbst. Endlich vereinig ten sich die Partheien hierin, daß ein jeder Rabbiner ein halbes Jahr das in jRede stehende Rabbinat leiten solle, so das H. jetzt 3 Gemeinden zn verwalten hatte. Da es aber auf dieser Weise kein gut thun konnte, und natürlich durch dqS öftere Schüren einiger Zwischenträger der glim inende Funke zur hell aufloderndcn Flamme ausbrach, spielte H. den Nachgiebiger«, nuthul den Klüger», denn er legte das Altoüacr Rabbinat, um allen fernern Unannehmlichkeiten ausznwcichen, zu Gunsten seines Rivals nieder, nnd nahm den einmal gefaßten Entschluß, trotz der Zurcdnngen seiner An Hänger dasselbe zu behalten, nicht wieder zurück. Er besuchte nicht mehr die große Synagoge daselbst, wo gewöhnlich der jeweilige Rabbiner dominirte, sondern zog sich ruhig und gelassen in seine Klause wieder zurück, um da in stiller Zurückgezogenheit und in nngestörtcr Ruhe seine theologischen Forschungen mit Eifer betreiben zu können. (Schluß folgt) Folgende mildlhätige spenden für einen armen jüdischen ehren * haften 76jährigen Greis in Warw»(an sind a» die Redaktion diese» Blatte» ringelanse», und bereit» dein Bestiminungeorte zugesithrt morde». Herr Scligmann El bogen in Prag k» fl. ,, Josef Wahle „ 2 — Da» Personale eine» Geschästehanse« in Wien 2 — Herr Rudolf Reach in Prag 1 — „ Ei. Brandeiö WilNvc und Sohn in Prag t — Dir Admiiristralion der „Gegenwart" _ 1 — Fl« weitere Spenden wird gebeten. Summa 12 fl, Vritfknsttn drr Redaktion. Herrn Dr. .ft. in B. wird nächsten» besprochen. Hrn. F. in Wien Darüber längst im ftlaren. Hn. P. in Br. kann nicht verwendet werden. Briefkasten brr Administration. Herrn Rabbiner k. tu R. Habe» 6» kr. gut. Herrn Dr. ft. in B, r Tbalcr erhalten. Hrn. L. K. t'rhrrr in P. Sie 'haben die früheren Blätter, wie verlangt poate ro»t»nte, wollen selbe abholrn. Herrn M. B. in Wim 100 Frk». — 44 fi. 80 kr. erhalten. '

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