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Die Gegenwart · 1868-07-16 · 16 (16.7.1868) · p. Seite 171

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
16 (16.7.1868)
Date
1868-07-16
Page
Seite 171 (sequence 1)
Language
German
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Halbjährig»? Hbon« »tmrot für Prag and die Provinz inklasive Zustellung ins Haus oder Postverfrnduug i. W. - .1 fl. 40 kr. siir'S Ausland irblr. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Judentums. Erpkditioii für den grffiinmttu Buchhandel SSfar Seiner in Leipzig Verlagsbuchhandlung, und 4. Donnerstag Redaltian uad Ad »iaistratioa Rittergaffe Rro. 408 — 1 wohin alle Briefe n. Vtldfeodungk» zu richten sind. Dir „Gegenwart" erscheint zweimal im Monate u.z. jeden 2. Nro. 16. Prag 9. Juli 1868. 1. Iahrg. Inhalt' Leitartikel: Innere Zustände. — Tie Rabbinerschulc in Eisenstadt. — Aueiprüche moderner Autoritäten üb e Jude» und Zudenlhmn. Correspondenz r Aus den Donaufürstenlhumern. — Pari«. Locales. — Auswärtiges. — Kunst und Literatur. — Nrlrologir. Nachtrag: Leben und Wirken des Rabbi I. Hirsch Aschkenasi. FeuMrton. — Inserate — Innere Zustande. Die letzten zwanzig Jahre, die eine UebcrgangSperiodc zu der frischen Entfaltung der socialen und bürgerlichen Vcrhältnisse der Juden bildeten, haben durch eine blitzcvschnelle Rotation des Geistes der »-eit zu der nicht einmal Jahr» hunderte die Triebkraft besessen, eine wesentliche Verbesserung der Verhältnisse der Juden in ihrer staatlichen Slellnftg hcrdeigcsührt; der Jude hat, am Ausgangspunkte dieser beiden Dezennien aiigelangt, das erreicht, was ihm früher nur eitle Hoffnung und ein ewiges Fragezeichen geworden, er hat die Last von sich geschüttelt und mit einer Schwungkraft sich auf die Hohe der Zeit hinausgcschwungen, die ihm „ach dem Genüsse des Wermuths bitterer Leiden, und einer ent» mcnschlichten Stellung, den Kelch der Freiheit schlürfen lässt, die ihm zum Kanaan geworden, das er nicht nur gesehen, sondern auch noch zu besitzen hofft. So weiß dem Juden die Außenwelt inuuer uiehr Interesse abzugcwinncn, die ihm früher wie Mit einer chinesischen Mauer umzogen war, und von welcher ihm jede Verbindung und Adhäsion abgcschnittcn wurde; er athmct frischer auf, seitdem der Odem der Gleichberechtigung ihn durchweht, fcirdcm er sühlt, daß er' „ein Mcnfch unter den Menschen" ist. Freuen wir uns, daß dieser Umschwung geschehen, der jedes sreidenkenden Mannes Ernst mit Stolz erfülle» muß, und wollen wir hoffen, daß wir nicht einst zu sage»! brauchen, t tc schonen Tage von Aran- Feuilleton. Ile ersten jüdischen Soldaten. Historische Skizze. (Schluß) Pater Wolf beantragt, daß das oom Tische entfernt iwt»™ dürfe. „Lassen wir den gekreuzigten Erlöser a» setnrin Platze unser Ratban hat ihn» kein Lcidrö gcthan, war auch nicht unter jenen Pharisäern, die den Herrn zuricfc», steinigt ihn." „Majestät, sagte Rathan EskeleS, ich vereine meine -Bitte mit jtner des hochwürdigen Herrn, das Kreuz möge entfernt werden, wenn ich da sitzen muß." ..Warum? hastest Du den Erlöser, daß Du dessen Bild nicht schm willst?" „Wie sollt i. juez sind nun vorüber und herrlich waren die Träume in denen wir uns gewiegt, so müssen wir doch beklagen, daß die rasche Besserung des freiheilskranken Judcillhuincs demselben wohl nach Außen eine achtungögebietend? Stellung verschaffte, mährend die inneren Zustände gelockert zu sein scheinen und an einem an Fäulnis gränzendcn Prozesse la boriren. Akut in der Heilung nach Außen, chronisch in der Zerstörung nach innen, das sind die charakteristischen Merkmale deö gegenwärtigen JudenthumS, die ihre Begründung finden in der Zerklüftung der Gemeinden, in der gethcilten Anschauung der GlanbenSprincipien, die sonst nie oder doch selten zur Geltung gekommen, in der beabsichtigten Zerstörung alter Traditionen, in der mangelnden Uebcrcinstimmung jener Elemente, die in der AtmoSsphäre des Juden» thumS sich bewegen. Wir wollen uns nicht in eine Schilderung der inner» Zustände der Judenheit im Allgemeinen ergehen, weil jene ebenso fruchtlos wäre, als diese vielleicht trotz ihrer tragischen Gestalt manchcm^lächcrlich scheinen könnten. Wer in Gott und seiner heiligen Lehre das unantastbare Palladium erblickt, wird sich kaum mit den Bestrebungen einiger RcucrungSsttchtiger befreunden, die mit profaner Hand an alte Heiligthümcr sich vergreifen wollen, um sie zn zerstören oder durch morsche unhaltbare Grundsätze zu ersetzen, er wird vielmehr das kecke Treiben jener Elique, welche der Uebcrmnth zur Leidenschaftlichkeit hinreißt, verachten. Der Jude braucht keine neuen Religion--Gesetze, keine Abrogationen er unterliegt nicht der Zuchtrnthc der Religion; ob er ihr dienen will, daS hat er' mit seinem Gewissen abzurechnen. Doch das ist cs nicht, worüber wir mit denen, welche mit Umsturz des Alten, mit Aufbau planloser Schaumgc bilde sich beschäftigen, rechten wollen, wir haben cS hier mit den inncem Zuständen der Geuicii'dcn zu thuu und wollen nnS auf die unS zunächst liegende uralte pragrr Gemeinde beschränken, und ihre religiösen Verhältnisse beleuchten. Wer diese früher im dichten von den Fäden des MittelalterS durchwebtcn Schleier verhüllt kannte, kan» wohl aber mein Gesetz gebietet mir lieber zu schweigen, che ich den, Pric. stcr einer andern Religion ein Aergcrnist gebe." Der Kaiser lächelte. Rathan aber fuhr fort: „Erlauben Euer Majestät, daß ich stehend rede." „Warum das?" „Ich darf nichts voraushaben, vor meinen Brüdern, die stch dadurch zurückgesept fühlen könnten." „So mögen diese stch gleichfalls »icdcrlastc»." „Mit Nichte», "Eure Majestät, da« würde den Anschein haben als wollte ich, daß Eure Majestät um meinetwillen. ihnen Huldvoll wäre." „Wahrlich sagte dcr Kaiser, die Zcrcmonit»fragc beginnt so umständlich z» werden, wie beim w stphälischcn Kongreß". (Liebe Liebhard, 3IU ibid.) Pinkas Lteinitz und Rüben Mcnastes »mßten sich glcichfällS niedcrlastcn. , „Ich will deinen Rath anhöre». ÜSkeles, und die Meinung deiner Brüder über eine rntfcheidknde und wichtige Frage kennen lernen.

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