Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1868-06-25 · 15 (25.6.1868) · p. Seite 169

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
15 (25.6.1868)
Date
1868-06-25
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4890378-5433912-5433925--059-4890428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

169 Brilaae zur ״Gegruwatt" Nr. 15. der Lehrer in dcn isr. Gcmemeinden eine gesicherte, eine bleibmde sein müsse! In dieser Beziehung mache ich die geehrte Versammlung aufmerksam, daß der Herr Vorsitzende L. Klein aus Pilsen, der mit unermüdlichem Eifer taktvoll gesteriLund heute den Vorsitz führte, und wofür ich mir erlaube im Namen der Herren Anwesenden den wärmsten Dank auSzusprechen, mir eine Schrift zu lesen gab, deren Inhalt das sagt, wovon m«m^ Herz voll ist und vieles enthält, was ich soeben hier ausgesprochen habe, beim Dnrchlesen dieser Schrift schien eS mir, als hätte ich diese diktiert. Auf diese Schrift, meine Herren, mache ich Sie aufmerksam. Es handelt sich darin vorzüglich darum, inwiefern mau die hohe Regierung bitten soll, wie die Stellung der Lehrer eine andere, bessere werde und die Regierung möge die Verbesserung vornehmen. So sollen wir hier Männer wählen, die dieses Bittgesuch revidiren, ihre Ansicht dem Coinitc mittheilen, und es dem hohen Ministerium unterbreiten. ES handelt sich darum, daß der Lehrer eine Achtung gcbietendere Stellung habe, nicht daß man nach Willkühr mit dem Lehrer schalte und walte, daß er ein willenloses Werkzeug der Vorsteher und anderer Leute werde (Bravo! Bravo!) der Lehrer soll keine andere Stelle annehmen, als eine fixe Stelle von der Regierung genehmigt; hier kann er mit seiner Familie bleiben, daß er keine Wanderschast nach 2 oder 3 Jahren antreten müsse — (Bravo I) Leben und Wirken -es Nabbi Z. Hirsch Aschlcuasi, auch unter dem Namen Chacham Äebi bekannt von David Holub, Rabbiner. (Fortsetzung) Als sich aber die Kriegsfackel nach dem südlichen Ungarn wälzte, und sogar schon Bosnien von den kaiserlichen Truppen genommen zu werden bedroht war einerseits, anderscitS als Z. die schreckliche Kunde erhielt, daß seine Ellern und Verwandten gefangen nach Berlin weggeführt wordcn wären, entschloß er sich Serajewo zu verlassen, um seinrn Angehörigen nach Deutschland zu folgen. Er schlug (1689) seinen Weg dahin über Venedig ein. Während der ganzen, langwierigen und kostspieligen Reise aber nahm er trotz der ihm gemachten ehrenvollen Anbietungen keine Gabe an. Aber in welcher Verlegenheit gericth er,׳ als er nach Venedig glücklich ankam, nicht einen Lire in der Tasche zu haben. Doch bald wurde er von seiner peinlichen Läge entrissen; Er hatte nämlich einem ungarischen Edclmanne. als er noch in Ofen domjzilirte, Geld geborgt. Der Belagerung halber entfloh dieser, ohne daß H. trotz aller angcstelltcn Nachforschungen ermitteln konnte, wohin er sich gewendet habe. Zufälligerweise erfuhr ei, daß sein Edelmann sich hier befände. Ihn aufsuchend bezahlte dieser ihm seine Schuld auf einen Krenzcr, und H. wurde wieder dadurch in die angenehme Lage versetzt, keine fremde Hilfe — welches er sich auch von Ingend auf zur Maxime gemacht hatte — beanspruchen zu müsien. Hier besuchte er den frommen von ihm besonder« geachteten Samuel Abvflb, den Vers, der Resp. דבר שמואל, wo er sich mit ihm über verschiedene talmudische Gegenstände (R. G. A. 42) unterhielt. Bon da begab er—sich noch in demselben Jahre über Anspach nach Fürth. Hier eiferte er gegen eine Sabbatverletzung bezüglich des Eruw, die sich die dortigen Rabbinen zu Schulden kommen ließen in der irrigen Meinung, da sie einen solchen in der Synagoge haben, unnöthig wäre noch einen zweiten auf eine andere Stelle anzubringen (R. G. A. 111,) wo er ihnen, trotz der Ein- Wendungen seine- Verwandten Bärmann und des Vice- Rabbiner- Wolf Betschitscher, die sich auf die früher» dortigen Rabbiner und Assessoren Scheftel, den Vers, des 11׳ ר.?נז1רים;um שלייה und dessen Sohn Ieschaja, auf Samuel Koidenover und Hellmann aus Prag beriefen, dennoch ins Gesicht sagte: ם חגים אתם 1שתים רע1ח אתם עושים שאחם סטלמלין סבית לבית א1 מבית לחצר הש1תםין בלי׳ עירוב באשר שאתם שומכין על העיר1ב שיש לכם בבית הכנסת.. Nachdem er sich hier einige Zeit aufhi.lt, und einen allgemeinen ungetheilten Ruhm atmete, reiste er nach Prag, in welcher Stadt er dem damals noch lebenden Hrllmann die Fürther Sabbatvcrletzung mittheilte, und eine deipflichteiide Antwort erhielt. Hier bot ihm Wolf Spira Obrrab bincrs Substitut und nachher böhmischer Landrabbiiier, da er schon längst von seinem immensen Wissen und biedern Eharakter gehört hatte, die Hand seiner Tochter an, welche -Parthie er aber aus dem einzigen Grunde »»»schlug, weil sie eine Witwe war. Von hier aus nahm er seine Richtung nach Berlin, und von da endlich kam er 1690 nach Hambürg, wo er wahrscheinlich noch in demselben oder im solgendcn Jahre die Tochter des dortigen Rabbiners Meschullan Salman Nenmark, bekannter unter dem ׳Namen Salomon Mircles,') heiratete.') Auf Anregung seines Schwiegervaters Mireles errichtete ihm die Altnaer Gemeinderepräsentanz ein große» Lehr- Hans ״Klaus״ genannt, allwo er ununterbrochen talmudische und halachische Vorträge hielt. Au» allen Gauen Deutschlands sogar aus Polen und Lithaucn strömten lernbrgirrige Talmndjünger, selbst viele greise Talmudgelehrten und vakant gewordene Rabbinen seinen Vorträgen zu, um aus dem Born seines sprudelnden Geistes ihren Wissensdurst zu löschen ואלי יאספו הבסיס ונבונים הרים׳ דםומבדיחא וסבי רנהררעי בחורי חמד, ואנשי שם גם שב וישיש הצמאים לשמוע דבר ה׳ (Einl. zu Ehacham Zebi). Die Art und Weise seiner Vor träge bestanden wesentlich in Folgendem: Zuerst trug er den Gelehrten der Zwcigcmcinden, sowie dcn aus der Fremde hierher eilenden Thalmudisten PoSkim vor. namentlich die Turim mit dem Eommcntar Bcth-Ioscf, wobei durch gegen-!eiligen Ideenaustausch nicht nur ail Erkenntniß und Ein sicht zugenommen, sondern auch ihre Geisteskraft gehoben und geschärft wurde. Hieraus wurden wieder thalmudische Vorlesungen für junge Thalmndbcflissenc gehalten, welche Anordnung wir ans Nro. l seiner Resp. datirt Altona 1669 ersehen, wo er sich denr Salomo» Acjalon, dem Ehacham der sephardischen Gemeinde zn Amsterdam, mit folgenden Worten entschuldigt: והרני בא בקצרה, בי לא אובל מלס משא ישיבת הבקר בנמ״סת ושיעורן של חכמים רבותינו בעל הטורים והב״י נוחי נפש, אשר אנו עסוקין בדם תמידין כסדרן, וכל זד. בחברת חברים מאריות נברו; ונם אחרי כץ, אשר יבואו בחורי חמד ללמוד קביעותם. Bald sah er sich in kurzer Zeit von einem großen Schülcrkreiö uingeben, die ihn wegen seines wohlwollenden Benehmens gegen sie, sowie seines gründlichen Unterrichtes so sehr lieb bekamen, daß sie ihr Leben für ihren Lehrer und Meister hingcgcben hätten. (Fortsetzung folgt.) ') Dieser ausgezeichnete Thalmudist wir einer der Wiener Es» lanten vom Jahre 1670. Ec erhiell da« All011a>Hamb»rger Rabdinat und betlridelr dasselbe sehr lange wahrscheinlich bis znm Jahre 1706 oder 1707: denn er erreichte ein sehr hohes Alter, da« über dir Achtzig sich erstreckte. (Bgl. -עדות כיעקב .11 מגלת כפ p. 10.) Er stammle au« einer der berühmtesten und vornehmsten Familien Deutschland«, deren Glieder sowohl au» großen Thalmudgelehrten al« auch au» Reichen destanden und die später in Wien sich niederstes!»!!. ') Herr Klemperec (in seiner Biographie des Gib nschüh) seht sein Vermählungsjahr etwa« zu srllh. indem er ihn schon 16*9 heirathen läßt. Allein wenn wir den Umstand erwägen, daß er vielleicht noch 1689 in Serajewo war und ihn in demselben Jahre noch in Venedtg, Anspach und Fürth begegnen und vielleicht erst 1690 Prag, Berlin b« rührte und erst am Ende diese« Jahre» nack Hamburg angekommen sein mochte — wo man damal« da noch keine Eisenbahnen existirten allerding« nicht so schnell wie jrbt reisen konnte — ist et allo nnwahrlchein lich, daß er 168S schon verheiratet gewesen war. J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.