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Die Gegenwart · 1868-06-25 · 15 (25.6.1868) · p. Seite 165

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
15 (25.6.1868)
Date
1868-06-25
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 eigenem gründlichem Studium kennen gelernt habe, ja es liegt die Vcrmuthüng nahe. Schiller habe den wenigen ihm bekannten ihm so häßlich erschienenen Juden ein Schnippchcn schlagen, und sich wohlfeiler als durch ihre Hilfe durch ein leicht erworbenes Honorar aus momentaner Verlegenheit helfen wollen. Verlässt ihn doch gleich im Beginne die sonst von ihm unzertrennliche Klassicität des Ausdruckes, und daö Gleichnis vom unreinen Kanal ist ebenso wenig aestethisch als klug gewählt. Schon die gemeinste Küchenmagd, die nur einmal wegen eines schlecht auSgespülten Topfes verwiesen wurde, mußte gegen die Verkehrtheit einer Oekonomie protestiren, wie sie da der Vorsehung zugemuthet wird, der ver. ständige Juvelier aber würde traurig lächeln über einen nnschätzbaren Diamant, den er in Blei fassen sollte. Was aber die Zertrümmerung des Gefäßes betrifft, erinnern wir uns an eine altjüdische Sage, nach welcher MoseS an den Trummcrn der Gesetzestafeln soll ein reicher Mann geworden sein; nun^wahtttch^ die Zertrümmerung oder Auflösung des jüdisch c »Volkes hat alle Völker der Erde mit Aufklärung und Crkenntniß bereichert, obwohl der Ausdruck ״Zertrümmerung" hier keineswegs'passt, da das Gefäß noch immer tauglich genug blieb, daö kostbarste Gut in seiner Reinheit zu bewahren und gegen jeden äußeren Einfluß zu schützen. ES ist wahrlich staunenSwerth, wohin das Borurtheil selbst die erlesensten Geister zu treiben vermag; soll doch nach Schiller der Aussatz eine Nationalkrankheit der Juden sein, bei denen der Quell der Zeugung von Egypten her auf Jahrtausende hinaus vergiftet sei. Daß es aber mit dieser Nationalkrankheit nicht so arg gewesen, beweist, daß zur Zeit einer Belagerung in der äußerst volkreichen Hauptstadt Samuria trotz dem heißen Klima Palästinq'S sich nicht mehr als 4 derartige Kranke in Gewahrsam vor der Stadt befanden. Und wo findet sich diese Krankheit noch da, wo den Juden geräumiges Wohnen freie Bewegung und ehrbarcS Geschäft gestattet ist? Wahrlich^ nicht einmal in Egyptcn waren die Israeliten jene tiefgesunkene, verrottete Volks- Masse, als welche Schiller sie aus das Zeugnis eines anderen Schriftstellers, von dem er eingestandenermaßen ab« schreibt, schildert. Der Glaube an einen einzigen Gott war ihr Erbtheil von den Erzvätern her und mußte ihnen nicht \ erst durch einen Verrath egyptischer Priestergeheimnisse zuge-!s führt, und nur der gesunkene Muth, das Vertrauen auf 1 Gott mußte durch MoseS und die als Weiser und Führer des Volkes ihm nahe standen, neu belebt werden. Und dieser Weiser und Führer hat es wohl nicht gar; so wenige gegeben, wie schon die Hinzusetzung des BeinamcnS ״Lewi" zu dem Namen Ahrons (Exod. 4. 14) weit י eher irgend eine persönliche Würde oder Eignung als die j bloße Abstammung bezeichnet. Wo hätte auch Israel sofort * nach dem AuSzuge aus Egypten einen Feldherr wie Josua , im Kampfe mit Amalek, Künstler zum Bau des tragbaren ״ Tempels und seine Geräthe, Weise wie die 70 Ältesten und; die noch überzähligen Eldad und Medad genommen? Doch , wir wollen nicht Eulen nach Athen nicht Wasser ins Meer 5 tragen und Schiller da eines weitern zu widerlegen suchen, י wo er selbst einmal der eigenen Größe, der eigenen Würde vergessen hat. Nur eines inüssen wir hervorheben, daß eS doch kein so ganz ״unwürdiges״ Volk gewesen sein muß, aus welchem die Vorsehung für die einstweilen den Heiden mehr als das Judenthum zugängliche Religion die Apostel genommen, es mußte doch kein durch den vergifteten Zcu- * gung-qucU so ganz entartetes Volk sein, daö von den Griechcn das Beste, was sie hatten, die philosophische Ethik, an« nahm, das selbst in neuerer Zeit einen zweiten MoseS hervor- . brachte, von welchem man mit mehr Recht behaupten kann, daß er ein Mysterium offenbart, nähmlich dem deutschen Volke in populärer Weise die deutsche Philosophie bekannt gegeben, welche bisher durch die krause Redeweise der deutschen Gelehrten fast ein undurchdringliches Geheimnis gewesen. Ja selbst die allerneueste Zeit bietet in der Mitte des Bol- ^ckes, welchem Schiller als seine Zierde entstammt, da» son- -derbare Schauspiel, daß die auSdauernsten Apostel der wodernsten Religion, der Freiheit, wie Fischhof. Jacobi und andere, Juden sind, während bei vielen anderen Freiheit--- Helden nur allzurasch die ״Milch der frommen Denker" sich in den!edcin Finger gefügigen Käscbrei des Lervili-mnS umgcwandel t hat. Ja, dieses Volk der Ebräer hat nicht, wie Schiller sagt, nur blind glauben können, während die egyptischen Epopten (Priester, Eingewcihete) die Wahrheit durch die Vernunft erkannten; es war dieses Volk vom Anfang an gleich zu einem Volke von Priestern bestimmt, und wie eS diese seine Bestimmung erfüllt, inögen uns andere als Schiller zur Genüge bezeugen. (Fortsetzung folgt.) Au- Ungarn 21. Juni 1H08. (O. K.) Seit sehr langer Zeit, ja vielleicht seit dem Bestehen der ישיבות in Ungarn, gab es vielleicht keine Epoche, die für daS Bestehen der ישיבות so inhaltsschwer, so gewichtig gewesen wäre, wie die gegenwärtige. Wie der Schiffer auf auf hohem Meere, Orcane eine längere Zeit vor ihrem Hereinbrechcn durch unstätcS Hin und Hcrflattern gewisser Vögel angekündigt sieht, so haben auch Bewegungen. Umwälzungen des socialen und politischen Lebens ihre Herolde, die ans die Möglichkeit einer solchen Begebenheit hinznweiscn scheinen. Hier in Ungarn wird auch durch Vorboten eine große Um- Wälzung sowohl im Schulwie im ישיבת Wesen kundgegeben. Die nun bald in Pest zusammentrctcndc Eonfcrenz bildet gleichsam den Sturmvogel zu dieser großen Erschütterung, der Ungarn in einigen Monaten entgegen geht. Wenn man sich vielleicht dem Gedanken hingicbt, daß Niemand, das freche Spiel der Reformer, deren Absicht ein Seminar nach ihrem Geschmacke zu modeln ist, in seine gehörigen Grenzen zurückzuweiscn sich traut, so hat man sich wahrlich getäuscht. Noch giebt eS Männer und zwar nicht wenige, die daS Licht der Wahrheit nicht scheuen und wenn sic sich noch etwas lethargisch verhalten, so wirken sie dennoch eifrig im Stillen, um zur rechten Zeit vor der Welt ihren Rechten Geltung zu verschaffen. Meine Feder ist nicht speciell für die Schulangclegenheit gespitzt, ich, als Jünger der ישיבת will nur dies im Bereiche dieses Artikels ziehen, welcheS für mich wie für meine Collcgen Wichtigkeit hat und erreichen kann. Ich glaube, nicht viele Worte zu benöthigen um den klaren Standpunkt der ung. ישיבות darzuthun. Viele Artikeln, besonders den vorjährigen vorzüglichen Artikel de» vr. I. Hildesheimer im ״Israelit" haben uns über die Licht- und Schattenseiten der ung. ישיבות Aufklärung gegeben und alle Artikeln durchgehends sind zu diesem Rcsume gelangt, daß wenn wir unser Auge dahin richten, wir uns hinsichtlich des LcrnenS mit befriedigtem Gemüthe fortwenden. DaS waren die Lichtseiten der ישיבות. Die Schattenseiten dagegen, stehen den Lichtseiten so grell entgegen, daß bei unS die gerechte Furcht aufsteigt, in Bälde die schönen Seiten verdunkelt zu sehen, wenn nicht schleunig Hilfe herbeigeschafft wird. Man hat der zeitgemäßen Bildung keine Rechnung getragen! Man hat nicht berücksichtigt, wie viele Mal schon die Mahnung an unS ergangen ist, eine zeitgemäße Bildung in uns anfzunehmcn. Ich will hier nicht die Gründe angeden wie und durch welche Einflüsse einige ישיבות für den Fortschritt reiften, während andere gleichsam bestimmt waren stehen zu bleiben, wie Männer die einer solchen Anstakt bevorstehen ganz recht wahrnahmen wie in weiten Kreisen ein Jahrhundert umS andere der menschliche Geist fortschreite und zum Besten der ישיבת davon Notiz nahmen, während andere die» unberücksichtigt ließen. Dies ist ungefähr die gegenwärtige Situation der ישיבות. In welchem Lichte unS die Zukunft erscheinen wird, stelle ich jedem rechtdenkenden, strenggläubigen Jünger der ישיבת anheim, der für da» Bestehen und Blühen der ישיבות noch ein warmes Herz birgt. Tritt die Eonferenz zusammen, siegen, davor Gott uns hüte, un-

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