Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 14 (11.6.1868)
- Date
- 1868-06-11
- Page
- Seite 159 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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159 Vellage zur „Segenwart" Rr. U. "auch de» guten Geistes, bcr sie belebt, einer solchen Aufmerksamleit würdig ist, leisten wird. New-Orleai». Die Unterstützungssumme für die Jsrae- Uten daselbst während dr» Dvthen» deS gelben FiebkrS im vorigen Herbste beträgt 30.000 Dollar; davon trug die Stadt New-Nort mehr als die Hälfte bei. Lunst und Literatur. — Die hier erscheinende „Politik" vom 4. Juni d.J. bringt in ihrem Feuilleton eine ebenso geistreiche als richtige Kritik über da» kürzlich erschienene Buch „Erinnerung an Heinrich Heine von Maximilian Heine, eine» Bruder» de» verstorbenm Dichter», in welcher es unter Anderem heißt: „Perfid gegen die Manen de» tobten Bruder» ist aber da», was Maximilian Heine über die religiösen Beziehungen de» Dichter» sagt, über die er so lose, aber diktatorisch hinwegzuhüpfen versucht. ES heißt nämlich in dem Buche : „Zu den in deutschen Schriften immer wiedcrkehrenden Fragen wegen der Religion de» Dichter» (Franzosen und Engländer befassen sich nicht mit solchen pouzeilichen Fragen, wenn e» der Würdigung einer geistigen Größe gily, bemerke ich, daß nicht die Borfahren, wohl aber Heinrich Heine und seine Brüder sich zum Christenthume bekennen." Das ist, so albern es im Allgemeinen Mngt, einen Dichter nach seinem Religionsbekenntnisse zu fragen, in erster Reihe eine Unwahrheit. Heinrich Heine hat de» Oefteren selbst wiederholt, daß er als Jude geboren wurde und erst später zum Christenthume übertrat. Wie unsicher und zweifelhaft er aber auch in dieser Beziehung war, wie oft er sich, bald als Gläubiger, bald als Atheist widerspricht, wie dumpf und Nagend diese Saite seine» Herzen», so oft er sie auch immer anschlng, Nang, beweisen die wenigen Worte, die er einst gesungen und die wie.klagende Musik au» seiner Seele drangen. Keine Meffe wird man singen. Keinen Kadusch wird man sagen, Nicht gesagt und nicht gesungen Wird an meinem Sterbewagen. Die Sehnsucht und die Liebe zum Judenthum, dem er ursprünglich angehörte, ist der schönste Zug in Heine» Charakter, er kann das Judenthum nicht verläugnen, und so oft er es auch mit der ätzenden Lauge seine» Spotte» übergoß, immer wieder trat ex mit der größten Energie und mit der ganzen Gluth des Orients für dasselbe ein. Eine tiefsinnige Kritik sagt, daß wenn e» einmal im Gemüthe de« Dichter« Ernst wurde, was freilich selten geschah, so war e» nicht da» griechische Hcidcnthum, auch nicht der KatholiciSmu», der seine Seele ausfüllte, sondern die ReminiScenzen der alten jüdischen Religion, in der er erzogen war, und dieses einzige positive Gefühl, so sehr er sich seiner durch Hohn und Spott zu erwehren sucht, ist für un» doch die menschlich achtungSwertheste Seite in seinem Wesen. In den Spielen seiner Phantasie konnte er sich ganz mit Recht einen Romantiker nennen, der die Kapuze von sich geworfen, aber im Innersten seine» Wesen» ist er nie etwas Anderes gewesen als ein Jude und da» rechnen wir ihm zur Ehre an. In unbewachten Augenblicken traten bet ihm stet» die Sympathien für diese Religion hervor, von der er manche gemüthliche Bilder gegeben hat. Selbst in dem Wettgesange zwischen dem Rabbi und dem Mönch, derabgeschen von dem cynischen Jnhaltein Meisterstück ist,spricht sich diese Theilnahme für da» früher unterdrückte Volk auS. Maximilian Heine hat demnach seinen Bruder nicht verstanden und mit dem prüden Hervorheben seine» Christenthum», ihm und sich selbst eine arge Blöße gegeben. Daß er mit Vorliebe von den drei Redakteuren Heinrich Heine, Gustav Heine (Eigenthümrr de» Wiener Fremdenblattes) und sich (der Autor war Redasteur einer medicinischcn Zeitung in Petersburg) spricht, möge ihm da» Publikum ebenso verzeihen, al» daß er überhaupt viel zu viel von seinem eigenen weltbedeurenden Ich plaidirt. — mvr m Mosaische Religioaslehre zum Gebraucht assesior in Pest (2. Auflage 1868) ist bei Klllian Universitätsbuchhandlung in Pest erschienen. Wir behalten un» ein» Besprechung diese» Werke» vor. Berichtigung. Die in Nro. 13 gebrachte krhrervrrsammlunß enthält unter anderen den § 2 und 4 de« Statutenrntworfe« betreffe» den Neben, die irrthümlicher Weise unter dem Ramm Hahn angeführt werden, während diese Anträge „allseitig« Interessen und tkrri«v «reine" vom Hern» Lehrer I. LSmÜ gestellt wurden. Briefkasten der Redaktion. Hrn. Pd. t in P. Viehrr hat keine Vrrhandluna zwischen un» und dem Comile stattaefunden, folglich von un« eine Rubrik für p. b. Arbeilm noch nicht beschlossen. Im Falle der Bestimmung werben wtt von Ihrem Anerbieten Gebrauch machen, für da« wir vorläufig da» ken. Herrn M—r iu Wien da« nächste Mahl. Herrn I. F. i» Earlsbad: Correspondrnzrn von Zeit zu Zeit willkommen. Briefkasten der Administration. Herrn Josef St. in Herman Mestn Beruht auf einem Mi«verständniste, dq« Blatt erscheint zweimal im Monate. (Cingesendet.) An den löbl. Vorstand des nrnerbanlen ist. Tempel» ju Prag' Wir machen Sie darauf aufinerksam, bevor zur Bettheilung der Plätze im neucrbauten Tempel geschritten wird, eine General. Versammlung einzuberufen, die Preise der Plätze, wie auch dir Ramrn der Besitzer der Tempelattien vorzulegen, damit' sich Jeder nach Belieben auf einen dem Preise angemeffcncn Sitz vormerkcn lasten kann. Hieraus sei die Verlosung der Plätze vorzunehmen, bet der entweder Jeder selbst daö LooS zu ziehen hat, oder durch eine von der Generalversammlung gewählten Commission gelost wird. Wir wollen genie zugeben, daß die Herren Besitzer vieler Attien rin Vorrecht genießen sollen, aber keineswegs, daß Jemand, der beispielsweise einen Sitz mit 30 ff. bezahlt und reich ist, in dir erstere Sitzreihe.rangirt, während dem minder Bemittelten bei gleicher Bezahlung eine der letzten Sitzreihen angewiesen wird. Dir Unterzeichneten haben au» den letzten Vorgängen in der vorjährigen Sitzeverlosung solche »mangenehmc Erfahrungen geschöpft, durch die sie sich auch heute bewogen fülfien, zur Beseitigung derartiger Uebelstände in dem neuerbauten GotteShausc de» löblichen Vorstand desselben, im Voraus darauf aufinerksam zu machen und bitte» gleichzeitig denselben von der in der öffentlichen Tribüne der Politik de dato 9. Juni eingeschaltete» Beschwerdeführung Rotiz zu nehmen. Mehrere langjährige Tcmpelbesucher, wohl nicht lehr reich, aber charaktervoll genug, um da« Gedahren d>« Vorstände« nicht länger zu ertragen. (Eingesendkt.) Ei» Akt der Roheit. An dem zweiten Tage de« Schebuothfeste» ereignete e« fich im Hiesigei» isr. Tempel, während der Verrichtung de« Seelenheil- Gebete» (Maskir neschamah), bei der die Geinüther der Andächtigen bewegt find, und die Andacht eine gehobene ist, daß der Obercantor Herr PereleS einen seiner Chorknaben einen fünffingertgen Beweis seiner Unzufriedenheit gegeben hat. Wir wollen nicht ergründen, ob diese Echlagferttgkeit mit der musikalischen Bildung zusainmenhängt, keineswegs kann eS gebilligt werden, daß fich ein Funktionär in einer heiligen Andachtsstätte eine solche Freigebigkeit erlauben darf, welche nicht nur gegen jeden Tatt verstößt, sondern auch eine höchst unangenehme Distonanz in den Gottesdienst bringt, welche die Akustik eines neuen Gebäude» ziemlich beeinträchtigt. '_Wilhelm Hlogau. Buchhaltung. Unterzeichneter, der in einem Berliner GroßhaudlungShausc 18 Jahre al» Buchhalter fungirte, beschäftigt fich jetzt hier »nit dem Crtheilen von Pnvat-Unterricht ii» der doppelten italienischen Buchführung, dein kaufmännischen Rechnen und der Correspondenz, und lehrt diese Gegenstände in so außergewöhnlich faßlicher Weise, daß fast jeder seiner bisherigen Schüler binnen sehr kürzer Seit die Stelle eine» tüchtigen Buchhalter« zu bekleiden im Stande war.