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Die Gegenwart · 1868-02-28 · 9 (28.2.1868) · p. Seite 35

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
9 (28.2.1868)
Date
1868-02-28
Page
Seite 35 (sequence 1)
Language
German
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StaMBUtteiMciaikke* 16 ®*T. tael. 5a0e.2־\SUä 1 fit kk Mtktcll•• 1 M* «»Pekltl»». iMtl Die Gegenwart. Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, dm 28. Februar. Rl». 9. Zweiter Jahrgang. 1868. Inhalt: L»rrr»P»adtasn1: tköniglberg i. Pr., Wollpcin. — Die Drschichte der «ffeneth. —?Ueratsr-Bericht. (Fortsetzung.)--userule. Kßnigrbeeg i. Pr. 14. Januar. Seitdem die Habilitation der Juden an hiesiger Universität gestattet ist, sind zwei Juden als Privatdocenten in der medicinischen Facultät thätig, nämlich Dr. Max Perl» und Dr. S. Samuel. Der erste ist vor vierzehn Tagen als Pro-Director der anatomisch-pathologischen Klinik bestätigt worden, und da» Ehristenthum erlitt dadurch ebenso wenig eine Erschütterung, wie durch den vor einigen Monaten erfolgten Uebertritt eine» gebildeten Ehristen zum Judenthum. Die Art und Weise wie dessen Aufnahme in'» Judenthum von Herren Dr. Jolowicz vollzogen wurde, verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Nachdem Herr G.au» Liebe zu einem armen jüdischen Mädchen au» der Landeskirche auSgeschieden war, kam er zu Dr. Jolowicz und erklärte ihm seinen Entschluß, in die Gemeinschaft der Juden einzutreten. Diesen freien Entschluß nahm Dr. Jolowicz in Gegenwart zweier tüchtiger christlichen Zeugen zu Protokoll, er mahnte zunächst Herrn G.von seinem Entschlüsse abzustehen, da noch mancherlei sociale Vorurtheile gegen die Juden^ und ihre Religion obwalteten, erklärte ihm da» Wesen der Religion de» Judenthum» im Unterschiede von der sogenannten jüdischen Religion, und wie» ihn darauf hin, daß der wesentliche und eigentliche Unterschied zwischen dem Judenthum und allen anderen Religionen, darin bestehe, daß e» keinen einzigen Brauch für unbedingt nöthig erachtet für die Seligkeit de» Menschen, und daß daher der Vollzug der verschiedenen und in verschiedenen Länden» und zu verschiedenen Zeilen ander« gestalteten Eeremonien ganz und gar von dem Belieben und der Stimmung de» Einzeln abhänge. Diese schriftliche Verhandlung wurde Herrn G.eingehändigt, und ihm eine vierwöchentlichc Frist zu deren genauen Prüfung gelassen. Al» er nach dieser Zeit auf's neue seinen Entschluß, Jude zu werden, in Gegenwart zweier christlicher Zeugen an -den Tag legte, nahm ihn Dr. Jolowicz unter Handschlag an Eide» statt in die Gemeinschaft der Jude,? auf, stellte ihm darüber da« nöthige Zeugniß au«, auf Grund dessen Herr G. in da« jüdische EivilstandSregister von der zuständigen Behörde eingetragen wurde. Wollstrio. (Volk« 1Ztg.) Der nachstehende Streit dürfte auch in weiteren Kreisen von Interesse sein. Der Dr. jur. L. in P., Kreis Wollstein, Gutsverwalter, wendete sich im August v. I. an die Shnagogengemeinde seiner Vaterstadt Glogau und verlangte hier mit seinem Einkommen eingefchäht und besteuert zu werden. Die Eiuschätzungskommission der Glogauer Gemeinde lehnte die Einschätzung ab, weil Dr. L. nicht innerhalb de» Gemeindebezirks seinen Wohnsitz habe und deshalb nicht Gemeindemitglied sei. Der Vorstand aber nahm die Einschätzung selbst vor und händigte dem Dr. L. den Steuerzettrl ein. Al» nun die Gemeinde Wöllstein dem in ihrem Bezirk wohnenden Dr. L. die auf ihn repartirte Steuer abverlangte, lehnte derselbe die Zahlung mit Rücksicht auf seine schon in Glogau erfolgende Besteuerung ab und wurde in seiner Weigerung drrrch da» Landrathsamt de- Wollsteiner Kreise» unterstützt. Durch die von der Wollsteiner Gemeinde erhobene Beschwerde wird nun im Instanzenwege festgestellt werden, ob ein Jode sich die Gemeinde aoSwählen kann, bei der er Steuern zahlen will. Dir Geschichte -er Asseneth.!Vorbemerkung. Da» griechische Original diese« Pseudepigraphon, abgedruckt im zweiten Theile de» Fabric. Codex pseudep. v. t. S. 85—102 reicht nur bi» Kapitel 9, die folgenden Kapitel sind nach der lateinischen Uebersrtzung, Theil I. S. 778—784. des Fabr. Cod. pseud. v. t., übertragen. Die Abfassung dieser Schrift gehört der späteren christlichen Zeit an, der Verfasser hatte nicht viel "Geist und Gelehrsamkeit. Die Sprache ist an mehreren Stellen ganz analog der eines gewöhnlichen Manne» unserer Zeit, der sich bemüht recht schön zu sprechen, aber dabei die gröbsten grammatikalischen Schnitzer macht. Dahin gehören Redensarten, wie: ״Joseph war in» Hau«", ganz wie man noch heute von Halb« gebildeten hört. Der religiöse Gehalt de« Roman«, denn al» nicht« weiter ist diese Schrift zu bezeichnen, ist gleich Null. Wahrscheinlich ist da« Ganze ein mönchisches Produkt an« dem 6. oder 7. Jahrhundert, entstanden au« den sagenhaften Bruchstücken über da« Leben und Wirken Joseph'«, die sich zerstreut bei den älteren Kirchenvätern vorfinden. Für die jüdische Theologie ist diese« Pseudepigraphon insofern von Interesse, al« sich ähnliche sagenhafte Anklänge au« dem Leben Joseph'« und der Asseneth im Talmud und Midrasch finden. Jonatan den Usiel macht, nach alter Tradition, Assenet zur Tochter Dina'S aus der Verbindung mit Sichem (l. M. 41, 45) wa» auch in Pirke Rabbi Elieser, Kap, 38. geschieht. WaS unser Pseudopigraphon, Kap. 1. Ende, von dem Wohngcmache der Asseneth zu erzählen weiß, sagt fast mit denselben Worten daroman- und legendenhafte ספר הישר (hebr. Bearbeitung des AdamSbuche«) von dem Palaste de« Joseph. פרשת טקץ (S. 64 b. und 65 a rd. Prag) und wa« Kapitel 5 von der Ermahnung Jakob'« an Joseph berichtet wird, stimmt wieder mit der Sage Sotah 36 b. und Tanchuma Ende יישב, wo von dem plötzlichen Erscheine» der wanienden Gestalt de« Patriarchen und dessen Abmahnung von sündlicher Befleckung die Rede ist. Den Namen סוטי©־־ giebt unser Pseudepigraphon nicht wie Joseph»« durch Petephro», sondern durch Pentephro« sder Autor la« also *®פנטי) wieder, woran ich mich bei der Uebersetzung nicht hielt. Zu Kapitel 19, Ende vrrgl. man Sefer Ha-Iaschar,

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