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Die Gegenwart · 1868-01-10 · 2 (10.1.1868) · p. Seite 9

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
2 (10.1.1868)
Date
1868-01-10
Page
Seite 9 (sequence 3)
Language
German
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0 vrrli«k W»ch«»sch»tsi Wk Iktzffche Ka^dcgat^ätts. E^lMMtge»^'׳ MMche» ich»e bedäOlsche UeSerleguag rilsch «d kekchtstrsitl hi»geadtft»t WM eine» Meister», 4tf bar er seSst m •Ät teile, da» er in dev nächsten Stunde schon verM», ja vielleicht schon still bereut hatte, da» wtirde von Hörer» «er Schiller« «mfgesangM m»''gemerkk, und ein-!Pal in» Leben getrete*, fand e» «Mch Eingang in die Arche, um vor de« Untergange in der Sintfluch der Zeit gerettet jowerbm. Da» ist die genetische Entstchung de» Talmud«, dessen bei weite«"grdtztee Theil v»n einem emst-religivsm und sittlichen Geist dmchwehtlst) Ein analoge» Werk findet sich nicht Nochmal» in der Siteratnrge« schichte irgend einer Nation.' - ׳' Wird der Talmud von diesem geschichtkchen und allein richtigm Standpunkte au» betrachtet und beachtet: so wird'man auf der einen Seite stch hüten, um einiger irrigen und selbst perwersilchm Sätze willen in feindseliger Schadenftende da» ganze Werk mit seinem reichen, werthvollen Schatze zu untersthStzen, zu schmähen und zu verdammen; auf der andern Seite wird man Mcht in übertrieben gereizter Gewissenhaftigkeit den , fruchtlosen Versuch machen, jede» un» anstößige Urtheil und jeden Jrrthum einer längst entschwundenen Zeit beschönigen, »ertheidigen und rechtfertigen zu wollen. Nehmen wir den Talmud für da», wa» er ist und sich selbst gibt: so werden wir Mit dem Hinblicke auf die Art und Zeit seiner Entstehung chn nach seinem Wesen und Werthe zu verstehen und zu schätzen im Stande sein. Leider hatte und hat nur eine kleine Zahl unter denen, die sich zu Richtern über den Talmud aufwerfen, diese Auffassung und Vorstellung über die Natur und Bedeutung de» Talmud» sich angeeignet. Die Masse der unberufenen Richter thsilte sich in zwei Lager, von denen da» eine da« ganze Werk ungerecht verdammt, da» andere jeden Satz darin einsicht»loS vergöttert. Dazu liefert der oben citirte Ausspruch über da» einstige Loo« der Aerzte einen schlagenden Beweis. Im Namen eine» sonst'nur sehr selten genannten Manne» , der über die Wahl der Lebensberufe und über die Geschäfte und Stände in der bürgerlichen Gesellschaft seine Ansichten aussprach, theilt ein anderer Gelehrter mit. er habe noch erklärt: ״Der beste Arzt komme-io die Hölle und der beste Fleischer sei ein Compagnon de» Amalek." Wie wenig Gewicht und Werth auf diese» in Abneigung -der Unwillen gegen Aerzte und Fleischer hingeschleuderte Anathem unter den Um« Synagögenkehrbrst gelegt wurde, erhellt darau», daß dasselbe in den Gesetzbüchern keiner Erwähnung gewürdigt wurde. Erst in späterem Zelt .hielten e» empfindsame Seelen der Mühe Werth, entweder gegen diesen Ausspruch heftig loszuziehen, oder ihn durch erkünstelt, j HMelpsftalionen zu mildern. (Fottsetz'uog folgt.) Berichtig״-«: In Nr. 1, ®.''4. Sp. L. Z. 14 v. unten lie» ..diesen" stau ״dieselben". ‘ 7-1! v ■ ' ■ , ■־׳iv; ־■•־ t .1 : , v Der babylonische Jesaja. Wenn Ezechiel ein wirkliche« Totalbild de« damaligen hebxäifchen VylkSgelste» geliefert hätte, so wäre e« mit,chssfen Ent^ Wicklung wahrscheinlich bald zu Ende gewesen und er würde im Exil vollend» verkümmert und verkommen seiy. Allein -npere gleichMge Denkmale beweist», daß-dieser Stubenprophet nur ein«׳ einseitige Richtung repräsentirte, die priesterlich-stvitische, die erst nach dem Exile eine größere Bedeutung gewann. Er war mehr eine vereinzelte Erscheinung, die damals in dm eigentlichen Schichten de» Volkenoch keinen Boden finden konnte und so im schlimmen Sinne der Zeit vorauseilte, indem er schon auf DMllel und Me ApekaWWer Wwessk. Würde Mtst priefieM-- stzmbolische Richtung t« Letze» wie in derLtteratttr st^y damals׳ in» tigimtliche Volk ekngednmgeü seinso wäre da»׳!»gleich kif Grab aller wettere» Poesie -ewese«. Allel» die Stdsr diesig Zeit, die Schmerze»«klängecm» der exilifche» Leibeasyerlode zei^׳ ׳ gm uu» noch eine gesunde, teraige Natur voll Wahrheit m» Frische, wie au» der.-Mchea Zei^ — Aber.auch da» Prophetmthum, da» mit Lzechick,Hia^ich. erloschen »ad entartet schim, hat gerade l« Exil »och ein» «änderbare Rachtzlüche getrieben, die atzet nicht auf dem dürren prstflerllchm, sondern auf dem lebmdigen Boden de» eigentlich»» Volke» gewachsen ist. E» ist die», der sogenannte zweite Theil Jesaja'» ft. 40—66, den man sehr «ppassmd Pseudo-Jesaja gekauft hat, da da» Buch doch gar nicht für ein Werk de» aüm Prozchetm gelte» will. Ewald nmnt diesen Verfasser ״den Zroßen Uagenacmtea'1, wa» ebmfall» wenig paffend scheint, Mdom.wir so »och ««che» Anderu bezeichnm könnten, z. v. den Verfasser der Grandschrist de» Pmtateuch», de» Hohenliedes, de» Hiob, der Sprüche, de» ftohelet! Jedenfalls war der Name Jesaja(d. i. Gottes-Heil) ein allgemeiner, und wie zwei Prophetm Micha, zwei mit Namen Secharja Vorkommen, so liegt die VermMtzung nahe» daß es auch im Exile einen Propheten Jesaja gegeben^ und daß ma« etzm deshalb die Schriften dieser bpideu Namensbrüder später verbunden habe. E» kehrten sogar zwei JSraelite» diese» Namen» au» der Verbannung zurück, ein Jesaja, Sohn de» «talja, nach E»ra 8, 7; und einer bei Neheuna II, 7. Sie führen beide die verkürzte Form de» Namen», wie die Aufschrift de» Buche- Jesaja. Am einfachstm bezeichnen wir jedenfalls diesm exilischen Propheten al» den babylonischen Jesaja, sowie den Sltern nach dem Schauplätze seiner WirtjamleU al« den jerusalemischem. Daß unser Prophet nicht in Babel, sondern in Aegypten gelebt und geschrieben, wie Ewald will, - ist eine völlig unhaltbare Annahme, die keiner Widerlegung bedarf. So wie da» chaldäische Weltreich dm Gipfel seiner Macht erreicht hat und durch die vereintm Heere der Meder und Perser ernstlich bedroht scheint," so schvpfm die verbanntm Patrioten- Israel» zum ersten Male wieder frischen Muth und neue Hoffnung. Sie verkünden mit der größten Zuversicht den Sturz der Ehaldäer und ihrer Hauptstadt, sowie die Freilassung Israel». Worauf diese Hoffnung Israel» bestimmter sich stützte, ist nicht mehr deutlich. Doch dürfen wir annehmen, daß Eyru» theil» au» natürlicher Milde und Gutmüthigkeil, theil» und hauptsächlich auch au» Polilik den unterdrückten und exilirten Völker durch Proklamationen die Freiheit versprach und so im Lande der Ehaldäer selbst zahlseiche BundeSgenossm gewann, die ihm bei einem offenen ftampse wesentliche Dienste leisten konnten. Ob die Ju^ dm solche Perdienste bei der Eroberung Babylons (538) sich erworben, oder ob Eyru» wegen seiner Pläne aus Aegypte» sie sich verbindlich machen wollte, und sie deshalb tn ihre Heimath entließ, läßt sich nicht, mehr entscheiden. Bevor aber diest Hoffnung erfüllt wurde, in den Jahren von 540—538, entstand under dey verba^stn Stämmen eine mächtige Bewegung, die bald in Propheten und Dichtern ihren geisttgen Ausdruck fand. Einen der frühesten und srischestm Ergüsse, al» da» erste, Morgenroth der Kveiheit zu dämmern begann, habe« wir bei 9»* saja ft. 21, 1—10. Die Meder und Perser find bereit» inr Abzüge; im Geiste erblickt der Prophet ein buntgemischtes Reiterheer mit Sack und Pack, da» gegen Babylon heranrückt. Plötzlich wird unter die sorglo« schmausenden Fürsten der Krieg», ruf: ״zu dm Waffen!" dringen, und Babel mitsainint seinen

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