Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1868-01-03 · 1 (3.1.1868) · p. Seite 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
1 (3.1.1868)
Date
1868-01-03
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4889892-5434110-5434220--487-4890319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XfefH Blatt afAtiKt |Af■ *teil M Bit. laal. ...... «tmt■*»•«»** Die Gegenwart,^ jilniftni l»1 Mt Xckactlaa MtlfCfHU«•• Berliner. Docheuschüft für Jüdische AMlegenheiten. Freilag, -rn 3. Januar. N0. 1. Zweiter Jahrgang. 1868. Inhalt: «orr»»»,1>dnt,ku: Satin, Pot«dE, Mm. — Die Lmancipation in Ungam. — Muntre und trübe Gedanken am Büchertische. — Zur Rückerl. Forschung. — *ennifchle».--nsentle. *Berlin, i. Januar. Wir wissen zum Beginn unserer die«- jährigen THStigkrit auf dem Felde der Berlinisch-jüdischen Angelegenheiten kein angemessenere« Thema, als daSjmige, mit welchem sich vor einem Jahre die erste Berliner EorreSpcnden; in der Probenummer beschäftigt hat: da- Thema eines in Berlin zu gründenden RabbinerseminarS. Jene EorreSpondenz, die von einer sehr competenten Feder herrührte, constatirte, daß an den verschiedensten Ecken und Enden der Äemeide von der Sache die Rede sei, und wollte zu ernsthaftem Nachdenken anrcgen. BesouderS wurde hervorgehoben, daß bei reiflicher Betrachtung die bereits vorhandenen theologischen Institute (״Breslau", Paris, Padua rc.) nicht ignorirl werden könnten, Nun, die ״Gegenwart" hat es in vieser Hinsicht wohl an gründlicher Betrachtung nicht fehlen lasten! Nichtsdestoweniger liegt die ftagliche Angelegenheit noch ganz in demselben Stadium, wie heute vor einem Jahre. Um indeß zu zeigen, wie die ganze Welt ihre Augen in dieser Frage auf Berlin richtet, theilen wir nachfolgende« Bruchstück aus einem vor einiger Zelt von Prediger vr. Felsenthal in Ehigago gehaltenem Bortrag über ״Jüdisches Schulwesen in Amerika" mit: ״Alle Versuche, Seminare oder theologische Facultäten, oder gar — Universitäten für Juden in Amerika zu gründen, werden sich so lange als in die Luft gebaut erweisen, so lange man nicht in den einzelnen größeren Sammelpunkten jüdischer Bevölkerung für bester» elementaren Unterricht im Hebräischen sorgt. Erst wenn rin Knabe den hebräischen Kursus vurchgemacht, wie wir ihn oben flüchtig entworfen, wird er genügend vorbereitet sein, um mit Borcheil einen höheren hebräischen Unterricht empfangen zu können. Bisher fehlte aber den jüdischen Jüngliugen so ziemlich alle Gelegenheit einen solchen propädeutischen Kursus zurückzulegen, und e« kommen daher die Versuche zur Errichtung von Seminaren für die Ausbildung von Lehrern und Rabbinern noch \ um ein Jahrzehnt oder zwei zu früh. Daun fehlen auch heute noch in der amerikanischen Judenheit alle Triebfedern, welche jüdtsche Jünglinge zur Wahl des Lehrer» oder RabbinrrberufeS bestimmen könnten. Anderwärts und in früher« Zeiteiz war da- Studium der jüdischen Theologie nicht ein Spaten, um damit zu graben, sonder» Selbstzweck. Fromme Eltern ließen ihre Söhne eine Jeschibah besuchen, ohne auch nur im Entferntesten daran zu denken, daß die Thorah die Kuh sein solle, die Den, der sich mit ihrem Studium beschäftige, mit Butter versorge. E« galt eine Mizwah zu erfüllen. Solche ideale Deukung-Weise ist in unserer Zeit nicht vor- Händen, und am wenigsten in Amerika, und eS wird darum die Wahl des Lehrer- oder Rabbinerberufes nur von wenigen Jüngliagen oder resp. deren Eltern getroffen werden, da ja hier alle möglichen Bahnen dem jungen Manne offen stehen, und eine mercantile oder industrielle Laufbahn in der Regel viel lukrativer ist als die mühevolle und undankbare Stelle eines jüdischen Lehrer» oder Theologen. Dennoch mag sich, wir wollen e« hoffen, daun und wann ein begabter, edelgesinnter, von idealen Anschauungen erfüllter Jüngling finden lasten, voll inner« Drange» und Beruse» für da- Studium der jüdischen Theologie. Einem solchen muß e« Seilender wohlhabenden jüdischen Amerikaner möglich gewacht werden, daß er, hier in den Schulen de- Lande» oder durch Privatbelr, ״ Jen grundlegenden Unterricht genossen, seine theologischen Studien in Europa fortsetze. Einzelor wüsten auftreten oder Vereine mit dem Zweck, den der jübischen Theologie befliffenen jungen Männern durch genügende Stipendien chre Studien zu ermöglichen, sie nach Berlin oder in eine sonstige geeignete Stadt zu senden, in der sie dem Studium der jüdischen Wissenschaft obliegen können, und sie daselbst zu unterft^htzn. Da» ist'L^waS nach unserm Dafürhalten unter de» jetzigen Berhältnisten für die in Rede stehende Angelegenheit zn thun ist. Wir nannten Berlin als einen Ort, wo unsere jüd. Gelehrten io spe ihre theol. Ausbildung empsangen könnten und soll» ten. So weit unau« der Ferne eine Kenntnißnahme der Verhältniffe möglich ist, ist Berlin in unseren Tagen eine der besten Städte, um jüdisches Misten sich zu sammeln. Wir erwähnen blo«, daß daselbst Zunz, Steinschneider, Lebrecht, Haarbrücker u. A. leben und — lehren (in der erwähnten Ephraim'schen Lehranstalt). Wir gedenken ferner des Umstande«, daß man dort rein objektiv die Wiffenschaft pflegt und lehrt, ohne alle tendenziösen Nebenrückstchte» und ohne alle dogmatische Befangenheit und pastoralkluge- Schweigen und Verschweigen. Pastoralklugheit ist aber nicht immer eine Tugend, sondern zuweilen sogar eine Unflttlich« keit. Auch Breslau und Wien sind deutsche Städte, in denen jüdische Theologen von wiffenschaftlicher Eminenz lehren, und in denen darum der angehende jüdische Theologe mit Vortheil für sein Wisien wird studiren können. Alle Achtung vor dem gelehrten vr. Frankel. Wer von dem Berfaffer des Darche Ha-Mischnah und zahlreicher anderer bedeutender Werke und Abhandlungen Unterricht erhalten hat, der hat jedenfalls Gelegenheit gehabt, etwa- Tüchtiges zu lernen. Seine Schriften wird Niemand, der sich mit den Gegenständen derselben beschäftigen will, ohne Vor» thell lesen, selbst wenn die Kritik in Methode und Stoff derselben Manchezu tadeln Beranlaffung findet. Alle Achtung vor dem fleißigen vr. Grätz. Wer eine so umfängliche Geschichte der Ju» den zu schreiben im Stande ist, wie Grätz sie unternommen, der wird ohne Zweifel auch seinen Hörern ein Lehrer sein, ans den diese später mit dankbarer Erinnerung werden zurückblicken können. Seine voluminöse Geschichte ist zwar kein Werk auf da« wir als 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.