Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 50 (13.12.1867)
- Date
- 1867-12-13
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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©trimer Wochenschrift für Jüdische ülugelegeu-ettea. 1 889 sind, wie denn auch die i«r. Okerkzrchenhehörde sich entschiede» dahin ausgesprochen hat, daß eia besondere^ Platz auf dem christlichen Friedhefe zur BegräbnißMe, für. Israeliten uar unter der Bedingung (ü) benutzt werden dürfe, wenn dieser Platz durch eine Mauer, einen lebendigen Zaun,oder sonst auf «ine Weise von dem übrigen Raum abgegrenzt werde, eS ist deshalb den Israeliten nicht möglich, den allgemeinen Friehhof in der angebotenea Weise zu benutzen und kann der i«^'Kirchengemeinde so wenig wie einer ' Privatperson aus sanitätSpolizeilichrn Gründen überlasten werden, die Todten zu begraben an einem Orte, wo sie wollen. E» wirb deshalb erkannt: 1. die hiesige Stadtgemeinde für verpflichtet zu erklären, den . Israeliten einen abgesonderten Platz, sei eS auf dem allgemeinen Friedhof oder anderswo zur Bestattung ihrer Todten einzuräumen, und 2. die Tragung der I fl. betragenden Erkenntnißsportel dem hiesigen Gemeinderathe zuzuscheiden. König!- Oberamt. Baur. Der Magistrat in Eßlingen hat Berufung an die k. Kreisregierung eingelegt, wir werden später das Resullat derselben mittheilen. Bei der Berathung deS Budgets des Kultusministeriums hat dastelbe 2000 fl. für Kultuszwecke der Israeliten mehr mgirt, im Ganzen 9600 fl.; die Rabbinen des Landes erhallen neben ihren Alterszulagen je 100 fl. jährliche Aufbesserung ihrer Gehalte. B. CH. Vuyot über das Zerret vom 17. März 1808. In dem Heft der „Revue des deux mondcs“ vom 1. Juli veröffentlicht Herr Guizot eine Abhandlung über das Leben und die Werke des Herrn von Baraute, und erzählt dabei die Umstände, unter welche» daS bekannte Decret Napoleon I. vom 17. März 1808 entstand, das bis 1818 auf den elfäfsischen Juden so schwer lastete, auf den rheinischen Juden aber bis 1836, indem man in Preußen die Geltung des DecreteS nicht auf die 10 Jahre beschränkte, für welche eS seinem Texte nach bestimmt war. Guizot berichtet: „Die erste Verhandlung, der ich beiwohnte, hatte ein besonderes Interesse für die Zuhörer. Der Kaiser hatte, als er von Austerlitz zurückkam, sich in Straßburg aufgehalten und dort lebhafte Klagen gegen die Juden gehört. Die öffentliche Meinung empörte sich gegen de» von ihnen ausgeübten Wucher, eine große Zahl Cigeuthümer und Ackerbauer waren von enormen Wucherschulden erdrückt, sie hatten sich für viel bedeutendere Summen verpflichtet, als sie erhalten hatten. Man behauptete, daß mehr als die Hälfe de» elsäffifche^ Grundbesitzes hypothekarisch den Jude» gehörte. Der Kaiser versprach, diesem großen Mißbrauch ein Ziel zu setzen, und kam mit der festen Ueberzeugung nach Pari», daß ein solcher Stand der Dinge nicht geduldet werden dürfe. Er unterbreitete die Frage dem StaatSrath; zuerst wurde sie in der Abtheilung des Innern verhandelt. Herr Regnault de St. Jean d'Ang«lh, welcher präsidirte, übertrug Herr» Mol«, einem jungen und neuen Auditor, einen Bericht über diese Augelegenheit. Den Männern der Politik und Gesetzgebung schien keinerlei Schwierigkeit oder Zweifel dabei vorzuwalten; keine gesetzliche Verordnung berechtigte, die geringste Verschiedenheit zwischm den Bürgern verschiedener Eonsession aufzustellen; eS wäre eine fremd« Idee in dm Grundsätzen und Bestimmungen unserer Gesetze, daß mau genöchigt sei, sich von dem GlaubmSbekenutuiffe de« Gläubiger« zu unterrichten, um zu wissen, ob er da« Recht habe, Bezahlung zu verlaagm; die« wäre ebenso der öffmtliehen Meinung, al« den Gittm und dem Wortlaut der Gesetze rntgezm. Zur großen Ueberraschuug der Staat«räthe verla« Herr Mol« einen Bericht, welcher die Rothwmdigkeit, die Juden Au«- nahmSgesetzm zu unterwerfe«, aussprach, «migstm« in dem, wa« die Verhältnisse de« Privatverkehr« betrifft. Ich kam einige Tage nach der AbtheilungSsitzung. in welcher dieser Bericht verlese« war, nach Paris: man erzählte wir, mit welcher Verachtung und welchem Lächeln er von den Staat»räth«n aufgmommm worden sei, die darin nur eine literarische Schlübung, eine Eingebung der autiphilosophischen Coterie der Herren von Fontane« und von Bonald gesehen hätten. Herr Mol« war nicht au» der Fassung gekommen, e« hatten keine Debatten stattgefunden und die Frage sollte vor den ganzen Rath gebracht werdm. Herr Regnault besprach sie summarisch u»d hielt nicht für nöthig, eine Ansicht, die allgemein sei, weiter zu unterstützen. Herr Beugnvt, der soebeu zum StaatSrath emannt war, fand hier eine gute Gelegenheit zu seinem Debüt, er behandelte die Frage sehr gründlich, mit viel Verstand, Geist und Talent. Jedermann war nämlich seiner Meinung. Darauf bemerkte der Erzkanzler dem Ralhe, daß der Kaiser dieser Sache eine große Wichtigkeit beilege, und daß er eine der vorwaltenden entgegengesetzte Ansicht zu haben scheine, und daß eS daher nöthig fei, die Verhandlungen an einem Tage wieder aufzunehmen, an welchem der Kaiser dem Staatsrache prüftdirte. Diese Sitzung wurde in St. Cloud abgehalte». Herr Beugnot, welcher zum ersten Male vor dem Kaiser sprach, und den sein Erfolg ein wenig berauscht hatte, wurde diese« Mal emphatisch, anmaßend, deklamatorisch, kurz Alle«, was er im StaatSrath nicht sein durfte, in welchem die Debatte nur eine Besprechung von Geschäftsleuten, ohne Phrasen, ohne Effekthascherei war. Man sah, daß der Kaiser ungeduldig wurde. Besonder» ein Satz schien lächerlich; Herr Beugnot nannte nämlich eine Ausnahm«« Maßregel gegen die Juden „eine auf den Feldern der Gerechtigkeit verlorene Schlacht." Al« er geendigt hatte, ergriff der Kaiser da« Wort und mit einem Feuer, einer mehr als gewöhnlichen Lebhaftigkeit entgegnete er auf die Rede de» Herrn Beugnot, bald mit Spott, bald mit Ruhe; er sprach gegen die Theorien, gegen die allgenieinen und absoluten Grundsätze, gegen die Männer, denen Thatsachen nichtgelten und die die Wirklichkeit den Abstractionen opferten. Er nahm mit Bitterkeit die unglückliche Phrase von der verlornen Schlacht auf, und indem er sich mehr und mehr erhitzte, schwur er, was ihm meines Wissens nie im StaatSrath passirt ist; endlich schloß er mit den Worten: „Ich weiß daß der Auditor, der den ersten Bericht abgefaßt hat, nicht dieser Meinung war; ich will ihn hören." Herr Mol« erhob sich und verla» seinen Bericht. Herr Regnault ergriff muthig die Vertheidigung der allgemeine» Meinung und selbst die deS Herrn Beugnot: Herr von S«gur versuchte auch ein Paar Worte: „Ich sehe nicht, sagte er, was man thnn könnte." Der Kaiser war ruhiger geworden und da» Ganze endigte mit dem Beschlüsse, eine Untersuchung über die Stellung der Juden im Elsaß und über ihre Grundsätze und Gewohnheiten in Betreff des Wuchers anzustellen. Die Commission wurde an« drei Maitres de requötes, btn Herren Pourtalü«, PaSquier und Mol« zusammengesetzt, welcher bei dieser Gelegenheit zu diesem. Posten ernannt wurde. Die Präsrcten wurden beauftragt, Rabbi-