Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 48 (29.12.1867)
- Date
- 1867-12-29
- Page
- Seite 383 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner WochenschUst ftt Akdtsch« Angel egeutzeitru. MS Merschelve», m,d so «rrve dle Stuft immer »eittr^ welche stch zwischen de« beiden Religionen bildet», die ihre» Wes« nach so darchau» dasselbe wolle«. Tab sich UN« in dem Dogma de« ChrifteMhM«׳ der ÄM fluß griechischer «nfchauungoweise za erkennest/so bürsten wir f« dem hierarchischen Bau der Lirche mehr den Einfluß römischen Geiste« wiedrrfinden. — Da« ganze klassische Alterthnm kannte keine Gewalt, welche über»Sna MttbmSt» Volke« stand, ja sogar die Kraft de« von ihm selbst gegebenen. Gesetzemußte vor dem jedesmaligen Ausdruck de« Gesammtwillen« schweigen. In dem Bau der römischen Weltherrschaft «hätte sich nichtnur dleser WNle der Gesammtheit zum absolaten'und souveraintn Willen eine« Ästzelnen umgestaltet, sondern die Herrschaft de« Menschen über den Menschen hatte sich zu einem so vollständig gegliederten OtganiS. ma« .ansgeblldel, daß 1 dev ebne oberste -Wille durch zahlreiche Mittelglieder nach den entferntesten Punften de« riesigen Reiche« zu dringen vermochte. Die Grundfesten dieses^ EtaatSgebäude« waren mächtig erschüttert, der Geist, von dem e« getragen wurde, lebte nicht mehr in demselben, aber die Form, in die er sich ren Neidet hatte, wurde auch dem neuen Geiste gegeben, der von nun an die Herrschaft der Welt führen sollte. Nach diese« neue« Geiste sollte nicht mehr der Wille de« ^keuschen. sondern fc'et Wille Gotte« da» oberste Gesetz der Menschheit sein. Aber die׳ Religion, die bestimmt war, durch ihr Sittengesetz dbn freien Willen jede« Einzelne« zu beherrschen, unterwarf sich jetzt al« jkftch» durch ihte äußer» Vkßcht den fteilich nicht mehr freien Willen der Gesammtheit. Die Herrschaft de« Menschen über die Menschheit war geblieben, aber so wie jene im Namen der mensch« lichen Gesammtheit regierte, so herrschte diese im tRatnen1 Gotte« und der Religion. י׳* Sv sehr aber auch diese« GebSNde der römischen Hierarchie der Mittel׳ und Gipfelpunkt aller Verirrungen ist, in welchen da« Christenthum und die christliche Kirche de« Mittelalter« den Geist verläugnete, welcher sie in« Leben gerufen hatte; so sehr e« ihre Autorität allein was, vermöge deren dir Vermischung heidnischer Anschauung mit den wahrhaft christlichen Lehren im Dogma der Kirche festen stich faßte« so fthr eS die von ihr auSMangeiir Nild beförderte Griste«armuth innerhalb der Christenheit war, welche die erhabene Sittenlehre Jesu in eine Vernichtung aller .sittlichen Freiheit unter seine» Dekennern umwaudelte: so war doch die ans diesem hierarchischen Grnnde auferbaute christliche Kirche zugleich eine wahrhafte und großartige Schöpfung de« echten Christenthnmö. Denn wo« in ihr znr Erscheinung kam, war nicht nur eine U eÜer« Windung de« Heidenthuin,«, senhern auch eine offenbare höherb' Lntwichlsing He«' J,1db,t1hnmS. nämlich die Beftefung der Religiös von dem nationalen Element, in welchem sie sich bisher ausschließlich bewegt hatte, die Erhebung derselben zu einem allgemeinen Besitz bet Menschheit. So lauge noch der römische Staat bestand, und in seinem Gebiet zugleich die Christenheit begrenzte, konnte die Kirche, neben den, Kaiser immer nur noch als eine zweite Macht im Staate erscheinen. Als aber dieser unter den Stürmen der Völkerwanderung zusammenftürste, ohne jene unter feinen Trümmer« mit zu begraben, al« die Fürsten >md Nationen der verschiedenen neugebildeten Staaten sich gemeinsam unter ihren Schutz begaben, da stand sie selbstständig da, von den Feffeln der nationalen und politischen Sonderung befreit, und die Fahne, die sie auf dem Kapitol aufpflanzte, wurde zur Fahne der Menschheit. Lasten Sie uu« bei dieser wichtigsten Erscheinung in der Geschichte de« Ehristenthum« noch einen Augenblick verweilen, um an chrer Sntwicklaag die Avlfgab» desselben» «ch durch dittse a»ch »kr heutige Ausgabe de« Judentum« zu begreife«? > Wenn da« Christenthnm eine wahrhafte Fortführung de« JiMruthum« zu eiaer höhen. Stuft seiner Entwicklung sein solltet so tonal« dir« wohl nur in de« Sinne sein» Aufgabe sein, daß e« die reine Gstteserkenntniß, welche der Anhalt der mosaische« Lehre ist, aicht nur wie e« sie dorsond, auch de« Heiden zuführt», sondern dieselbe auch von der Umhüllung der äußern Formen ntfr kleidete, in welchen sie al« Besitzchum einer einzelnen Nation noth« wendig zur Erscheiaung kommen! mußte. Da« Ehristenthum tt* füllt« diese seine Aufgabe freilich «ach de» eine« SeAe hin vollständig, indem r« alle« den Formen entsagte, unter venm dt» GotteSerkeoutuiß de« Judenthum« bisher-zur Richtschnur de« 8»- den« im Staat und in der Familie gedient hatte, und die Kirche, dir e« auferbaute, erschien daher ftei von jeder a»«schließeudr« Besonderheit, ein freier Sammelplatz der ganzen Meuschheit werden zu wollen. (Fortsetzung fotzt.)! > i* -■■־ - - -- ■ - - -akoh Mssta GptMerg. r.. Am Sonnabend den 23. d. Mt«, starb nach kurzem lftiden m seinem 74. Lebensjahre U»ser Pfttbstqger, Joßstbs Ptstk- Goldbirg. Au« Polen gebürtig, machte er schon frühe da« Studium de« Talmud zum Hauptgegenstande seine« Geiste« und erreichte durch stleiß und glückliche- Talent auf diesem Gebiet« eine Voll« kommenheit, die ihn weithin in Rußland, Polen und Deutschland berühmt machte. Al» junger Mann schon »vurde er RyschJaschiba (erster Docent) zu Wolosin, später Rabbiner zu König«- der, i. Pr., bi« zum Jahre 1838; von da bis zum Jahre 1841 war er Vortragender im Beth Hamidrasch zu Hamburg, Seither lebte er hier in Berlin׳ bei seinen Kindern nnd bekleidete auch das Ehren-Aml eines Dajan. Er stand , im geehrten und freundschaftlichen Verkehr mit dem berühmten R. Aiiba Eger; die Kinder beider Männer verschwägerten sich in Folge dieseliterarischm VyhältnisteS. Von Goldberg» gelehrten Abhandlung«» sind einige gedruckt. In seinem Privatleben war er sehr freundlich und heiter; wohlthätig und ehrlich; zwar streng orthodox, jedoch ein Muster von Toleranz. Sanft ruhe seine Asche! Vermischte». " — Die Gleichstellung der Juden in Ungarn vot 760 Jahren. Ein Kenner der alten ungarischen Gesetze weist darauf hin, daß schon König Koloman bemüht war, die Juden mit den Christen in Ungarn gleichzustellen. Uin diesen Zweck zu erreichen nahm er in sein erstes Gesetzdecret vom Jahre 1100 die folgenden sonderbaren 3 Bestimmungen auf; Cap. 48: Kein Jsmaelite (unter dieser Benennung sind in den alten ungarischen Gesetze die Juden zu verstehen) soll sich unterstehen, seine Tochter mit einm. Manne seiner Nation zu verheirathen, sondern er soll sie an Männern unserer Nation verheirathen. — Eap. 49: Wenn »in JSmaelije einen Gast bet sich hat, oder ein Gastinahl giebt, so sollen sowohl er alauch seine Gäste blos.Schweinefleisch essen. — Cap. 75: Diejenigen Juden, die Güter kaufen dürfen» sollen sie besitzen können doch sollen sie nicht wagen, anderswo al« an Bischofssitzen zu wohnen. (Banku. Hdl«.-Ztg.) — Der Untergang einer jüdischen Eolonie in Ehina. Die alterthümliche jüdische Eolonie von Kajfing-fee in