Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 44 (1.11.1867)
- Date
- 1867-11-01
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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346 Die Segcmvart. in Rede stehende Predigtskizze, wenngleich au» den hier angeführ. ten Gründen von einseitigem Standpunkte ««gehend, tu der That von eingreifender Wirkung und de« aufrichtigen Danke« jede« empfänglichen Leser« würdig. Dr. M. 8t. Frankfurt a. O., 27. Oktober. , i! -• Hamburg, 8. Oktober. Gestern habm wir wieder einen sehr ׳ verdienstvollen Mann begraben. E« war der seit 1840 emeritirte Prediger am hiesigen neuen Tempel, vr. Eduard Kley, einer der ersten — in beiden Bedeutungen de« Worte« — welche von einer deutschen jüdischen Kanzel zu jüdischen Deutschen redeten. Sein Verdienst ist groß, denn da« erste Bedürfniß zur geistigen Hebung der Juden war Hebung ihre« Selbstgefühls und da« hat Aleh mit sehr wenigen seiner Zeitgenossen, u. a. mit Mannheimer, unternommen und durchgeführt. Ueber dm Werth seine« Bor« trag» sind die Meinungen von Anfang an getheilt gewesen, über den Werth de» Inhalt« und selbst der Form nie. Der hiefige. Tempel, der so vielen anderen zum Borbilde gedient hat, ist ihm viel schuldig, und selbst nach seinem Rücktritt vom Amte blieb er ein treue« Mitglied desielben, und hielt sich innerhalb der von diesem zum Ausdruck gebrachten, nach beiden Seiten hin scharf abgegrenzten Aufklärung. vr. Kley genoß allseitige persönliche Achtung al« Prediger und Lehrer. Sein Hauptverdienst ist jedoch die — man kann e« so nennen, obgleich sie schon 1 Jahr vor ihm existirt hatte — Begründung und langjährige Führung unserer ״israelitischen Frei« schule", welche freilich jetzt nach diametral entgegengesetzten Grund« sähen geleitet wird. Seine ehemaligen Schüler haben in dank« barer Anerkennung vor fast 9 Jahren zu seinem 70. Geburtstage die ״Eduard Klch-Stiftung" in« Leben gerufen, welche mit einem Kapital und Jahresbeiträgen den Zweck verfolgt, betagten hiesigm Lehrern — nicht blo« jüdischen — etwa nöthige Unterstützung zu gewähren. Kley war keinbrillanter Geist, aber Gott gebe un« nur eine Zahl solcher Geister; wie gern könnten wir dafür eine gute Zahl unserer brillanten und starken Geister entbehren! Die Beerdigung fand Dimstag 7. Oktober statt und der Prediger Dr. Jona« hielt eine Leichenrede am Grabe. Der Leichenzug war sehr groß. Einen eben so großm Leichenzug hatten wir etwa 8 Tage vorher, bei der Beerdigung de« vr. Heilbutt, eine« unserer, namentlich für die Chirurgie anerkanntesten Aerzte, welcher dem iSrael. Krankenhause fast 30 Jahre lang vorgestanden hat. Die vorzüglichsten Schriften Kley'S sind ״die Morgenstun׳ den", die er mit Ginsberg zusammen herausgab, Predigten, die er Heil« mit Salomon, theilS selbstständig veröffentlichte, besonder« Predigtentwürfe, deren Werth nicht genug anerkannt wurde, und ein Katechismus der mosaischen Religionslehre, welcher meh« rere Auflagen erlebte. Seine Predigten zeichnen sich durch Klar« heit, logische Strenge, und sorgfältige Disposition au« und der« folgen allerding« mehr die BerstandeSrichtung, al« sie dem Schwünge der Phantasie und der Innigkeit de« Gefühl« sich hin« geben. Gerade au« diesen Gründen sollten sie von der jüngeren Generation studirt werden. Wir fügen noch einige Notizen aus dem hier erscheinenden ״Freischütz" hinzu : ״Der langjährige Prediger am israelitischen Tempel und Direktor der ^israelitischen Freischole, Vr. Eduard J«rael Kley, ist gestern Morgen nach 8 tägigem leichten Unwohlsein verschieden. — Der Verstorbene war am 10. Juni (nach einer früheren An« gäbe am 16. März) 1789 zu Breslau geboren, wurde in der königlichen Wilhelmsschule unter Professor A. Wolfsohn, später unter Mans« und Profeffor Kannegießer im Maria-Magda« lene»Gyuu>afium dafelbst au«gebildet. Im Jahre 1809 kam er al« Hauslehrer nach Berlin zu dem Banquier Jacob Hertz Beer, dessen Sohn, Michel Beer, der berühmt gewordene Dichter de«' ״Struensee" und Bruder de« Eomponisteu Meyerbeer, durch Kley ausgebildet wurde. — Rach einem längeren Aufmthalte an der Berliner Universität ward er 1817 nach Hamburg berufen al« Direktor der seit 1815 unter Hanno (später Profeffor in Heidelberg) bestandenen israelitischen Freischule, und bereitete durch freie ReligionSvorträge die Errichtung de« am 18. Oktober 1618 eröffneten Tempel« vor, an welchem er al« Prediger angestellt wurde, ein Amt, von welchem er am 9. Mai 1840 resignirte. Gesundheit«verhältniffe nöthigten ihn später, im Jahre 1856, auch seine Stellung al« Lehrer aufzugeben. (Allg. Z. d. I.) Prag, 18. Oktober. An diesem Tage fand da« Leicheribe« gängniß Rappopork« statt. Die ״Neuz." berichtet hierüber fol« gende Detail«: Um I Uhr Nachmittag» versammelten sich die Mitglieder der BeerdignngSbrüderschaft in chrem BersammlungSsaale und begaben sich unter Dortritt de«' gesammten Dorstande« in die Wohnung de« Berblichenen, wo dessen Leiche rituell gereinigt und eingeklei« bet wurde. Bei diesem Akte hielt der Religionslehrer von dem Gymnasium, Herr Prof. Michael Adler, eine gehalwolle Leichen« rede, in welcher er die Berdienste de« Verstorbenen mit geistrei« chen Morten hervorhob. Einen Vergleich mit Salomoni« Urtheil eingehend hob er hervor, daß auch hier zwei Mütter um diesen Sohn stritten, die Thora und die Wissenschaft, und daß jede die« ser Mütter diesen Sohn als den ihr angehörenden mit vollem Rechte reclamirte, und knüpfte weiter an Koheleth, Kap. 9, Ber« 14 und 15 an. Während oben diese Leichenrede gehalten wurde, versammelten sich auf der Straße tausende Menschen, welche die Leiche in den sogenannten VÄHof begleiteten, von wo dieselbe znr Altneusynagoge, zum jüdischen Rathhause und von dort bi« durch die breite Gaffe in mehreren Absätzen getragen wurde, damit sehr Viele noch dem Berblichenen den letzten Liebesdienst mit erweisen konnten. Am Rathhause schloffen sich dem Zuge die verschiedenen herbeigreilten Deputationen an, und der Zug begann. Zuerst ka« mm die Schüler der Josefstädter Schule, die verschiedenen iSrae« litischen Privatlehrinstittite, die israelitischen Gymnasial- und Realschüler und viele israelitische Universitätshörer. Dann gin« gen die Vorsteher der GeerdigungSbrüderschaft in zwei Reihm, jene der ersten Reihe trugen silberne Sammelbüchsen. Hinter den Vorstehern kam der mit sechs Rappen bespannte Leichmwagen, zu dessen beiden Seiten Mitglieder der Beerdigungsbrüderschaft gin« gen; unmittelbar hinter dem Wagen gingen die beiden Eustodert de« Vereine», sodann der Sohn de« Berblichenen und die Schwie« gersöhne nebst übrigen Verwandten. Nun begann erst der eigent« liche Leichenzug, welcher von dem Rabbiner Samuel Freund, dm Herren Predigern Prof. Kämpf, vr. Stein, vr. Kvhn, vr. Hof, vr. Sonnenschein eröffnet wurde, neben diesen ging die au« Wim herbeigekommene Deputation, welche au« dem Rabbiner Herm Horowitz und dem Prediger Herrn Jellinek bestand; dann kamen die Mitglieder der Prager SultuSrepräsentanz, in ihrer Mitte dm Bürgermeister Herrn von Bieloky und dessen Stellvertreter Herrn Hulasch führend, die Deputationen der iSraelitischm KultuSge« meinden au« Smichow und Karolinenthal, dann aus Pilsen, Aollin, Turnau, Jitschin, Raudnitz,, Brandei« u. s. w. und der israelitischen LandeSjudmschast. Vor diesen Deputattonen gingm die beiden Kreisrabbiner die Herren Haller und Kohn. Im übri« gen langm Zuge bemerkte man Vertreter der Wissenschaft au« allm Facultätm, dm Superintmdenten, hohe Beamte, viele Ma«