Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-10-25 · 43 (25.10.1867) · p. Seite 337

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
43 (25.10.1867)
Date
1867-10-25
Page
Seite 337 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434196--396-4890239
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XUM «fett ciMtiat Mai IkaaK>tl>VnM •iartt l *ft. ta«l.- 8ÄÄ«», Die Gegenwart. D» Mi Mililllll ta tU 11)1111111, MM-A« Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, Len 25. Moder. Mg. 43. Erster Jahrgang. 1867. Inhalt: Ra poport. — £«m»y,tlr»,nt: Berlin, Wir», Wien, Prtalburg. — vr. Aron Swnprrtz, gm. Aron Emmerich (Fortsrtzung.) — Da« Eoneor« dat. — Literarische Mi«crllm.-Instratr. I ****■ I Salomon Iehnda (Loeb) Rapoport, Oberrabbi« ner zu Prag, einer der hervorragendsten Forscherauf dem Gebiete der jüdischen Literatur, ist in der Nacht vom 1b. auf den 16. Oktober zu Prag in seinem 78. Lebensjahre gestorben. Die letzten Jahre haben un» eine Reihe von Männern (Jost, Luzzatto, Munk, Sachs) entrissen, welche in der Entwick« lung der jüdischen Wissenschaft der Zeit und dem Range nach voranstehen. Mit ihnen stirbt eine Gattung aus, wie sie die Leit hervorgebracht. Die Stellung eines solche» Mannes zzich« neu, seinen Einfluß würdigen, heißt ein Stück Zeitgeschichte schreiben. DaS kann nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, welche zu. nächst Heu schmerzlichen Empfindungen über den augenblicklichen Verlust Ausdruck geben sollen. Hoffentlich wird seinem Leben eine ausführlichere Darstellung von Näherstehenden gewidmet werden. Wir beschränken uns auf einige Daten und Urcheile, welche dem Artikel ״Rapoport" von' Zunz (in BrockhauS EonversationSlexicon), dem Eatalog der Bodl. Bücher (v. Steinschneider, S. 2131—3) und den Mittheilungen eines MänneS enMommen sind, welcher literarisch, und vorübergehend auch persönlich, dem Ber« blichenen nahe gestanden. Rapoport ist am 1. Juni (19. Sivan) 1790 in Lemberg geboren, schon 1814 al« Schriftsteller aufgetreten, 1837 wurde er Kreisrabbiner in Tarnopol, 1840 ״erster Oberjnrist" in Prag. Seine vielfachen gediegenen Arbeiten, in hebräischer Sprache abgefaßt, theils Biographien, theils Gutachten, theils Abhandlungen geschichtlichen und archäologischen Inhalt-, außer einem historischen Drama (Esther) und einzelnen Gedichten (nach Originalen moderner Poeten) finden sich fast nur in Sammelschriften, wie ״Bikkure-Haittim", ״Kerem Cheined", over in Beiträgen (Vorreden u. dergl.) zu Schriften neuerer und Ausgaben älterer Autoren, wie Slonimsti, S- Eohen, Barasch, Benjamin von Tudela, ParchAOiLWvcknonideS, Abraham ben Ehijja; deutsche Bearbeitungen lieferten u. A. die Geiger'sche Zeitschrift, der ״Orient", die Frankel'sche Monatsschrift, die Zeitschrift d. D. M. Gesellschaft, und daS Wiener ״Israelit. Jahrbuch". — Don seinem ״Erech Millin", einer im großen Styl angelegten talmudischen Realench« clopädie, ist nur der erste Baud, den Buchstaben א enthaltend, er« schienen. Rapoport war in Lemberg geboren; im Talmud erzogen. und dem KanfmannSstande indirekt angehvrend, trat er in das ManneSalter, während eine vorwärts strebende Bildung mit dem um sich greifenden EhassidiSmu« kämpften: er trat für jene mit vollem Bewußtsein in die Reihe — sein ersteanonyme- Schrift« chen war eine Beschreibung von Pari» und der Insel Elba, bei Gelegenheit der Verbannung Bonaparte'S. Ohne regelmäßige Schulbildung und ohne direkte Anregung in seiner Umgebung er« hob sich Rapoport, fast gleichzeitig mit Zunz, zu einer wissen« schastlichen Anschauung und historisch-kritischen Zusammenfassung de» ungemein angewachsenen, durch eine entartete Methode immer mehr sich zersplitternden Stoffe», aus welchem seitdem da» Ge« bäude jüdischer Wissenschaft sich erhebt. Zun; war bereit- 1818 mit Wünschen hervorgetreten, welche nach allen Seiten hin ge« richtet waren und ein Bewußtsein der Gesammtaufgabe, wie der eigenm Leistungsfähigkeit, verriethen. Rapoport hat wahrschein« lich zunächst zu seiner eigenen Beftiedigung geforscht; mit seiner lebhaften Phantasie, seinem sanguinischen Feuer, gab er sich in den Mußestunden eines dem Leben gewidmeten Arbeitstage» der Le« ctüre hin, wie sie ihm der Zufall in die Hände spielte. Sein Drang nach Wissen führte ihn einst auf Bayle'S kritisch-historische- ,!gexieon, und mit diesem Boche war die Form für die Resultate ' seiner Belesenheit gegeben. Er beschloß, die jüdischen Eelebritäten in einem ähnlichen Werke (Ansche Schein) zu verewigen, ein Unternehmen, dessen Erfordernisse er selbst wohl damals noch nicht ahnen konnte. Aber die Proben, bei welchen e» leider auch geblieben, zeichnen sich nach Zunz (g. B. XM.) ״durch kritische Tiefe. Scharfsinn und glänzende Gelehrsamteit eben so sehr aus, als durch den frommen edlen Sinn, der in ihnen sich ausspricht." Eie leuchteten und beleuchteten nicht bloS, sie zündeten, sie er« weckten Lust und Liebe, dem verachteten Kreise die verdiente Auf« . prerksamkeit zuzuwrnden. Rapoport erkannte später selbst, daß zur Ausführung seiner gigantischen Jugendpläne nicht nur ihm, sondern der ganzen Sache die Mittel und Vorstudien fehlen, und er war für jede Belehrung dankbar; wenn er auch mitunter mit der verzeihlichen Hartnäckigkeit de» Autodidakten an einzelnen minder bedeutenden Resultaten seiner unermüdlichen Forschung, ja an Eonjecturen festhielt, welche der sich selbst überlassene Scharfsinn erzeugt hatte: so haben sich doch seine Grundanschauungen in der Geschichte der jüdischen Literatur auch späteren, mit dem Anspruch eine« neuen Lichtes austretenden vermeintlichen Entdeckungen ge« genüber bewährt, und seine ersten literarischen Produktionen wer« den für immer belehrend und anregend bleiben. Rapoport glaubte in Tarnopol eine gesicherte.Steste. zij,^ finden, von welcher au» er aus seine Glaubensgenossen «.deyAL^ und Ferne aufklärxnd und belehrend, namentlich fütj-ÄHFiAH und Kennt«iß, wirken und schreiben könne. Die Chäf^A^M-. pfingen ihn mit einem Pechpflaster auf seinem Syni^MW. Eine erweiterte Kenntniß der Hilfsmittel schärfte da» empfindliche Gefühl der Entbehrung. Der Ruf nach Prag, dem Ursitz deutscher und jüdischer Gelehrsamkeit, erschien ihm zugleich al» einer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.