Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 39 (27.9.1867)
- Date
- 1867-09-27
- Page
- Seite 311 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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vatmer Wochenschrift für Jüdisch« Lugetkgmheitnl. 311 begangen worden, viele geflüchtete Inden n-ch den spanischen See- Häfen gegangen sind, in der Hoffunng W Schutz zu finden. Sie sind sedoch in Spanien noch großem Ungemach unterworfen. Sie werden, wenn sie krank sind, in die Hospitäler nicht aufgenvwmen, und wenn sie sterben, wird ihnen die Beerdigung ver« weigert, auSgenommm in cenf Lande unterhalb de- Hochwasser- Zeichen-, was gerade dasselbe ist, als wenn sie in da» Meer geworfen werden und der Gnade der Wellen und Wogen übergeben sind, waeine besonderbeleidigende Beschimpfung der Bekenner eine- Glauben» % der einen großen Werth auf ein angemessene» Begräbniß an einem Orte, der vor der Zerstörung geschützt ist, legt. Jüngst starb in Cadix ein geflüchteter Jude, Namen» Eleazar Soto, au- Tetuan, 32 Jahre alt und Sohn de- Judah Solo au» jenem Orte. Seine Verwandten richteten sich an den spanischen Gouverneur, der aber nicht auf ihre Bitten wegen eine- Begräbnißplatzehören wollte und sie nach der Polizei sandte, welche, ihren Instruktionen zufolge, den armen Juden in den Meere-sand begraben haben wollte, wo die tobten Hund^ und Pferde gewöhnlich begraben werden. Die Angehörigen wandten sich dann an den englischen Consul in Cadix (Herrn Grahazn Dunlop), der in gerechtem Ginne erlaubte, ihn in einem Theile de» englischen Friedhöfe» zus beerdigen, der bi» jetzt noch nicht benutzt worden, da da» Grundstück sehr ausgedehnt ist. Die Dankbarkeit der jüdischen Flüchtlinge war sehr groß, und sie dankten dem Consul mit Thränen in den Augen, für seine Achtung und Freundlichkeit gegen sie. <5» ist wahrlich seltsam, daß Spanien diese Verfolgung gegen einen Glauben und eine Gemeinde fortsetzh welche in allen civilisirtcn Staaten Europas, und selbst in mohammedanischen Ländern al» Bürger zugelassen werden. London. Sir Mose» Montefiore, der von seiner Reise nach Rumänien vor Kurzem hierher zurückgekehrt ist, veröffentlicht in der ״Time»" seine Petition an den Fürsten Carl, eben so wie dessen Antwort. Der Fürst unter dem Datum Controceni, 30. August 1867: ״Herr Baronet! Ich habe Ihren Brief vom 27. August erhalten und mit lebhaftem Interesse davon Kenntniß genommen. Wie ich Gelegenheit hatte, Ihnen persönlich zu bemerken, sind die Wünsche, welche Sie für Ihre ReligionSgenossen hegen, bereit» erfüllt. Die JSraeliten sind Gegenstand meiner angelegentlichsten Sorge; dasselbe ist der Fall bei meiner Regierung und e» ist mir angenehm, daß Sie nach Rumänien gekommen sind, um sich zu überzeugen, daß eine religiöse Verfolgung, von der Uebelwollende so viel Lärm gemacht, nicht existirt. Wo e» vorgekommen ist, daß man die Juden beunruhigt, da stehen diese Fälle doch nur vereinzelt da, so daß die Regierung dafür die Verantwortlichkeit nicht Übernehmen kann. Ich werde e» stets als eine Ehre betrachten, die religiöse Freiheit in Respect zu setzen und werde ohne Unterlaß darüber wachen, daß die Gesetze, welche die Juden wie jeden andem Rumänen persönlich und in seinem Eigenthum schützen, beobachtet und au-geführt werden. Empfangen Sie Herr Baronet die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. Carl." Sir Mose» Montefiore fügt diesem Bericht ein eigene» Schreiben bei, worin er bemerkt: ״Ich habe da» Vertrauen, daß eö da» aufrichtige Verlangen Sr. Hoheit ist, daß alle seine Unterthanen glücklich und zufrieden sein möchten, und von dem schönen Charakter und der hohen Intelligenz de» Prinzen und den Versicherungen, die er selbst und die Mitglieder seine» Kabinet» mir gegeben, habe ich allen Grund zu hoffen, daß die Gesetze de» Lände», die den Juden sowohl, wie den übrigen Einwohnern Schutz versprechen, in ihrer »ollen Ausdehnung au-geführt werden." Paris, 1. September. Das Centralkomitö der Allianoe israälite universelle hatte bekanntlich mit dem Fürsten von Setbien eine Unterredung in Bezug auf die Verbesserung der Lage der serbischen Juden. Ueber diese Unterredung erstattet dasselbe an da» Belgrader Komitä der Allianre folgenden Bericht: ״Paris, den 12. August 1867. Herrn D. Ruffo, Präsiden« ten de» Komitä» der Alliance in Belgrad. ״Herr Präsident! Wir haben die Ehre, Ihnen zu melden daß sich da» Centralkomitö am verflossenen Montag zum Fürsten von Serbien begab und ihm seine Beschwerden über die traurige Lage der serbischen Juden vortrug. Der Fürst erklärte, daß er die gegen die Israeliten/geschaffenen Gesetze mißbillige und keine Gelegenheit versäume, um seine wohlwollenden Gefühle für die Israeliten an den Tag zu legen. Dieselben sind — so sagt er — zu jedem Empfange, zu jeder Festlichkeit seine- Hofe» eingeladen. ״Er wünscht au» ganzem Herzen die Zeit herbei, wo die die Juden betreffenden Ausnahmsgesetze aufgehoben werden können, aber er hat nicht die Macht, dieselben aufzuheben. Die Kammer, die sie geschaffen hat, gehorchte dabei einer bösen Lei« denschaft, der der Eifersucht gegen die JSraeliten, die — gleich vielen Deputieren, Kaufleute — für sie gefährliche Konkurrenten sind. Da» Volk, so setzte er hinzu, empfindet gar keine Feindschüft gegen die JSraeliten; im Gegentheil, dasselbe würde e» gerne sehen, wenn sich die Israeliten im Innern de» Landeniederlassen und dort Handel treiben würden, weil e» hierdurch um billiger» Preis zu besserer Waare käme. Um die Emancipation der Juden durchzuführen, ist eine Kammer nothwendig, bei deren Mitgliedern die Achtung de» großen Princip» der Gewissen»- freiheit die Voreingenommenheit eigener Interessen überwiegen würde. Wa» die Gegenwart anbelangt, wird der Fürst trachten, daß den JSraeliten die Sicherheit der Person und die Freiheit de» Besitze» gewahrt bleiben. ״Diese ohne Zweifel guten Zusicherungen sind da» Einzige, wa» un» der Fürst — beMränkt durch seine konstitutionelle Macht — geben konnte; sie sind aber weit entfernt, Ihren gerechten Reklamationen zu genügen, und legen Ihnen sowohl, wie un» die Pflicht'auf, weiter zu beharren bei der Zurückforderung jener Rechte, die man Ihnen versagt, und Sie können unsere serbischen Glaubensbrüder versichern, daß ihnen der Beistand der Alliance israälito universelle bei keiner Gelegenheit fehlen werde. Genebmigen Sie u. s. w. Im Namen des KomitäS N. Leven. Der Sekretär: L. Nord man." Die Stimmung der serbischen Juden ist, wie die hierher kommenden Berichte melden, eine sehr gedrückte; dieselben denken ernstlich daran, au» dem serbischen StaatSverbande gänzlich auSzuscheiden, weil sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen an jeder Rettung verzweifeln. Sie entschlossen sich jedoch zu einem letzten Mittel zu greifen und an den Fürsten durch die Alliance die Auf« forderung zu richten, daß der am 20. September in Semlin zusammentretenden Skupschtina eine Regierungsvorlage zu Gunsten der JSraeliten unterbreitet werde. Mose» Montefiore wird auf seiner neuesten Reise von unseren Glaubensgenossen überall mit Enthusiasmus empfangen. Am 22. August kam er in Bukarest an, wo die judenfeindliche Presse fürchterlich gegen ihn agitirt. Da» Volk wird unaufhörlich gehetzt und man fürchtet sehr, daß die Reise de» edlen Manne» eine vergebliche sei. Rohheit und Unbildung triumphiren über Gesittung und Humanität! Ben Chan. ' ---------- \. '