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Die Gegenwart · 1867-09-13 · 37 (13.9.1867) · p. Seite 289

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
37 (13.9.1867)
Date
1867-09-13
Page
Seite 289 (sequence 1)
Language
German
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JUtW»utt« CbomtmaiM . «% 6*1. tael. SSfe,/S^*M Berliner Wochens gcnmart. iMatain Dr kkltckacti•■ 3at«ttl—t>wU MiMc• W« .3«I« IV. t für Jüdische Angelegenhche«. . J׳*?t• Freitag, Len 13 September. No. 37. Erster Jahrgang. 1867. Mt -tr. 40. beginnt das vierte Quartal, vsir ersuchen höflichst, da« Monnement rechtzeitig emeuern zu f wollen, damit in der-Zusenhung keine Unterbrechung etfolgt. Die Expeditim. , Inhalt: Da« jlldisch.theologische Seminar zu Breslau. (Fortsetzung.) — Lor. reopondevsen: Berlin, Bonn, Mecklenburg.Schwerin, Prag, Men, Men, Bukarest, Lemberg. — Ueber de» Entwicklungsgang de« SottheitSbegrisfc« x. (FortsrtzMg.) — Zur Literatur über Palästina. — Notiz- — *«ranzentiste. -Inserate. Das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. (Fortsetzung zu S. 282.) Woher rührt nun jene Unwissenschaftlichtkit in der Erklä- - rvng-ds«. Psutatsuch? St»« von de». Unwissenheit de« erklärenden Lehrer«? Nein! Dieser ist ein gelehrter Mann, der sicher» lich auch alle in die Pentateuch-Kritik und Exegese einschlagenden Forschungen kennt. Er schweigt über sie obschon er sie kennt. Und weshalb schweigt er? ״düheshalb er schweigt? Weil er bei dem Umfang und der Tiefe seiner Gelehrsamkeit ein gläubiger, ein rechtgläubiger Jude ist der von der Gehalt- und Werthlosigkeit jener zum Unglauben führenden Untersuchungen überzeugt ist und weil er seine Schüler auf demselben frommen Glaubenswege erhalten will auf dem er selbst wandelt." So mag in der That mancher ehrliche Freund de» Seminar« denken und — daß wir'« nur gestehen — einem Theilc dieser Begründung stimmen wir bei. Der Lehrer ist rechtgläubig und will auch seine Schüler gläubig erhalten oder machen. Der Borwurf der Unwisienschaftlichkeit den man ihm machen kann, drückt ihn weniger als ihn da« Bewußtsein drücken würde, zu dem min« der rechten Glauben seiner Schüler vielleicht beigetragen zn haben. Also ist die Unwissenschaftlichkeit in dem einen Punkte ein Berdienst de« Lehrer« der Anstalt, die doch Theologen — also glänbige Juden — heranbilden soll. Doch wie? Sind die« unzertrennliche Dinge? Muß, wer da« eine werden oder bleiben will, auch da« andere erdulden? Muß wer ein gläubiger Jude bleiben will, den Pentateuch durchau« unwiffenschaftlich erklärt bekommen? Und ist — andererseit« — die Wissenschaftlichkeit in diesem Punkte der Feind — der wirklich tödtliche Feind — der Gläubigkeit? O nein! Da« wiverlegt ja die Existenz jene«, Lehrer« der all jene Forschungen kennt und dennoch gläubig ist. Er ist aber dennoch gläubig weil er, wie ein Freund de« Seminar« sich auSdrücken dürste, ״von ihrer Gehalt- und Werthlosigkeit überzeugt ist." Wenn nun widerum Gläubigkeit und Wisienschaftlichkeit sich wohl vereinigen lasten, ja wenn sie in dem Lehrer von dem hier immer die Rede ist, vereinigt sind, weshalb ist dann der Lehrer unwiffenschaftlich? Warum verfährt er den Schülern gegenüber sticht wie er mit sich verfahren? sDoch wahrscheinlich so, daß Irr gegen all' die den Glauben vielleicht erschütternden Forschlingen ' Gegengründe vorgebracht hat, die jene Forschen- ‘ '־ . '! . iKebiete de« Pentateuch angestellt worden sind, mit und widerlegt me dann, wie er sie sich widerlegt hat? Ist doch die« aller Uni-!dersitätSprofefforen — und da« Seminar stellt sich ja gern neben ^ie Universitäten — Sitte, eine Ansicht über einen Punkt ihre«!Fache«, der sie nicht beisttmmen, — nicht zu verschweigen, son- Hern mitzutheilcn und dann zn widerlegen. Wird doch dieser Sitte gemäß auch ain Seminar gehandelt, sowohl in der Prophetenexegese von einem anderen Lehrer, wie von dem Lehrer׳, von dem tvir hier reven, wenn er Talmud vorträgt. Warum nun wird «er dieser wistenschaftlicheu, sonst auch von ihm befolgte« Sitte untreu, wenn er an die Erklärung de« Pentateuch geht? ,Der Leser wird mich nun wohl nicht der Uebereilung zeihe», wenn ich antworte: Der Lehrer hält seine Gegengründe für zu schwach, als daß er mit ihrer Hülfe seine Schüler von der Grundlosigkeit jener kritischen Untersuchungen überzeugen könnte; da er nun will, daß seine Schüler in der alten treuen, d. h. alle« auf Treu und Glauben hinnehmenden, nicht« wägenden und prüsenden Gläubigkeit erhalten werden, zugleich aber fürchten muß, daß jene Forschungen dieser Art von Gläubigkeit einen Stoß versetzen würden, wenn er ihnen nur seine als schwach erkannten Gegengründe entgegenhielte, so schweigt er über die Untersuchnngen ganz und gar. Er bandelt Unwissenschaftlich, damit seiner Schüler Orthodoxie unberührt und unangetastet bleibe. Er wendet da- Mittel der Unwistenschaftlichkeit an, um den heiligen Zweck zu erreichen, daß die jungen Leute, die von ihm gebildet werden sollen, orthodox bleiben. Doch der Lehrer ist gerecht. Er verschweigt nicht blo« die Ketzerschriften, die Ansichten der Gelehrten, die den Pentateuch von verschiedenen * Männern verschiedener Zetten verfaßt denken, er verschweigt auch seine eigene Ansicht über die 5 Bücher Mosi«. Ob dieselben unmittelbar von Gott oder durch göttliche Jnspiration von Mose herrühren und — wenn letztere« der Fall — welcher Art die Inspiration gewesen — über all die« schweigt de» Lehrer« Gerechtigkeitssinn. Im Laufe der Interpretation giebt er sich Mühe manche Widersprüche zu lösen, manche Berichte über angebliche Thatsachen al« wahr, die Thatsachen selbst al« den physischen und psychischen Derhältnissen der Natur und der Menscheu gemäß darzustellen — wa« aber daraus geschloffen werden kann und soll — wer weiß e«? In dieser einen Hinsicht herrscht

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