Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 33 (16.8.1867)
- Date
- 1867-08-16
- Page
- Seite 257 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4889892-5434108-5434176--306-4890159- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3Hcfc« Blatt attcintjctai Vtoaanaatt.Bmt ' מ*£ «*r. tael. ־ MM.'Ä. Die Gegenwatt. 3«tfn»1man1 fti Mdtctactlaa ft»»^aa»i« E r»«d>ti»».?n! ifntlniMU I vtttt.Ztt ItMcl i'U Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freilag, Len 16. August. $0. 33. Erster Jahrgang. 1867. Inhalt: Da» jüdisch« Krankenhaus zu Lrrlin. — Torre»p«nden>en: Frank, fmk, Wien, Wim, Amsterdam, Bukarest, Jaffy, Kroatien, Ösen. Smyrna. — Bemerkung. — Literatnr-Kericht. — vermischte».-Inserate. Das Mische Krankenhaus in Berlin. «öm Königs. Geheimen SanitätSrath Ir. H. W. Bereud, dirigirendem Arzt der chirurgischm Mthcilung de« jüdischm Krankenhauses. Schon lange hat es mir am Herzen gelegen, ein nothwendige«, ernstes Wort an unsere Glaubensgenossen über daS KranlenhauS zu richten, welchedie Berliner jüdische KrankenverpflegungS-Anstalt unter thätigein, edelmüthigem Beistand vieler Gemeindemitglieder vor nunmehr 6 Jahren zu erbauen den Entschluß faßte, und zwar nicht allein mit einem Aufwande sehr großer Geldmittel, sondern auch unter dem Rath von Sachverständigen, denen eine Competenz auf diesem Gebiete gewiß nicht abzusprechen ist. Immer habe ich jedoch bis jetzt gezögert, obgleich ich seit der Eröffnung dieses Instituts als dirigirender Arzt der Abtheilung für äußere Kranke darin fungirte, weil ich erst meine Ansichten reifen lasten wollte und weil ich in der That glaubte, es würde gelingen durch redliche und gute Leistungen von allen Seiten, die Hinderniffe für daS Aufblühen einer Heilanstalt zu beseitigen, welche sogar das seltene Glück genoffen durch einen huldreichen, und von Allergnädigster Anerkennung begleiteten Besuch Ihrer Majestät der Königin ausgezeichnet zu werden. Allein der in Nr. 29 dieser Zeitschrift enthaltene, seitdem auch in politische Zeitungen bedauerlicher Weise übergegangene Artikel, trotzdem er unser Krankenhaus ein vortrefflich eingerichtetes und musterhaft geleitetes nennt, bricht mein Schweigen. Ich bin es der Sache schuldig die Borwürfe, welche allein den Jnstitu- 1 io ne 11 des Krankenhauses gemacht wurden, wenn auch nicht durchaus abzuwälzen, jedoch sie ganz und gar nicht ausschließlich oder auch nur vorzugsweise als die Ursachen anzuerkennen, daß dieses unser Krankenhaus von seinen hundert Lagerstätten jetzt nur etwa dreißig zur Verwendung bringt und so viele Hülflose unberücksichtigt lassen muß. Wenn ein Krankenhaus in einem herrlichen Gebäude, unter einem ehrenwerthen Vorstande und bei einer Bereinigung von HülfSmitteln, wie sic kaum in einem Krankenhause der Welt bester anzutreffen sind, noch unter den Vorurtheilen zu leiden har, welche mit Recht oder Unrecht, einem jüdischen Krankenhause längst ver« gangener Zeit ankleben, dann ist es hohe Zeit, nach einer sechsjährigen Sisyphusarbeit, nach den Gründen zu suchen, warum wir innerhalb eines so beträchtlichen Zeitraumes nicht auf einem ander« Punkte uns befinden al« dem, welchen wir jetzt aufzuweisen haben. Keine menschliche Einrichtung ist vollkommen, am wenigsten kann e« ein Krankenhaus sein. Ich habe die bedeutendstm Häuser dieser Art in Europa besucht, unter denen sehr viele mit den reichsten Staatsunterstützungen versehen waren, andere, denen, wie dem Guh'S Hospital zu London, ein so bedeutende« eigene« Vermögen zu Gebote steht, daß sie Gelder, welche ihnen zugewendet werden sollten, wegen Mangelan Verwendung, andern derartigen Asylen überwiesen; ich habe Krankenhäuser gesehen, in denm die ersten Aerzte der Welt fnngirten und wo wäre nicht irgend ein Schatten neben dem Lichte anzutreffen gewesen? Also auch unser Krankenhaus, trotz seiner anerkannten Musterhaftigkeit, wird seine Mängel haben muffen.— Wir wollen dieselben freimüthig beleuchten, ohne Leidenschaft, rein im Intereffe der Sache, aber wir wollen uns vorweg fragen: sind die Mängel der Art, daß sie in der That den gegenwärtigen Zustand der Anstalt verschulden? Ich antworte hierauf mit einem bestimmten ״Rein". E» sei die Frage zunächst so gestellt: welche hauptsächliche Bedingungen gehören dazu, um ein jüdisches, einen konfessionellen Charakter tragendes Krankenhaus, in Aufnahme zu bringen? Ich will hierauf antworten: Hierzu gehört vor allen Din- .gen Wohlwollen und Theilnahme der Glaubensgenossen selbst, wie sie die aufrichtige Liebe zu den alten Traditionen zu Wege bringt; die treu bewährte Liebe zu ver Religion der Väter ist e«, welche hier die Hauptstütze jür die Theilnahme an konfessionellen Schöpfungen abgeben muß. — Ist nun ein solches Interesse in unserer Gemeinde für unser Krankenhaus vorhanden? Es schmerzt mich tief, eine solche Frage nicht ganz bejahen zn können. Man braucht keineswegs einer orthodoxen Richtung im Judenthume anzuhängen um Wohlwollen und Theilnahme für jüdische Jnstitntionen zu haben, die, wie daS Krankenhaus, die Förderung der menschlichen Liebe und Humanität und die Milderung de« menschlichen Elendzum Zwecke haben. Nachdenr wir. um den Gewiß-, senSzwang zu bannen, für die Anhänger der Speisegesetze;. ciiM demgemäß? Küche in unserm Hause eingerichtet, nachdem wir einH Synagoge mit alt jüdischem Ritus darin errichtet haben, damit diejenigen, welche sich nur in dieser Art religiöser Anschauung wohl fühlen, ein ruhige- Krankenlager, die Wohlthat religiöser ErbauuiH und die einer letzten ruhigen Sterbestunde genießen, so ist daS jedenfalls eine nicht zu unterschätzende Seite, und auch Andersdenkende werden diesen Trost ihren Glaubensgenossen sehr wohl gönnen; allein da« patriarchalische, herzliche Entgegenkommen, welche« seiten« der Vorsteher, der Aerzte rc. den Leidenden hier zu Theil wird, ist außerdem eine Eigenschaft, wie sie jedem weichen, zumal jüdischen Gemüthe ganz be« sonders Zusagen müßte. Haben die hiesigen Gemeindemitglieder diese Vorzüge erkannt? Haben sie unserem Krankenhause, da« in Reinlichkeit, guter Pflege und Wohlbehaglichkeit jedem anderen Krankenhause gleichkommt (Eigenschaften, wie sie^chon Formey 179b in seiner Topographie von Berlin sogar an dem altm Krankenhause so rühmend hervorgehoben) den Vorzug, pM ich will nur sagen die Ebenbürtigkeit mit ähnlichen KrankenhMsern