Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-07-19 · 29 (19.7.1867) · p. Seite 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
29 (19.7.1867)
Date
1867-07-19
Page
Seite 225 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434168--270-4890127
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Cfr. l»cl. nb 91 Die Gegeuwatt. Z»tz»»«chk1> stt' »te K«»acN,» M«9y>e>|tU■, . 3nfrrtit»ft«LI fftbk 3j frt&.fltHc IV« 1 rberliner ocheuschrift für Jüdische AllgelLgenheitea. Frrttag^ Len 19. Juli. R«. 29. Erster Juhrgaug. 1867. ■■BBaSBSBBB Inhalt: L«rrr»»o1>dnqn>: Bali», Breslau, Frankfurt «. M., Darmstadt, Dresden, vtarasel, Pest, Pest, Jaffv, Floroq» Pari«, Warschau, Rew.gark. — Ist da» Zergliedern jüdischer Leichen zu -alzwaku nach dm Rüigion». Besetzen verboten? (Schluß.) — LitenNnr-Wrricht. — Beitrag zur Ateren Beschichte da Juden in da Mark Brandenburg. (Schluß.) — *ar««!e»lljlk. — — Inserate. r' * Berlin, den 17. Juli. Am 2. d. M. begab esich, daß an fremder junger Mann in dem entsetzlichsten Zustande von Krankheit und Elend am jüdischen Srankmhtmse in der August» straße um Aufnahme flehte. Al« chm dieselbe verweigert wurde, versuchte er sich weiter zu schleppen, aber schon nach einigen Schritten versagten ihm seine Glieder den Dienst. Obdachlos und mittellos, hungrig und todtkrank sank er auf der Straße nie» der. Bon Beamten der Polizei wurde er zuerst nach der nächsten Wache und sodann, als ein ärztliche« Gutachten ihn für sch windsüchttg im letzten Stadium erklärte, «ach der Eharitä gebracht, wo er zwei Tage später starb. Er *m mit einem Paß und mit empfehlenden Zeugniffen versehen. Rach diesen Papieren war er der 21jährige jüdische Privat-Gelehrte Ehajim Maier Löwen stein au« Barzin bei Dünaburg. Dieser Vorfall zeigt, wie trotz der in hiesiger Gemeinde re» gen und mit Recht gerühmten Humanität doch manche Einrichtun» gen einer Verbesserung höchst bedürftig sind. E» ist nicht daran zu zweifeln, daß dem Unglücklichen, dessen Schicksal wir hier nach den polizeilichen Rapporten melden, Hülfe im Schoß der hiesigen jüdischen Gemeinde zu Theil geworden wäre, wenn er hätte mit der nvthigen Energie die geeigneten Schritte thun können. E« ist, wie un« mitgetheilt wird, die Aufnahme von Kranken im jüdischen Krankenhaus durch weittäufige Formalitäten erschwert, und zudem der Grundsatz maßgebend, keine ״unheilbar" Erkrankten in der Anstatt aufznnehmen. Da überdies für fremde Kranke leider nur ein sehr beschränkter Fond zur Verfügung steht, so ist be» -reiflich, wie e« kommt, daß von den ca. 100 Betten der so vortress» lich eingerichteten und musterhaft verwalteten Anstatt durchschnitt» tich nur 30 besetzt sind. Wohlthätigkett gegen den Armen. Güte gegen drn Frem» den, Hilfe für den Kranken werden von. den Propheten wie von den Rabbinen unter die ersten und höchsten Pflichten gezählt, die dem J-raeliten obliegen. Hoffen wir, daß hier, wo alle diese Pflichten sich in eine einzige verschmelzen, e« nur der Anregung bedarf, um eine gründliche Besserung der angedeuteten Uebelstände herbeizuführen! ** BreStau, 8. Juli. Wiewohl der Bau der neuen Shnagoge nur langsam vorschrottet, weil die Lieferung der beim Roh» bau zur Verwendung kommenden Berblendziegel und der Stein» metzarbeiten nicht mit der wünschen-wrrthen Pünttlichkeit erfolgt, so gewährt da« nun schon in ziemlicher Höhe emporgediehene Bauwerk mtt drn kolossalen, zur Tragung der Kuppel bestimmten vier Grundsäulen einen äußerst imposanten Anblick. Vorige Woche hat die Baucommission, wie wir vernehmen, unter Zuziehung eine« technisch« Beirache« die Disposition für ein Orgelwerk von 3b klingend« Stimm« sestgestellt, und die Bestellung desselben bei einem hiesig« bewährten Orgelbauer beschloss«. Der dieSfällige Antrag gelangt demnächst bei Verstand und Repräsentant« zur Erörterung, welche dadurch in die Lage kommen, zum ersten_ Male in Bezug auf die Kuttuseinrtchtungen in der ««« Eyna- Dp« über eine Priueipienfrage zu. entscheiden. Denn, w«n Wch schon seit einer langen Reche von Jahr« io der zettherigm ־} _ der diese« Element de« Kultu« al« ein unveräußerliche« Gat Heich der ganz« von Geiger eingeführten Liturgie betrachtet, so handelt e« sich doch jetzt zum ersten Male um eine Kuttu-einrich« lang sür die Gemeinde al« solche, während bisher dir Shna» gog« hier bekanntllch nicht GeMeindeinstiiute waren. E» ist unzwei» fello«, daß die OrgÄlfrage, wenn auch nicht ganz ohne Opposition, f9 doch mtt überwiegender Majorität in beidm Eollegien zu Gun» sten de« Fortschritt« entschieden werden wird. §Mcht ohne principielle Wichtigkeit ist noch ein anderer Ge» genstand, der nächstens hier seiner Entscheidung «tgegenfieht. Die Verwandten de« auf dem hiesig« jüdischen Friedhofe in einem Familienerbbegräbnisse bestatteten, durch seine literarische «md socialpolitische Stellung wie seine persönlichen Schicksale weit» hin berühmt gewordenen vr. Ferdinand Laffalle, beabsichtigten da« Grabdenkmal durch Einfügung eine« in Marmor künstlerisch au«, geführt« Portraitmedaillon« de« Verstorbenen zu schmücken. Der Vorstand der KrankenverpflegungS- und BeerdigungSgesellschast, welchem da» Begräbnißwesen übertrag« ist, inhibirte die Au«» führung, wogegen Setten« der Betheiligtcn an die höhere Instanz de« Vorstände« der Shnagogengemeinde RecurS eingelegt ist. — ( An sich ist die Angelegenheit von untergeordneter Bedeutung. Der Sinn für die Werke der bildenden Kunst und die Pflege der» selb« in Privatkrrisen, ist in Deutschland im Allgemeinen und bei der jüdischen Bevölkerung im Besonder« so wmig geweckt, daß die Anwmdung plastischer Darstellung« auf dm Grabdenkmälern gewiß nur sehr vereinzelt hie und da vorkomm« dürfte. Die Gefahr, daß sich unsre ehrwürdigen schlichten Friedhöfe je» mal« in oawpi santi und Stätte» eine« luxuriösen künstlerischen Wetteifer« in der Darstellung der menschlich« Gestalt verwandein möcht«, liegt thatsächlich außer dem Kreise einer vernünftigen Befürchtung. E« handelt sich sonach in Fällen, wie der vorliegende, nur um eine Singularität, bei deren Beurtheilung man sich über den vulgären Standpunkt herkömmlicher Anschauungen und Borurtheile erheb« muß. — Und da ist es nun von princi» pieller Wichtigkett, welchen Einfluß eine aufgeklärte, im Allgemeinen da« Reformprincip vertretende Gemeindeverwaltung der tatmudistischen Easuisttk und Bibelinterpretation auf ihre Entschließun

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.