Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 27 (5.7.1867)
- Date
- 1867-07-05
- Page
- Seite 215 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Guben 1× ep/1044673
- Niger 1× ep/1824046
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Berliner Docheuschnft str Jüdisch« Aogelegeuhatea. SIS furtf an, in die dösigen Handel-Verhältnisse stark einzugreifen, an» sehnliche Wechselttsche zu etabliren, den Import wie den Export von allerlei Maaren zu fördern u. s. w. u. s. w. — Da- Auf« blühen jüdischen Wohlständehier und ander-wo erregt jedoch Neid und Eifersucht«, und schon werden die Folgen hiervon ficht» und fühlbar. 1348. Die Juden Duden'S werden vom Markgrafen Ludwig I. an Thiele v. Sa lau (In dem betr. Dokumente ״der bescheidene Mann" genannt) al- Lehen überwiesen, die Juden Luckau'S!an Ebendenselben für «ine Schuld von 150 Mark Silber verpfändet. — Wenn somit der gutherzige und nicht» we« Niger als judenfeindlich gesinnte Wittel-bacher anfing, ״jüdische In» fassen seines lausitzer Gebietes mehr als Sachen denn al- Per» sonen zu behandeln," so ist dieseauffallende Benehmen, wmn schon nicht zu rechtfertigen, so doch wenigstendamit zu er» klären, daß dazumal die Noth zu gar so manchen Maßregeln zwang, die sonst sicher unterblieben wären, da eja die Zeit war, in welcher die unglückselige Affaire mit dem ״falschen Waldemar" daganze Land in Sturm und Aufruhr setzte, vor Allem aber der bayrischen Dynastie auf dem Thron von Brandenburg den nahen Untergang drohte. — Waferner den Unterschied zwi« schen der Behandlung der Juden Guben» und derjenigen der Juden LuckauS anbelangt, so ist derselbe jedenfalls mehr im Worte als in der Sache, mehr in der Form als im Wesen zu suchen, da es ja in beiden Fällen nicht um die Juden selber, sondern lediglich um die von ihnen zu erhebenden Steuern rc. sich gehandelt hat. — Demgemäß wird endlich die ganze Angele» genheit in einem durchaus andern d. h. weit mildern Lichte vor un» erscheinen: 1349. Don Lübben in der Lausitz werden die Juden, die daselbst schon eine ״besondere Gaffe" inne gehabt, auSgetrieben. — Es trifft sie daS Schicksal der damaligen allgemeinen Juden» Verfolgung. Daffelbe theilen mit ihnen noch andere lausitzer Judengemeinden. Sogenannte ״Judengaffen" gab» dazumal schon in den meisten, von Jüden bewohnten, Städten des lausitzer Lande». Von vielen Historikern sind sie einfach als ״Ghetto'»" bezeichnet. (Fortsetzung folgt.) Ein allberlinifchts Ileischstatut für -ie Juden. (Schluß zu S. 207.) Auer gebide we (ferner gebieten wir), dat dy Joden bat kogesche (verbotene), stinkende ünd unreyne vhe, oste welkherleighe ander vhe, oder id vere gar tu old oder alle 10 iunch oder gar to magher, undogeliken der naturen to etene, en gehne wis scholen sy di koleighen nochte verkopen (auf keine Weise sollen sie da- Fleisch noch verkaufen — also eine sanitäre Rücksicht.) Ok will wi (wollen wir) un gebiden ernstliken, dat wen unse vorgeschreuen geselle von unsen Knokenhouwer» und von ore isliken gestrengelikeu und unvorserget wert geholden. (Also auch die christlichen Schlächter sind׳ an diese Präventiomaßregeln streng gebunden, unf so mehr, als diese an rituelle Bräuche nicht ge» wiesen, gar. zu leicht in dtsi Zoll kommen, da» von den Juden al» nicht paffend bezeichnet« Fleisch recht billig anzulaufen.) Ok verbide we in deser kegenwordigkeit (Gegenwart) un ge» biden, dat nich unse selben joden (unsere selbigen Juden) cleyner deil vleischeS wen an virdelen deilen eynen isliken tu vorkopen von oren koloiden vhe (eS soll somit nie unter einem Viertel Vieh vou einem Juden an den andern verkauft werden. Die» ist also grade so wie!heut die Drogutsten gewiffe Mittel nur Pfundweise ablaffen dürfen, um nicht den Apothekern den Umsatz zu entziehen) un dy eyn virndel also kopen von em, bynnen oder buten oren huser» (innerhalb oder außerhalb ihrer Häuser) nicht dorren' (dürfen) un vornemen in mer deylen to deylene (der Detailhan» del somit streng verboten). Ok sind we diselwen joden ernstliken tu twingende, oste eunich (irgend einer) der joden deffrr unser vorligunge eyn oder» treder (Uebertreter) oder eyn weldener (Ilebertrcter) an unsen knokeUhouwer oder an ore eunich bevunden worde, un oste dat ander tügniffe twiger erliken Jude (unter Zrngniß zweier ehr» lichen Juden) vor angebracht werde an oste (wenn) an« die broke (Geldstrafe) werdich to shnde worde (angemessen den» begangenm Vergehen) sodan snnder twivel (ohne Zweifel), nach der werdunghe wil wi dat richten, oder welich oste di groteckeit de« broken (Größe der Geldbuße) nok swerlicke eischet tu pinigene, worder wi dat richten. (Also konnte die Tortur noch vorher an» gewendet werden. Sin solche» Gesetz wäre für dajetzige Berlin äußerst intereffant, indem -die Folterkammer von solchen Leuten nicht leer würde, welche krcpirende» Vieh noch ein Mal schnell schlachten und zu Markt bringen, ohne daß es banlwürdig ist, wie inan noch heut in Sachsen sagt). Ok so sint we donde unse knokenhouwer» (Eben so soll un» 'fern Fleischern geschehen) oste (wenn) sy met dorlikc (thörichten) derrunge (Irrungen) unser gebode sich fetten weder tu tredene (unserm Gebote entgegenzutteteu riskiren), di aldu- (also) selich» lichen sind bestetiget (worüber sie alle zu Protokoll vcrnom» men sind). , In ewiger dechtniß besser dat darup hebbe wi geheiten dit kegenwordige instrument gantz malen, und hebben gebode» vcstliken (fest) tu bestetigene met anhnhengunge unse- Jngesegel. Gegeben nn geschin na godeS vord MCCCXLIII. mandagS na Palmen, tu bevestunge besser tugunge (zur Befestigung dieses Zeugnisse-) dat alle ding an beiden syden von older alse jede i» vaste werden geholden." Hinsichtlich der Knochenhauer war eigentlich diese» Dekret überflüssig und gerade für ihre Moralität damals nicht allzu» schmeichelhaft. Denn -in dem Eide derselben bei Gewinnung de» Bürgerrechtewar ihnen streng untersagt, melkende Sauen, ab» gezehrte-, einäugiges und den Armen angehöriges Hospitalvieh zu schlachten, noch den Mitmeistern vorzukaufen. Es steht außerdrin fest, daß überhaupt im Mittelalter, auch in der Mark Brandenbürg, viel mehr Vieh geschlachtet worden ist, als, bezüglich auf die Kopfzahl, heut zu Tage, daß unter Kaiser Earl IV. die Mark eine» sehr großen Wohlstände» sich erfreute, bis der schreckliche schwarze Tod und die furchtbarste aller Judenverfolgungen ein» trat, welche die Zeltgenoffen so beredt schildern. Die städtischen Bullenwinkel und die Wurst Höfe sind Zeichen einer längst verklungenen Zeit; auf deren kulturhistorische Wichtigkeit habe ich in der ersten öffentlichen Sitzung de» von mir 1865 gestifteten Verein» für dir Geschichte Berlin», der uMer andern auch mit dem gleichnamigen Verein zu Frankfurt a. O. in Der» binduug steht, zur Genüge hingewiesen. Dr. Julius Beer. . ץ= ־ - ' — Vermischte». ' — Durch die Annexionen dös vorigen Jahre» ist eint Krisis in den Freimaurerlogen auSgebrochen; dem Stuttgarter ״Beobachter" wird darüber au» Hannover geschrieben: ״In Preußen standen vor 1866 alle Logen unter einer von den 3 Großlogen zu Berlin. SLmmtliche preußische Logen nehmen keine Juden auf. Nu» waren in den neu annectirten Ländern