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Die Gegenwart · 1867-07-05 · 27 (5.7.1867) · p. Seite 209

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
27 (5.7.1867)
Date
1867-07-05
Page
Seite 209 (sequence 1)
Language
German
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Ditfrt BUtt trtotixt jede» UHUtanli «Kit *TL e«r. iael. ־ ו»0ו * ‘_ «id Post« at|<|nanM0M& SMttaiMug Die Gegenwart. 3־SST* Sntt ♦« (ti W« N,d«ctt»» di» »,»,»««>״. Znk IV.* r ■/׳ Kerlmer Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, Len 5. Juli. No. 27. Erster Jahrgang. 1867. Dm geehrten neuen Abonnentm werden auf Berlangen die beiden letztm Nummern des vorigm (2.) Quartals, wegen der darin enthaltmen Anfänge zweier Artikel, gratis nachgeliefert. Die Expedition. Inhalt: Sorrr»PN1»rn)n,: Berlin, Magdeburg. Bückeburg, Mecklenburg, Jassy, Pest, Liucirmati. — Literarische Lnalesten. — Da« Auerbach'sche Waisenhau«. — Beitrag zur älteren Geschichte der Jude» in der Mart Brandenburg. — Sin altberlinische« Fleischstatut für die Inden. (Schluß ) — *ermischir,. — v Haranzenliße. — — Inserate. * Berlia, den 30. Juni. Mt 1420 Unterschriften hiesiger Gemeiudemitglieder bedeckt, ist dieser Tage die in Nr. 23 diese« Blatte» erwähnte Petition an da» Repräfentantm-Eollegium ge« langt, welche« über die von dem Gemeinde-Borstande bereit« Voltzogen« Nabbinerwahl Beschluß zu faffen hat. Die Petition lautet: ״Der verehrliche Gemeinde-Vorstand hat den Rabbiner Hrn. vr. Abraham Geiger in Frankfurt a. M. zum Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde erwählt und die von ihm getroffene Wahl der Wohllöblichen Repräsentanten-Bersammlung zur Mit- Vollziehung unterbreitet. In Anerkennung der dringenden Nothwendigkeit, die noch vacante Rabbinerstelle schleunigst zu besetzen, und im Hinblick auf die hervorragende Stellung unserer Gemeinde, betrachten wir die Wahl de« Herrn Vr. Geiger, de« berühmten Theologen und Kanzelredner«, in jeder Beziehung als eine glückliche, durch welche unsre Vertreter sich de« Danle« der Gemeinde verdient machen. Wir find voll der Zuversicht, daß durch diese Wahl die verschiedenen Interessen der Gemeinde wesentlich gefördert und der Friede in ihr gewahrt werden, indem e« dem einsichtsvollen Manne und begabten Prediger sicherlich in kürzester Zeit gelingm wird, auch die Herzen Derer zu gewinnen, welche über die Vortresflichkeit der Wahl vielleicht noch im Zweifel sein könnten. In dieser festen Ueberzeugung richten wir an die Wohllöbliche Repräsentanten-Bersammlung die ergebenste Bitte: der von dem Gemeinde-Vorstände vollzogenen Wahl de- Herrn vr. Geiger beizutreten und die Berufung desselben möglichst zu beschleunigen. Berlin, im Mai 1867. Hoffentlich wird diese al« Zeichen erwachenden Bewußtseinder Gemeinde schon an sich sehr beachten-werthe Kundgebung auf die wenigen bi-her noch unentschiedenen Repräsentanten nicht ohne Einfluß sein, da in der That nicht abzusehen ist, welche Bedenken nun noch der Geiger'schen Wahl entgegengestellt werden könnten. E<i ist schon früher in diesm Blättern darauf hingewiefen worden, wie sehr Geiger sogar bei aller kritischen. Schärfe in seineu wissenschaftlichen Untersuchungen dennoch al« Rabbiner sei« nem praktischen Wirken grundsätzlich ein mehr vermittelnde« Berfahren anstrebt. Einen Beleg hierfür finden wir noch in dem bekannten Sendschreiben Geiger«, worin er, einem Amt»bruder gegenüber, über die Aufgabe de« Rabbiner« al« praktisch wirkenden Manne« seine Meinung ausspricht. Daselbst heißt e« wörtlich: ' ״Nun hören Eie, wie ich glaube, daß Zutrauen zu erwerben sei. Ich meine, diese« würde dem Geistlichen al« freiwillige« Geschenk dargebracht, wenn er mit echt religiösem Sinne da« Ewigwahr», da« klare Licht de« Judenthum«, die freie sittliche Entfaltung verhält, wenn er Institutionen, welche einen gediegenen Lebenskeim in sich enchalten, ungeheuchelte Achtung erweiset, wenn er da« Gute und Edle in seinem Kreise zu fördern bemüht ist, wenn er ohne Ansehn der Person der Tugend sich zuwendet und dem Laster entgegentritt, wenn er gegen alles Verderbliche und Mißbräuchliche ankämpft, wenn ihm da« Wohl seiner Gemeinde« glleder in jeder Beziehung am Herzen liegt, nicht» von ihren An« grkgenheiten ihm al« fremd erscheint, wenn er vorzüglich sein persönliche« Interesse immer al« untergeordnet zeigt, nicht Alle« auf da« Wachsen seiner Autorität berechnet, nicht seine Einkünfte beständig in Anschlag bringt, sondern e« durch die That beweiset, wie er rein Diener der Religion, Die« uer der Wahrheit sei, da« Interesse de« Religiösen und Echtmenschliche» befördern will, obgleich ihm weder Ruhm noch Vortheil dadurch erwachsen würde, wenn er überhaupt auch in seinem Privatleben würdig dasieht; wahrlich, ich müßte an der Menschheit verzweifeln, wenn ein solcher Mann da« Zutrauen seiner Gemeinde in vollem Maße sich zu erwerben nicht im Stande sein sollte. Allerdings soll die rechte praktische Leben-Weisheit, Berücksichtigung der Umstände, Schonung manche« Vdrurtheil« dazu kommen; aber die» wird sich schon von selbst einfinden. Halten sie die« nicht für eine Schwärmerei; die Auf« gäbe ist wohl schwierig und wird blo« allmälig gelöst, aber ihre Lösung muß angestrebt werden. Der geistliche Stand ist kein Handwerk und Geschäft, sein Wirken nicht eine Arbeit, für die man bezahlt wird, wie dieunsere Alten schon so schön auSge« sprechen (Aboth I, 13, IV, 5); er Ist זז1ץ heiliger Lebcnsberuf, er bedarf einer inneren Weihe, wer sie nicht hat. der trete heraus und besudle diese ehrwürdige Stellung nicht durch Eigennutz und die hundert kleinlichen Rücksich« ten. Sein Sie sicher, e« wird selbst bei Gewohnheitsmenschen, die nur nicht gänzlich den Formen Ihre Seele verschrieben haben und nun mit verzehrendem Feuereifer um ihre Seligkeit kämpfen, sondrm die blo« in ihrer Schläfrigkeit den breitgetretenrn Weg gehen, nicht an voller Hingebung fehlen, und der Einfluß auf sie wird ein bedeutend wirksamer sein." Fürwahr^ wer mit so begeisterter Hingebung an seinen Be« ^kuf seinen! vermsskhiden ^-Versöhnenden Standpunkt so klar und deutlich kennzeichnet, von dem ist keine rücksichtslose Ueberstürzung

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