Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 26 (28.6.1867)
- Date
- 1867-06-28
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner Wochachhrist ft, Illdtsch« llngelegevheiteu. 1 S07 Plastik hat da» J^dettchum zuf^ge seiner Idee von der Außerfiuu» lichkeit Gotte» vom Sinai und Ebal die Fehde angekündigt, obwohl e» ihm nur innerhalb der eigenen Mauern und auch die» nur nach langen innern Sümpfen gelungen ist, den Spott in die BolkSan« schauung unverlöschbar einzufilhren, den die Propheten über beide auSgegoffen, die Bildner wie die Bilder. Dafür hat aber da» Indeuthum die stoffloseste der Künste, die Musik, treu gehegt und diese selbst im griechischen Alterthum gegenüber den bildenden Sünften nur wenig entwickelte Kunst, indem e» dieselbe zum Tempeldienst herauzog, der hohen Ausbildung zugeleitet, di« die Mufik in den Fortbildungen de» alt-jüdischen Tempelkultus zu den der Form nach theilweise ähnlichen katholischen Messen erreicht hat. Diese Liebe der Juden Zzr, Musch i^rfcnt frühesten Tagen des BolkSthumS gepflanzt, hat sich irf den trübsten Zeiten erhalten, und in den schaurigen Tiefen, au» denen die armen Schutzjuden zum Hüter Israel» auffchrieen, brachen au» der Brust liedbegabter Sänger Mttodieu hervor, die an den heiligsten Ton de» Volk»- liehe» anklingen. Ja, diese Melodien sind Volkslieder geworden, wie sie im Ausbruch der tiefften Seelenregüng enstande» waren; und bi» auf unsre Tage kann der im allen Bethause erwachsene Jude der ehrwürdigsten Feste seiner Jugend nicht gedeukeu, ohne daß die lieben, süßen Melodieen sich klagend ergössen. Mehr als im Worte hat sich oft in den Tönen die re« ligiöfe Stimmung niedergeschlagen. Je mehr nun unsere Zeit überhaupt an der Umbildung de» Inhalt» der Gebete sich versucht, von denen ein nicht unbeträchtlicher Theil schon längst bei den gebildeter» Religiösen in andre, vertretende Vorstellungen, ohne daß sie selbst e» immer wiffen, sich umgesetzt hat, desto eis« riger muß die Erhaltung desjenigen Elementes der Gebete erstrebt werden, in dem sich jene unserer Zelt — wie es scheint — ent« schwundene schöpfe risch, religiöse Stimmung, bald intrauer«, süchtigen, bald in der Erlösung zuversichtlich entgegenjubelnden Melodieen, immer neu ergreifend erhalten hat. Die Wichtigkeit dieses Gedankens erkannt und in vorttefflichen Leistungen bewährt zu haben, ist ein hochzuschätzendes Der« dienst des Eomponisten, von dem uns ein neues Werk in dem angezeigten vorliegt. Seit nunmehr sechs und zwanzig Jahren hat Herr LewandowSki den Gottesdienst in unserer. Gemeinde durch das ganze synagogale Jahr mit seinen Eömpofitionen be« gleitet, in denen er ״die schönen Gedanken großer Todten für den Sinn der Lebenden fruchtbringend machen, den Inhalt geheiligter Textworte späten Generatianen in» Bewußtsein rufen will."*) In dem vor Kurzen erschienenen Bande hat der Herr Componist den künstlerischen, wie den kunstliebenden Kreisen eine Reihe von Melodieen übergeben, in deneu ein gut Theil de» jüdischen Leben» sich auSsingt. Die Eompvsition ist für Piano und Violine ge« schrieben und zeichnet sich ebensosehr durch die keusche Haltung der alten Melodie in ihrem thematischen Theile wie durch die contrapunktische Behandlung in der späteren Verbindung und Zu« sammenwirknng der einzeln che Melodieen unter einander rühmlich au«. ES genüge in diesen Blättern mit Bezug auf den mustka« llschen Werth der Leistung di« Bemerkung, daß jeder Kunstverständige in dieser Eomposition da» Werk deS Meisters erken« iwn wlrd. 11* ' י' Jeder Jude, der di« synagogaleu Melodien kennt, wird e» uns danken, daß wir auf diese Produktion seine Aufmerksamkeit gelenkt haben, und wer dieselben aus der Synagoge nicht kennt, *) Bergt. Zunz, Festrede zur Jubelfeier de« tkgl. Musikdirektors Herrn LewandowSki, Berlin 1866. <5. 4. möge sie an* diese» Werke in künstlerischer Vollendung kenne« lernen. I . Sin «itbrrUnische» Aeischstitut str dir Juden. Gelegentlich der von Henm Wehl in Frankfurl a. O. ge« schehenen Erwähnung einschränkender MagistratSbestimunmg geg« da» Koscherschlachtrn der Juden, muß mau stet» daran denken, daß e» zwei Ursachen gab, «m eine solche Legislatur heraufzubv- -"”י schwören. Ein Mal die Eoncurrenz der sehr übel gesinnten Knochenhauergewerke, zweiten» die nicht unberechtigte Anschauung, daß die Juden, da» besterkauute Fleisch für sich behattend, die Hhrislenmenschen mit dem schlechteren oder wenigsten» unrituellea Nahrungsstoff beglückten. Wenn nun obenein in großen Gemein« den, wie Stendal, Pritzwalk, Frankfurt a. O. und Berlin unter den Askanischen Fürsten und dann später unter den Luxemburgern die Juden viel und oft schlachteten,, so mußte da- Fleischergewerk ernsthaft beeinträchtigt werden und c» waren deshalb im Sinn der damalige» Zeitläufte Schutzmaßregeln ebenso natürlich al» nothwendig. In Bezug auf Berlin besitzen wir vom Jahr 1343 ein äußerst interessantes Rathsstatut in Betreff deS jüdischen FleischhaudelS. ES befindet sich lateinisch in Herrn von Lud« tyig- Roliquiia Tora. XI. 639. Da» plattdeutsche Statut im Berlinischen Stadtbuch (Fidicin I. 67) spricht jedoch, schon als Original mehr zu Herze». Wir werden es hier zu commentiren suchen: Aristoteles schrivet in deme irsten boke der stederegirunghe (asso äs rexublies): alse dat mensche iS aller dyrren «.Thiere) dat beste, dat sik der e gebruket (welches ein Gesetz hat), so i» dat allerergste mensche, dat von de e und rechtigkeit iS gescheiden (das ist der Aergste, der weder Gesetz noch Recht hält). Hiromme wy Rathmanne der olden Stad, nyormd old (vorjährige Stadt« verordnete und diesjährige), wen wy bi de» joden unser stad, den wi verlegen hebben umme oren jerliken tinS (denen wir für ihren jährlichen Zin» verliehen haben) vy to koleighen (Vieh abzukehlen) und dat gekoleide vhe (da», geschachtete Bich) openkar to verkv« pede un hebben en gegeuen ettike groticheit (Gerechtigkeit) in nut« tem gude (nützlichem Gute^ uuftr ge»1elurn harger«! uu dtme rechte unser Lnokenhauver, in enzhbd mirte schalen weder streuen (daß sie keinem Maße wiverstrebm sollen)- -(einige י antike Knrialflo-keln folgen) — — — und vorbiden (verbieten) den gemeinen Joden, di dar kolchgen, desse binnen geschrrven artikele (diese hier geschrirbfinen Artikel) und willen (wollm), dat sy von eme isliken (jeglichen) joveu getwen« likrn (ohne Widersetzllchkeit) vormydet (vermieden) werden. Tu deme irsten, dat di Hoden en keiner we« entgegen scholen lopen (sollen in keiner Weise entgegenlausen) dengenen, di verkopen welkerleyghe vhe buten oder vor der stm har׳ oder in der straten dT verre von dem markte sind, dorch dat. vhe to kvpene. (die wel« cherler Bieh auch außerhalb E vdr der Stadt Thor thit in »dm Markt entlegenen Straßm Vieh zu verkaufen bringen) — sunder in dem vriegen geftieynen Markte scholen sy di tugen, tu kope (aus dem fteieu allgemeinen Marktplatz — dem Neuenmarkt — sollen, sie zu taufen suchen). Da» Borkaufen war überhaupt ci« große» Vergehen im Mittelalter. (Schluß folgt.) Vermischte». — Die ״Post" meldet, daß nach einem von der iSraelitischeu Gemeinde in Bukarest an di« ״Alliance iSraelite" gerichteten