Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 26 (28.6.1867)
- Date
- 1867-06-28
- Page
- Seite 201 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Diese» Welt attdil jede» Freite». Utemmoentl-I^i« vierteul-rtich , «fi. taet r ־ R«»ektt»,: AwAa M 9raHKIIn»CCTII( 9• f IflMMIRini iL-geii« 1v, 4 Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, dm 28. Juni. Mll. 26. Erster Jahrgang. 1867. Mit -tr. 27. beginnt das dritte Quartal, wir er» suchen HSflichst, das Abonnement rechtzeitig emeuem zu wollen, damit in der Zusendung keine Unterbrechung erfolgt. Die Expedition. "׳ Inhalt: ®ormfMbtnjrn: Berlin, Düsseldorf, Wöllstein, Pest, Brody, Galatz. — Ist da- Zergliedern jüdischer Leichen zn Heilzwecken «ach den Religion». Besetzen verboten? (Forts.) — Auch ein Wort der Erklärung über die Opfe. rnng Isaak». — Literarisch« Analckten. — Bemerkung. — Llleratnr-Pericht. — Mn altberlinische» Flesschstatut für die Inden. — Vermischte«. — Büchertifch. --Inserate. ' 1 * Berti», den 25. Juni. Die der jüdischen BeremSschule zu Münster durch die Militair-Ersatz-Jnstruktiou vom 9. Decemder 1858 und der jüdische« Sehrer-BildungS-Anstalt zu Berlin durch Erlaß vom 18. Oktober 1864 zugestandea« Vergünstigung, daß die Abiturienten derselben ihrer Militärpflicht durch eine sechs» wöchentliche Dienstzeit bei einem Jnfanterie-Regimente genügen können, ist jetzt auch denjenigen Zöglingen de» israelitischen Schullchrer-SeminarS zu Kassel gewährt worden, welche durch die königliche Prüfungskommission mit einem BefähigungSzeogniß versehen werden. — Am 22. d. M. waren es hundert Jahre, daß Wil» Helm Humboldt, der große Denker und Staatsmann, geboren; zur Feier de!» TageS hatte Professor Steinthal die Gedenkrede in der Universität übernommen. Der größte Hörsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Vortragende gab in fesselnder Rede ein klares Bild von dem Charakter des Gefeierten, dessen Thätigkeit er nach ihren zwei Hauptrichtungen — als dcS Sprachforscher« und als des Sta at«mannS — beleuchtete. Die Rede war an Inhalt und Form bedeutend und wird, wie wir hören, demnächst veröffentlicht werden. — Wilh. Humboldt war bekanntlich ein Schüler und inniger Freund Mose« Mendelssohn». Düffeldorf. Am 25. März fand hier die erste General- Versammlung des Vereins zur Unterhaltung eines jüdischen Lehrer« seminar« in Rheinland statt, in welcher die Statute» deS Verein« vereinbart und angenommen worden. r Wallstei«, 16. Juni. Die Lehrerstelle an der jüdischen Schule zu Bomst ist seit längerer Zeit wieder vakant und die dortige jüdische Schuljugend entbehrt allen und jeden Unterricht». Die Stelle dürfte auch sobald nicht wieder besetzt werden, da Pieselbe nur mit 150 Thlrn. pro Jahr dotirt ist. Der Mangel an jüdischen Lehrern nimmt überhaupt von Jahr zu Jahr zu, da die jungen Leute ihre Kräfte nicht einem Amte widmen wollen, da» ihnen, selbst Unverheiratheten, nur ein sehr kärgliches Auskommen gewährt. In der ueuesten Zeit haben sogar mehrere bereitim Amt befindliche jüdische Lehrer au» unseren Nachbarstädte», so die Lehrer Gerechter in Grätz »nd Deutsch In Meferitz ihr Sehrfach aufgegeben, um sich durch andere Beschäftigungen eine kummer« freiere Lage zu verschaffen. Wenn da» so fort geht, wa» soll alsdann-au» den jüdischen Schulen werden? — Nur eine beffere Dotation vermag diesen Uebelstand zu beseitigen! — Vorgestern langte die betrübende Nachricht hier an, daß Herr William Kempner, ein Kind hirstger Stadt, in Aargawa (Japan) ansäßig, welcher dort durch glückliche Handelsspekulation zä einem sehr bedeutendm Vermögen gelangt, auf seiner Reise nftch Deutschland am 18. d. M. in New-Aork verstorben ist. Die hiesige jüdische Gemeinde, sowie die wohlthätigen Anstalten der Stadt und die sämmtlichen Armen haben in ihm einen sehr freigebigen Wohlchäter verloren. Derselbe hat nur da» Alter von 33 Jahre erreicht. Sein bedeutende» Vermögen werden seine hier noch lebende Mutter, er stet» sehr reichlich unterstützt, und seine beiden Geschwister hier und in Boston erben. P. Z. Pest. Am 13. d- M. veranstaltete der l. CuloSdorstand Im hiesigen Tempel zur Feier der Krönung einen solennen Gottesdiaast.. Derselbe wurde durch de» hlesigeu Chor mit dem 150. Psalm eröffnet. Diesem folgte ein vom Herrn Oberrabbiner zu dieser religiösen Feier verfaßte» und vorgetragene« hebräische» Gebet, worauf wieder vom Chor der 150. Psalm gesungen wurde. Nun betrat Herr Prediger Dr. Kohn die Kanzel und hielt die ungarische Festpredigt, welche allgemeinen Beifall fand. Den Schluß bildete der 21. Psalm, welchen Herr Oberkantor Friedmann mit ungarischem Text auf eine der Feier vollkommen entsprechende Weise in Noten setzte. Der Tempel war ungemein zahlreich besucht; unter den christlichen Gästen befanden sich sehr viele hohe geistliche und weltliche Würdenträger, Mitglieder de» Ober« und Unterhauses, unter diesen der Metropolit Saguna, der Superintendent TörUk, Graf Cziräky, der Bicepräsident de- Unterhauses P. Somsich u. m. v. a. Die Feier war eine erhebende und gewiß geeignet, die anwesenden Deputirten in der Ueberzeugung zu bestärken, daß einer GlaubenSgenoffenschast, die nicht nach l9jährigem, sondern nach I900jährigem schwerere» Drucke ihre Gebetsprache, ihre religiösen Gebräuche, kurz ihren Glauben sich zu erhalten wußte, gewiß ein große» Unrecht gefchieht, wenn man ihr die allgemeinen Menschenrechte vorenthält. Wenn einer 19 jährigen BerfaffungStreue der erwünscht« Erfolg zu Theil wurde, so sollte eine 1900 jährige religiöse Ueberzeugungötreue nicht mit Zurücksetzung bestraft werde». NebrigenS haben wir jetzt allen Grund zu glauben, daß auch für uns die Stunde der Freiheit geschlagen hat. Unter den vielen Herren, welche bei Gelegenheit der Krönung sich einer Allerhöchsten Auszeichnung zu erfreuen hatten, defindet sich auch rin J-raelit, nämlich der hier allgemein grachiete Großhändler Herr Karl Ullmano, dem der Franz-JosephS-Orden verliehen wurde. Die Angelegenheit de» Schulbaues gestaltet sich durch die 2e