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Die Gegenwart · 1867-05-31 · 22 (31.5.1867) · p. Seite 169

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
22 (31.5.1867)
Date
1867-05-31
Page
Seite 169 (sequence 1)
Language
German
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•cktctlt«: IfMkttl•■: Miner WöPWrist für Jüdische Augelegenheitevr Frrttag, de« 31. Mai. R«. 22. Erster Iahrgaag. 1867. r Da« Besetz der «Lntwickloag im JudeMhum tl. — Lorrr^midnqe«: fJtNfan, Bukarest, Jassy, Bukarest, Mähren, Sroßwardein, London, London, Pari«. — Tin churmLrkischer Jude. —Zur Lharaktaifinmg unserer neue« firn Bibelaulleguug. (Schluß.) — Vermischte«.' — vüchertisch. — V«c»«1ru. Uße. — — -useraie. - -« Gesetz -er Snlwicktung im Iudenthum. II. Wie weit sind wir aber jenem der Menschheit angewiesenen Ziele einegoldenen Zeitalter» in unserem gegenwärtigm bereit»' nah« gekommen? Sind wir über da» eiserne oder eherne noch nicht hin»», oder haben wir diese mühevollen Stadien schon durchlaufen und find in da» silberne eingetreten? Ein Blick auf den mannigfache» Jammer, der bei den unendlich verzweigten und verwickelten Verhältnifien unserer Zeit nicht um einzelne Kamilien und Kreise, sondern selbst ganze Kreise niederdrückt und ihnen schwere Entbehrungen mit ihren, Leben und Lebensgenuß verkümmerudeu Folgen auferlegt, «» könnte leicht der erste«« Meinung da» Uebergewicht verleihen, ja wohl gm die melancholische Anschauung begünstigen, daß da» Gro« de» Menschengeschlecht-, weil chm nach so vielen Kämpfen und Opfern noch immer so viel, zu beklagen übrig geblieben, der eisernen Wucht niederbeugenden Geschicks sich nie und nimmer entwinden werde. Richten wir dagegen mit Borliebe, wenn auch ohne Voreingenommenheit, unser Augenmerk auf d»e tausendfältigen, theil» überwundenen, theil» im Berschwindm begriffenen Wehen und Uebel vergangener Zeiten, so erhellt sich unser Gesichtskreis wie der Horizont über unserem Haupte, vom ersten Morgengrauen bi» zum lichten Tage, und wir rufen ohne Dedensen ein zuversichtliche» Ja auf die obige Frage. Aasten wir zum Beleg dafür nur einige Momente in'» Auge. Der größte.Vorzug de» Menschen, da» Kriterium, daihn vou aflcn Geschöpfen riug» um ihn her vornehmlich unterscheidet, ist unstreitig die!ihm verliehene freie Wahl in seiuem Thun und Losten, die Selbstbestimmung über da», wa» ihm zuträglich oder verderblich wäre. Welche unsägliche», über die von dem vernnostgemäßea Staat»», Religion»« und Sittengesetze gezogenen Schranke», weit hinau«geheude» Einzwängungrn und: Hemmnisse freier Bewegung in allen menschlichen Gebieten haben aber Hemschsucht, Hochmuth und Habgier an-gesonnen und damit der!allgemeioeu Verbreitung leiblichen und gelftigen Wohlbefinden» fast unübersteigliche Hindernist« in den Weg gelegt! Nun wohlan, Sklaverei, Leibeigenschaft und Frohndienst» dieser, u! Hunderten von Menschrnaltetn am Lebensmark von Millionen und Milliarden nagende Wurm, sie sind, nachdem die übrigen civilstirten Länder aller Erdstrichs sie!, bereit» geraume Zeit. beseitigt, in ihren beiden letzten Hauptstatteur dem Ezarenreich und der Union, im Laufe de» jüngsten Jahrzehnt» zu Grabe gegangen, und auch die »erzweifeltften Anstrengungen der Sklavrnhatter werden diesen eud« tzchen Sieg der Huoianität, auf welchen die mosaische Gesetzgegllen Schranken mögllchft bestellen Böllerverkehr, Gewisten-striheit, verfastungSmäßigeS, der Selbstregieruug sich immer mehr annähernde» Regiment der Gemeinden, -reise und Staaten, nebst »ielen andern daraus resultireuden Institutionen im Geiste freier Entwicklung (z. B. Arbeiter-, Handwerker- und unzählige andere hen verschiedensten niederen oder höheren Zwecke» dienende Der« eine und Genvstenschasten) an deren Stelle gefetzt und — ver Pollte e» leugnen? — damit der Freiheit, diesem Palladium de- Menschenthum», eine weite Gaffe geöffnet. De» I»raeliten Herz Auge verwailsn M diesen Thatsachrn mit desto innigerem Behagen, al» ja die Existenz seine» Stamme» mit einer großen, sein ganze- ReligionSshstem in allen Fasern und Fiebern so sehr durchrinnenden Befreiung au» Knechtschaft beginnt, daß seine» Gotte» erste» Offenbarung-wort diese Lösung au» Sklavenfeffeln aldas ewige Band zwischen ihm und J-rarl herstellt, und al» andrerseits keine Nation auf Erden im Lause ihrer Geschichte durch die willkürlich von Menschenhand geschmiedeirn Bande so unaussprechlich viel zu leiden hatte und dem Aufgange drr Freihell-sonne mit schmachtenderer Seele eutgegenharrte als da» jüdische Volk. 7— Mit nicht geringerer Seelensreude gewahrt die» aber,, daß auch der Gerechtigkeit, dieser Ecksäule der׳ menschlichen Gesellschaft und deren Wohlergehen«, die ihr gebührende Ehre mehr und mehr gezollt und statt hundertfach nach Ständen, BerusSarten, Eonfessionen rc. gespaltenen Rechte», Gleichheit drffelben für Alle und Jeden, weß Glauben», Namen» und Stande» er immer sei, nicht nur in Theorie nnd Princip, sondern allmälig auch in Praxi» und Leben zur Gellung gebracht wird, so wie gerade der i-raelitische Gesetzgeber (und hier mit vollster Entschiedenheit) bei jeglicher Gelegenheit wiederholt: ״Eine Lehre, ein Gesetz und Recht soll für euch sein und für deu Fremden, der in eurer Mitte weilt!" Die hier iu der Anwendung noch so häufig zu Tage trrtendm Anomalien lasten unser« sichere Hoffnung auf deren völlige Beseitigung so wenig schwinden, als die rauhe und und unstete Temperatur beim Beginn de» Lenze» uns an dem darauffolgenden Hrrbeikoinme» de» Wonnemonde« mit seiner Hiflunel-luft und Blüthrnpracht zweifeln läßt; sie erscheine» uu» vielmehr nur wie.lang eingewurzelte üble Gewohnheiten, der«« die Gesammtheit der Menschen sich erst unter eben so harten KäMpfen enllchläzt, al» der Einzelne sich einer bösen Leideistchaft, de» f - 22

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