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Die Gegenwart · 1867-05-17 · 20 (17.5.1867) · p. Seite 159

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
20 (17.5.1867)
Date
1867-05-17
Page
Seite 159 (sequence 7)
Language
German
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®trfnxr Socheuschrtft De Mdifche «x-elegeoheilm. 100 lich war». Biele jedoch, und unter ihnen einig« der aufgeklärte» stm Geister hatten in der Hoffnung auf beffere Zeit», äußerlich die Formen de» KathollziemnS angenommen, während sie sich im Herzen und in chrer Häuslichkeit immer noch ju dein alt» Glau» b» bekänntm. Doch vergeblich war ihre Hoffnung auf Duldung oder Bewahrung ihre» Geheimnisse«, die unerbittliche Inquisition überlieferte Hunderte dieser neuen Christ» oder Marronen (die Verfluchten), wie sie genannt wurden, dem Scheiterhaufen. Derart größtencheils au« Spani» getriebm, suchten sie in Portugal Zuflucht aber auch dort suchte die Inquisition sie aus» | zurvtten, so daß der mildere Geist, der in den Nirderland» unter Wilhelm von Oranien waltete, -sie nach diesem Lande der Frei« heit leitete. Im Jahre 1593 begann der Strom der AuSwandering au« dem ttügerifch lächelnden Portugal zu den einförmigen aber sicheren Gestadm Holland«, Reichchum und Handel mit sich führend. Unter den best» und weisest» jmer wohlhabenden Pseudo- Christen war eine Frau Namen« Mayor Rodrigue«, mit dem Geist einer Heldin begabt, die, der unfreiwilligen Heuchele! müde, allen. Gefahren zum Trohe beschloß, eine Heimath in Holland zu such». Da gettrde ein Schiff mit MarranoS; unter dem Commando eine« Jacob Ferado Portugal verließ, so vertraute die liebende Mutter diesem Fahrzeuge ihre liebliche Tochter Maria NuneS und ihren Sohn, Manuel Lopez Pereyra, an, wahrscheinlich in dem Glauben, daß die Schönheit und Klugheit ihrer Tochter ihnen die lang-ersehnte Heimath verschaffen werde. — Dieser Glaube sollte auch nicht getäuscht werden. Da« Schiff, in welchem die 10 MarranoS, Männer, Weiber und Kinder, segelte», wurde gefangen genominen und nach England gebracht durch ein von einem englischen Herzog befehligte« Kriegsschiff, welche« zur Jagd auf die spanische und portugisische Flagge auSgcsandt wor« den. — Der Kapitain wurde unterwegs von den Reizen der schönen Jüdin so sehr gefesselt, daß er ihr sein Herz und seine Hand anbot, in der Voraussetzung, daß sie der Familie irgend eines portugiesischen Granden angehöre. — Sie lehnte dieses Anerbieten, so schmeichelhaft eS auch war, jedoch ab, da sie als Jüdin zu leben wünschte. Die Schönheit der gefangenen Maid erregte unterdessen solches Aufsehen in London, daß die sympathische Neugierde die jnngsiäuliche Königin antrieb, die für die Liebe eines Herzogs unempfindliche Schöne zu sehen. Die wundervolle Maria wurde demgemäß zu einer Audienz geladen und hatte die Ehre, in offenem Wsgen neben der Königin horch die Straßen Londons zu fahren. — Dank ihrem Einfluß ohne Zweifel, gestattete man den unglücklichen Emigranten, die Küsten England» unbelästigt zu verlassen und nach einer ftür» mischen Fahrt Mitdr groß» Gefahren und mit einem Leck im Schiff erreicht» sie.endlich den Hafen Emden. — Dort, von die- 1» gefolgt, bekannten sie sich offen zum Judenthum und bildeten den Kernpunkt! der blühenden Stadt Amsterdam. Unter diesen jüdischen Pilgrim-Vätem befand sich Joseph B» Israel, deffen Sohn Manassol^sich erfolgreich für die Rückkehr seine« bedrängten Volks« lMtth- Engl «zw verwandlet und ein spanischer Dichter au« Madeira, Namen« Jacob Israel Belmonte, die beide den Krallender Inquisition mit'genauer Noth enttonnen war». י,׳ Maff'Mht die schön« Jüdin da« reiche Herz de« Dichter« der Hnm«Wtit zun» Mitleid für die Leid» ihre« VolkeSbewegra haben? Wenigsten« ist die« Zusammentreffen von Umständen, einschließlich de« Namen« Belmonte, seltsam genug und viele emstere Theorien der Shakespeare Kritik sind Mf'ldWgilfosidem Grunde rrbaut worden. Zum besfrrmliDalst-udutß.dev Lnfpiell»ngdn>.»e«>Aator» auf b» Papst Sixta« V. Meter dessen Regierung, »ach verschied»» Schriftstellern, sich die Begebenheit, welche da« Thema für b»׳ ״Kaufmann von Venedig" bildet, zugetrngen haben sollführ«» wir noch an, daß nach de» italienischen Original der Biographie ׳ Sixtus des fünft» von Gregorie Leti, die Begebenheit, welch« Shakespeare dm Stoff zu seinem berühmt» Schauspiele liefert, in der That da« Umgekehrte von dem war, wa« er darstellt. Die Wahrheit ist, daß zehn Jahre, che der Kaufmann von Venedig geschrieben wurde, zur Zeit de« Papste« Sixtu« V., zwischen einem Juden und einem Ehristen eine Wette geschlossen wurde, deren Preis eintausend Skudi seiten« de« Ehristen und seiten« de« Juden der war, daß der Christ da« Recht haben sollte, ein Pfund Fleisch aus dem Körper de« Juden zu schneiden., Det Christ gewann die Wette und bestand hartnäckig auf Ausübung seine« Rechte«, worauf der Papst bestimmte, daß der Christ in der That da» Recht habe, da» Pfund Fleisch au» dem Körper des Juden herauszuschneiden daß er jedoch mit de« Tode bestraft werden solle, falls er den kleinsten Thell mehr oder we- Niger als ein Pfund nähme. — Der Christ verzichtete dann auf sein Verlangen, beide Parteien wurden jedoch wegen dieser frevelhasten Wette vom Papst zu den Galeeren verurtheilt und entran» nen dieser Strafe nur durch Zahlung von je 2000 Scudi« an irgend ein Hospital. — Dies Ereigniß war um so mehr geeignet, in England Aufsehen zu erregen, al« sich die Wette auf den englischen Seehelden, Sir Francis Drakc bezog. vermischtes. — Der Papst und der junge Myrtara. Bekanntsich wird alljährlich in Rom der JahreSkng der wunderbaren Errettung Sr. Heiligkeit im St. AgneSktoster mit einem DankgotleSdieuste in diesem Kloster selbst begangen, und empfängt der Papst an diesem Tage auch zahlreiche Gratulanten. Unter den Letzteren waren in diesem Jahre auch die Zöglinge jenes SrminarS erschienen, in welchem der junge Mortarä untexgebracht wor» den ist und zum geistlichen Stande herangebildet wird. — Sc. Heiligkeit empfing den jungen Mortara mit besonderer Huld und redete denselben, wie man mitzutheilen weiß, folgenderweise an: ״Mein theurer Sohn! Du bist mir sehr werth, denn ich habe Dich um einen hohen Preis erworben. Dein Lösegeld war groß. Deinetwegen erhob sich ein gewaltiger Sturm gegen mich und den Heiligen apostolischen Stuhl. Regierungen und Völker, Potentaten und Journalisten — denn auch diese zählen unter die Mächtigen unserer Zeit — erklärten mir den Krieg. Könige stellte» sich an die Spitze de» Heeresbannes und ließen mich durch ihr«' Minister mit diplomatischen Noten bestürmen. Das Alle« Deinetwegen, mein Sohn. — Ich will die Könige mit Stillschweigen übergehen und blo« jener Verleumdungen und Kränkungen geben« ken, die Eiuzelne und Private dloS deshalb gegen mich verübt, weil Gott der Herr Dich, mein Sohn, mit der Gnade des Glau» den« erlenchlet und Dich au« den Todeaschalten hervorgezcge«,, in ivelchem sich die Detnigeu noch fortan befiiw». — Ganz b«»1 sonders bediente man sich der Anklage zum Vorwände der Feind»-- feligkeit, daß gegen Deine Eltern .eine große Ungerechtigkeit übt worden sei, indem man Dich im Christenlhnm neu geboren werden und Dich an den Lehren theilnehmen ließ, die Du auS Gotte« Gnade empfangen. — Mich aber bemitleidet Niemand, den Vater der Gläubigen, dem da- Schisma Tausende und Tausende seiner Kinder raubt, in Polen, wo man sie durch schädsiche Sehren zrt verderben «rmhtvt. Völker mfe Regjenmgen schwel-

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