Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 20 (17.5.1867)
- Date
- 1867-05-17
- Page
- Seite 153 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Statt aMd>t ickaj ■tMaMaP'ftci* Km n . Kcwcti•■: _ , «,»«»>»>,»! Berliner WochenWft für jüdische Ängelcgenheite Freitag, Len 17. Mai. Ro. 2V. Erster Jahrgang. 1867. n r' m Inhalt: ׳ CamtpMkMfnt: Berlin, Berlin, Frankfurt a. M.» Slogan, Landl, berg a W., Letbschütz, Darmftadt, Mannheim, lkorfu. — Ueber AusÜLrung (Schluß.) — Shylock. *rrmischle,. — — Inserate. ״*׳ * Berlin, den 3. Mai. Wie wir früher Gelegenheit genommen haben, die eultiiellen Einrichtungen der neuen Synagoge einer unbefangenen, eingehenden Erörterung zu unterziehen, so bietet sich unS neuerding- Veranlassung, auch verschiedene Berhältnisse der alten Synagoge (in der Heydcreutergasse) zur Be« sprechung zu bringen. Wir thun dies um so mehr mit dem Be« wußtsein, hierbei die öffentliche Meinung richtig zu vertreten, als un» von verschiedenen Seiten schriftliche uud mündliche Annd« gedungen zugrkemmen sind, die übereinstimmend beklagen, daß in der genannten Synagoge mancherlei Uebelstände vorhanden siiid, die, obgleich seit Jahren vielseitig erkannt, doch noch iuimer keine Abstellung gefunden haben. ES kann darüber kein Zweifel obwalten, daß jede religiöse Lichtung — fall« sie nicht eine verschwindend geringe Mi«, norität bildet — in einer so großen Gemeinde, wie die hiesige, Institutionen verwirklicht sehen muß, die ihre» Bedürfnisse» und Anschauungen entsprechen. ES ist daher, von jedem Standpunkte aus, als richtig und vernünftig anzuerkcnnen, daß, mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Besucher der alten Synagoge kei« nerlei Tjenderungen des daselbst herkömmlichen Ritus vorgenom« men worden sind. Die lautgewordenen Wünsche, beziehungsweise Beschwerden, haben auch gar nicht da» Rituell selbst znm Gegen« stände, sondern Umstände, die an und für sich nicht znm Wesen de» Gottesdienstes gehören, indirekt aber auf den Zweck des öffentlichen Gottesdienstes — die Erhebung der Gemeinde — von tiefgreifendem Einfluß sind. Wir können für die letztere Behauptung eine in synagogalen Angelegenheiten höchst bedeutende Autorität anführen. Zunz, in seinem schon 1832 erschienenen berühm« trn Werke: Die gottesdienstlichen Borträge der Juden, historisch entwickelt rc. sagt, nachdem er von der Abänderung bestehender und der Einführung neuer Formen gesprochen, S. 479: ״Aber der wichtigste Theil der Verbesserungen besteht nicht sowohl in diesem ״Andern" und in jenem ״Neuen", als vielmehr in der Wiederherstellung, in der Rückkehr von dem Mißbrauche zu dem Brauch, welchedie Rückkehr von der erstarrten zu der lebenskräftigen Form iftl" Wie wir hören, hat eine große Anzahl von Gemeindemit« gliedern, unter welchen viele fleißige Besucher der betreffenden Synagoge sich befinden, in dieser Angelegenheit einen Schritt beim Vorstände gethan und auch positive Vorschläge zur Abstellung der empfundenen Uebelstäude gemacht. Döch ist hier nicht der Ort, auf di« Detail» der gerügten Lerhältniff» einzugehen. Der Synago» genvorstand hat neuerdings itr kn Absicht, Unliebsame» zu befei« tigen^ einige Bestinmmage»׳«» der alten Synagogea-Ordnung dadurch zur allgemeinen Beachtung bringen wollen, daß er sie auf einem gedruckten Plakate am Freitag-Abend unter die Besucher de» Gotteshauses beim Verlassen desselben vertheilen ließ. Diese Maßregel hat sich indessen an den darauffolgenden Festtage« als nicht ausreichend herauSgestrllt. -'. Insbesondere ist die neuerdings ««geordnete Art der . Be» aufsichtigung des Gottesdienstein veralten Synagoge'dUrch besoldete Beamte Gegenstand vielfacher und, wie mau gestehen muß, gewichtiger Einwendungen geworden. Schon in der neuen Synagoge wirb durch diese« System auf den Besucher ein ge« wiffer beklemmender Druck anSgeübt, der die Andacht erschwert und oft unmöglich macht. Es ist natürllch, daß solch« Beamte nie eifrig genug ihre Pflicht zu erfüllen glanben, und so kommt e», daß dieselben (von der Qualification. Einzelner zu einem solchen Amte ganz abgesehen) sehr häufig in ungeeigneter, ja oft taktloser Weise für die Herstellung von Ruhe und Oltnnng thäkig sind. . Als Hauptursache dieser Uebelstände wird die mangelhafte Organisation de« Synagogenvorstandes bezeichnet. Jedem Ein« sichtigen w.ird sich die Nothwcndigkeit einer ganz beträchtlichen Vermehrung und geeigneten Pertheiluizg und..Placiru»g der Eya nagogen-Dorsteher ergeben. Zur Vermeidung der vielfachen Störunge», die das späte Eintreten mit sich führt, sollte der Anfang de» Gottesdiensteschon in der vorhergehenden Woche durch Anschlag in der Vor« Halle, sowie durch Zeitungen bekannt gemacht werden. Möglichste Beachtung aller derartigen Wünsche und Bor« schlage ist gewiß ein dringendes Bedürfuiß! — Die auswärtigen Blätter für pie religiösen Angelegen« heiten der Juden haben zum Theil unsere Mittheilung über die Wahl de» Dr. Geiger irrthümlich dahin aufgefaßt, daß der vom Vorstände vollzogene Wahlakt schon ein definitive« Resultat er« gebe. Bekanntlich ist aber statutenmäßig die Zustimmung der Nepräsentanten-Bersammlung und zwar mit einer Zweidrittel׳Majo« rität erforderlich. Die Sache ist, wie wir hdien, von der Re« präsentanten-Bersammlung einer Eominission überwiese» worden. — Die auswärtigen Zeitschriften erkennen dem Wahlakt diejenige Bedeutung zu, die er in der Thal besitzt. Die ״Wiener Reu« zeit" z. B. schreibt: ״Das ist ein Sieg de« edlen, echten, wiffen« schaftlichen Pudenthnm», deffcn sich jeder GlanbenSgenoffe dem die Religion weder ein Objekt der GeschäftSspeknlation noch da- Produkt einer romantischen Laune ist, hoch erfreuen darf." Berlin, den 13. Mai. Der seit zwei Jahren bestehende hebräische'Literatur«Verein Mekizr Nirdamim ist zu dem Zwecke gegründet: 1. werthvolle alte hebräische Werke — na« inentlich sephardischer Autoren — welche noch gar nicht ge« druckt sind, oder 2. bereitvor langer Zeit gedruckt, jedoch nur "och in sehr wenigen cheurea Exeniplaren vorhanden sind; endlich in letzter Reihe 3. hebräische Werke lebender Schriftsteller her« auszogebert. In dem ersten Jahre seine- Bestehens hat der Verein so