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Die Gegenwart · 1867-05-03 · 18 (3.5.1867) · p. Seite 143

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
18 (3.5.1867)
Date
1867-05-03
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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Berliner Wochenschrift für Jüdische Aogelegacheit». 14S Literarischer Wacheadericht. Vrfchichte der Juden ia Köln a» Rhein, vou de» Römerzeiten biauf die Gegenwart. Ban Ernst Wehden. Köln, 1867. Verlag der M. Du Mont-Schauberg'schen Buch« Handlung. Der Verfasser hat sich um die Geschichte feiner Vaterstadt schon häufig verdient gemacht, und liefert auch in dem gegenwär« tigen Buche einen interessanten Beittag zu derselben. Es ist je« doch nicht allein die Geschichte der tölnischen Juden darin brhan« Veit, der Verfasser giebt in überfichtlicher Weise eine Darstellung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden seit ihrer Zerstteuung. Als Einleitung dazu giebt er einen kurzen Abriß der Geschichte dejüdischen Staates vou dem Untergange der HaSmonäer bizur Zerstörung des Staates und der Hauptstadt. Er kommt dann auf die Sagen von dem erste» Auftreten jüdischer Gemeinden am Rhein, wobei wir erfahren, daß die erste glaubwürdige Erwäh« nung einer Judengemeinde׳ in Köln sich nicht vor dem Jahre 180 nach Christo findet; übrigenist während der ganzen Römerzeit und darauffolgenden fränkischen Periode von einer solchen nichts zu melden, wie denn diese Periode von Köln- Geschichte in tie« fem Dunkel liegt; erst am Ende der carolingischen Periode wird ihrer wieder erwähnt. Im Anfänge des eilften Jahrhunderts endlich erscheint das Dasein einer bedeutenden Judengemeinde in Köln, mit einer Synagoge und in einem eigenen Judenviertel, ״iuter Judaeos“ urkundlich festgestellt. Herr Dr. Wehden hat alle darauf bezüglichen Urkunden gesammelt und entwirft daraus ein culturhistorische- Bild des bürgerlichen Zustande» der Juden in Köln und in Deutschland überhaupt. In Köln wohnten sie hauptsächlich in dem Kirchensprengel von St. Laurenz, um da» jetzige RathhauS her und in den anstoßendeu Gassen; sie hatten ihr eigenes Gericht, einen Vorsteher oder Bischof (Episcopus judaeoruui), ein EapitelhauS, ein Hospital, ein BadehauS, ein TanzhauS und einen eigenen Begräbnißplatz vor dem Thore ״am todten Juden". In einem ihrer Häuser kommt 1099 ein Wun« der vor. wodurch ein Jude zum Christenthum bekehrt wird. Weiter erzählt uns Herr Dr. Wehden die Gräuel der Judenverfolgungen ani Rhein durch die Kreuzfahrerbanden im eilften Jahr« hundert, wobei jedoch die Kölner Juden verhältnißmäßig gut da« vonkamen. Schlimmer aber erging es ihnen um 1349, wo im ganzen westlichen Europa eine grimmige Judenverfolgung Statt fand und auch in Köln der wüthende Pöbel das Judenviertel stürmte und Mord und Brand verübte. Indessen erholt sich das auSerwählte Volk Gottes nach solchen Ealamitaten erstaunlich schnell; wenige Jahre Nach dem entsetzliche» Gemetzel ist eS wie« der vollständig installirt, besitzt bürgerliche Rechte und wird ge« schützt vom Kaiser, vom Erzbischöfe und vom Rathe der Stadt. Dafür werden ihm aber tüchtige Aufnahmegelder und Abgaben auferlegt; Geld hatten sie immer. Interessant ist es, in Dr. WepdenS Buche die Gesetze, Verordnungen und Gebräuche zu vergleichen, welche neben sehr humanen, höchst gerechten, auch wieder wirklich absurd schimpfliche Bestimmungen und Anord« nungen enthalten, die aus einem grausamen und barbarischen Humor entsprungen scheinen. So zum Beispiel der in verschie« denen mittelalterlichen Gesetzbüchern vorgeschriebene Modus des Eidleistens. Eine auffallende Erscheinung ist es,- daß ein hochberühm« teS Kölnisches Pattiziergeschlecht den Namen ״Die Juden" führte und Judcnhüte im Wappen hatte, also aller Wahrschein« lichkeit nach von jüdischer Herkunft war. In Hagen's Reimchronik spielen Einige diese- Geschlechtes eine große Nolle, ia der Schlacht bei Ferchen ist Herr Daniel Jude einer der to sten Helden. Herr Dr. Wehden führt undurch di« vielfachen Wirren und Stteitigkeiten, welche Köln« Geschichte durch da» ganz« Mit« telalter erfüllen und wobei häufig die Juden direct oder indirrct betheiligt sind. Endlich aber entsteht eine solche Streitigkeit über sie, die ihrem Dasein in Köln eia Ende macht. Sie weigern sich, neben den Schutzgeldern, welche sie dem Kaiser und dem Erzbi« schofe zahlen müssen, auch noch solche an die Stadt zu entrichten, und da macht der Rath kurzen Prozeß und treibt sie auder Stadt, ttotz der Drohungen de» Kaiser- und de- Landesherrn: ״Anno doraiui MCCCCXXIII do wart dm Joeden bhnnen Eoellen hren schirm un vurwart up gefacht und wurden uhß ge« wist tzo den ewigen dagen, doch lheß men sij dat jair uhß tzo Eoellen wonen. Unn mvhsten bhnnen dem jair niet uhß lenen, und ouch dat yederman shne pende loeste." So schreibt die Chro« nik. UebrigenS wurden sie zu gleicher Zeit au» vielen deutschm Städten auSgewiesm; e» war eben wieder ein Judensturm wie die früheren, nur etwa» humaner, aber für die Juden noch Verderb« licher. Die Shnagvge ward niedergerisien und auf ihre Stelle eine Kapelle gebaut zu Ehren Unserer lieben Frauen oder, wie die Chronik sagt, ״tzo Jherusalem". Da» ist die spätere RathSka« pelle, die heute noch dem Rathhause gegenüber steht. ״Dese Joe« denschole hadde gestanden in der Joedenhand 0660 end XIII jair." Die Häuser-und liegenden Güter der Juden zog die Stadt ein, trotz de- Protestes des Erzbischofs. Nach Darstellung der weiteren Entwicklung der Verhältnisse der Juden in Deutschland und im Rheinlande schließt da» Buch des Herrn Dr. Wehden dann mit ihrer Wiederaufnahme in Köln im Jahre 1798 und der Entwicklung der jüdischm Ge« meinde ki»^ heute. Der erste Jude, welcher sich 1798 in Köln niederließ, war Joseph Isaak aus Mühlheim, später Joseph Stern genannt, sein Geschäft war Geldleihen auf Pfänder. Quellenangaben und Noten vervollständigen das interesiante Buch, welches Allen willkommen sein wird, die sich nicht mit den weitläufigen Geschichtswerken über diesen Gegenstand be« fassen mögen, und besonders den Freunden der Kölnischen Ge» schichte. Vermischtes. — Ueber dem Titel ״Bibellexikon" und mit der Be« zeichnung: ״Nealwörterbuch zum Handgebrauch für Geistliche und Gemeindeglieder" wird der theologische Schriftsteller Prof. Scheu« kel in Heidelberg ein Werk herauSgeben, daö die Resultate der wissenschaftlichen Bibelforschung in allgemein verständlicher AuS« drucksweise Geistlichen wie Laien vermitteln soll. Als Mitarbeiter werde» genannt: Bruch, Gaß, Hausrath, Holtzmann, LipsiuS, Rothe, Schwarz u. A. — Wie ein kirchliche- Blatt mittheilt, ist wieder eine neue Auslegung der Apokalhpse von dem bekannten D1\ Eumming er» schienen, welche prophezeit, daß zwischen den" Herbst-Tag- und Nachtgleichen von 1867 und 1808 das Papstthum abgeschafft und die Juden bekehrt sein werden. Die Prophezeiung de« Welt« Unterganges auf das Jahr 1867 oder 1868 möge Cununing selbst hiermit in Einklang bringen. — Die GlaSbrenner'sche ״Montagdzeitung" schreibt: ״Noch eine neue Synagoge ist in Berlin im Werden begriffen. Eine Anzahl sehr reicher Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, welche gegen die Reformen der Synagoge in der Oranienburger«

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