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Die Gegenwart · 1867-04-26 · 17 (26.4.1867) · p. Seite 135

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
17 (26.4.1867)
Date
1867-04-26
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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Qcrfbur Wochenschrift str gßdffche -lugelegetcheitm. lmr in'S Große unterscheiden, und dann immer weiter in'« -lerne orduew Md Vassificiren? NM mußte aber Sott von. der Welt» di« er schaffen wollte, eine deutliche Vorstellung haben; und wa« war wiederum natürlicher, als daß der Mensch ihm seine DorstellungSaxt, erst in'» Große und dann allmählich in'« Kleinere zu unterscheiden, mittheilen mußte, wenn er, sich einen Begriff von der Schöpfung der Welt machen wollte? Dergleichen Bor« stellungen Gott, wo man ihn au» :nnb nach sich selber bildete, waren der Kindheit de» menschlischen Geschlecht» besonder« an« gemeffen; dürsen wir un« also wundertt, wenn ihm bei der Schöpfung da« Unterscheide« un» Benennen,-al»-die Sprache, gleichsam al« ein HülfSmittel zugeeignet wird, uiq große Masse, welche er vor sich hatte, gehörig zu ordnen und einzutheilen? (Schluß folgt.) r Das Institut Mr Förderung der israelitischen Literatur. (Fortsetzung zu S. 187.) Al» mit de» Arabern im Orient neue Kunstweisrn entstanden waren, drangen auch diese in die jüdisch-hebräischen Dichtungen ein, freilich in einer Art, die ihren Werth nicht erhöhte. Der Sthl affektjrte Erhabenheit sowohl durch die Dunkelheit der inhaltlichen Beziehungen, al» durch gesuchte Schwerfälligkeit de« Ausdruck«, durch neue künstliche, nur zu oft der Grammatik und denl' Sprachgeniu« widerstrebende Wortbildungen. Der Reim ward zur Regel, und man liebte e« ihn recht zu häufen. Wenn auch nicht nothwendig bedingend, war es doch überwiegende Sitte, die Strophen nach dem Alphabete oder nach den Buchstaben des VerfaffernamenS, oft nach beiden zugleich, bald nach einfacher Aufeinanderfolge, ^bald in künstlichen Verschlingungen zu ordnen. Für die Stücke, wie sie ihre Stellung in Mitten der einzelnen GcbetStheilc einnahmen, stellten sich noch gewisse Gewohnheiten in Anwendung der Kunstformen fest; die einen hatten kurze abgerundete Zeilen, die andern lange dahinschwellende,, die einen mehr den erzählenden, die andern den dithyrambischen Ton. Diese Gewohnheiten blieben allesammt unverbrüchliches Gesetz, auch al« mau in Spanien mit eigenen Dichtungen hcrvorzutreten begann, insoweit sie sich auf da« religiöse Gebiet beschränkten. Hier galt nun einmal alle« Ueberkomniene als unantastbar, und cs darf nicht beftemden, wenn wir auch noch hochgerühmte spanische Dichter zuweilen in dem Zwange dieser Formen schwerfällig einhergehcn sehen. Dennoch wußten sie bald diese Fesseln zu brechen. Der Reim allerdings blieb, auch das Spiel der alphabetischen oder akrostichonitischcn Aufeinanderfolge ward nicht verschmäht, allein der Inhalt wurde vertieft, bald philosophisch gehoben bald lyrisch verinnerlicht, Sprache und Rhythmus veredelte sich, ward gesetzmäßiger und wohlklingender." Ganz ttru aber erstand bei ihnen die weltliche Dichtung, in der sie, aller herkömmlichen Fesseln ledig, ganz »ach arabischen Kunstweisen andere Stoffe behandelten, die Philosophie in phantasievollem Schwünge vortrugen, ihre Empfindungen lyrisch ergössen. Sie' bildet einet Glanzpunkt in der jüdischen Literatur des arabischen Spanien«. Wir begegnen hier wirklichen Dichtern, denen die tiefe Empfindung,'der edle Geschmack, Fülle der Gedanken und de« Ausdrucks in der todten, der hebräischen Sprache nicht uutergeht, wenn sie derselben auch neue- Leben nicht einhauchen konnten. Don dem Gebrauche deS Hebräischen auch für die profane Dichtung konnten sie sich nicht befreien, und hier ist ihre schwache Seite; nur Wenigen gelang ««, und auch diesen nicht immer, sich von Schwulst und Härten, von dem Spie-, len mit den Worten, die doch nun einmal nicht der Ausdruck le« 135 bendiger Begriffe waren, ftejzuhalten. Allein diese hebräische DichttwgSsproche stand der Sprache de» Leben«, de« Arabische», so nahe, daß die Täuschung, mit der man auch jene al« eine frischpulsirende zu empfinden glaubw, verzeihlich war, und da» warme Herzblut, welche» man ihr einströmte, schien wirkllch gesunde Kraft zu erzeugen. Ganze Geschlechter berauschten sich in solchem Gesänge, e» war ei» höher Ehrgeiz, al« Meister darin zu gelten, ein wohlgelungener BerS war eine That, die zur Nacheiferung weckte, die Worte der Dichter hallten auf allen Lippe» wieder und wurden ein Schmuck in den Werken ernster Denker. Konnte die hebräische 'Dichtung auch nicht au« ihrem Grabe er» wsckt werden; so ward doch der dichterische Sinn lebendig. An« müth de« Ausdrucks und edle Geschmacksrichtung gab den Sitten Feinheit und Adel, dem ganzen Leben Schwung und Hoheit der Gesinnung. Da« 3. Kapitel giebt eine gedrängte Charatteristck der Vorgänger Gabirol«, befondeS de» Samuel Ha-Levi Nagdilah, des „Wesir« und Dichter«", den Joseph ben ChaSdai „die Seele seineeinzige» Liede«" nennt. Die folgenden Skizzen nun führen u»s endlich in das Leben Gabirol« selbst ein. Wir muffe» es als einen günstigen Umstand für den Leser erklären, daß die gelehrten Aninerkungen und Zusätze in einem besonderen Anhang verlegt sind; sie sind dem gründlicheren Leser nicht vorenthalten und stören doch nicht dcu harmonischen Eindruck dieser gewaltigen ftühreifen Natur und des Kampfes, mit dem sie au« der Beschränktheit ihrer Zeit zu einem lichteren Ausblick, zu einer höheren Gotte«- und Welterkenntniß sich mühevoll hindnrchringt. E« darf uns nicht wundern, daß in dem stolzen^ anspruchsvollen Geiste des einsam stehenden Jüngling« der Frohsinn auözieht und der Weltschmerz einzieht. Aber nicht der Weltschmerz Byron'», mit dem er von Ducke« (Ehrensäulen) verglichen wird, sondern das Weh de» Faust. Ach, ziemt dem ScchSzehnjähr'gen Klagen, Zu jammern über LebenSplagen? Ich sollte mit der Jugend kosen, Die Wangen frisch gleich blüh'ndcn Rosen. Doch nahm mich früh mein Herz in Zucht, Hab' Sitte, Weisheit aufgesucht; Ta ist die Frische mir entschwunden. Da Hab' ich früh den Schmerz gefunden. So pressen Seufzer mir die Brust, Mir weint das Herz, erblick' ich Lust. Was.nützt die ThrSne? Eitel Lug!' Was birgt die Hoffnung? Blaffen Trug! ' Ich soll an Balsam« Kraft gesunden Und kranke schwer an Todeswunden. Wir kennen keine äußere Veranlassung dieses tiefen Seelenleidens, und kaum mag auch eine solche die tiefere Ursache sein. ES ist der Sturm des eigenen unbefriedigten Herzens, da« nirgend« seine Ideale verwirklicht sieht, sic auch in sich nicht zu erreichen vermag! Der brennende Durst nach Wahrheit wird ihm nicht gestillt, er sieht ihn aber auch nicht von Andern getheitt, deren ganzes Werktagtreiben, wie die Befriedigung, welche sie darin finden, ihm so schal und nichtig vorkommt. Sie erscheinen ihm verächtlich, er ihnen ein schwärmerischer Träumer. Die Kluft zwischen ihm und den ihn umgebenden Menschen ist breit geöffnet, sie schließt nicht während seineganzen Lebens. Er schließt sich Mit» strebcnden mit warmer Liebe an; bald halten sie zu wenig gleichen Schritt mit seinem Ungestüm, bald trüben die zu hohen Ansprüche da» lautere Lerhältniß der Freundschaft, und mit ge»

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