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Die Gegenwart · 1867-04-05 · 14 (5.4.1867) · p. Seite 111

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
14 (5.4.1867)
Date
1867-04-05
Page
Seite 111 (sequence 7)
Language
German
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Sofiaer Wochenschrift fib Jiwisch« «ngele-ocheiten. 111 Familie Jtzig (Hitzig) entdeckt. Jtzig Daniel, PsochssiizserazU des strengen Friedrich Wilhelm I., der Baurath Ätzigsgest. 1804), ferner die Gründerin de« Raueu'schea Stiftes, Dina Naue^ verehel. Japbb Lohen (gest. 1788) liegen neben einander. Der Geheime RegierungSrath Beitel Heine Ephraim, der erste und letzte Jude diese- Ranges, der bekanntlich im Aufträge Friedrich Wilhelm II. mit M trabe an vechandelte, liegt neben der Familie Simon, die cjnen Heiligen uister ihre Nachkommen zählt, aber unter dieselben auch den österreichischen Minister v. Sonnenfelrechnen durste. , Mirabile dictu liegt auch ein christlicher Renegat hier, dem doch da- Leben gewiß sehr sauer gemacht worden, daß er diesen schmerzlichen Uebrrtritt vornahm zu einer Zeit, wo nur Augst und Sorge da- Laos der Israeliten war. Auf chemischem Wege hat Hr. Landshut die Inschrift in diesem Fall rehabilitirt. Da die erste Reihe, die der sogenannten obenan liegenden Tobten einzunehmen, eine besondere Ehre war, so hat, wie Hr. Landshut authentisch nachweist, der mütterliche Großvater Meyerbeer'S, L. M. Wulff, der Krösus Berlins au» der Zeit von 1806 — mehrere Tausend Thaler dafür gegeben, um eben in diese Selecta nach seinem Tode zu gelangen. Wir wollen mit zwei besondermerkwürdigen Denkmälern schlie, ßen: Aa» eine ist Satgnow'S Steiü, dieser war ein.intimer Freun« Mendelssohn'-, aber ein bekannter Freigeist, deshalb mußte er in die Ecke des Kirchhofs wandern. Ebenso interessant ist der verfallene Sandstein des bekannten ArithmetikerS „Wolff Rechenmeister", gest. 1798. Diese Persönlichkeit ist der Derwisch in „Nathan dem Weisen", der innige Freund Lessing'«, so lange dieser auf dem Nicolaikirchhof in Berlin lebte. Umreit ruht der im Duell mit dem Dr. PhöbuS (jetzt Rector in Gieße») gefallene Dr. Lipschütz. Der Besuch auf diesem Friedhof ist zu jeder Zeit möglich; jeder Denkende wird jedoch ln Begleitung deö ohnehin in der theologischen Literatur seine« Specialfachs wohl bekannten Herrn Land-« Hut diejenige Erhebung uud Belehrung finden, welche man nur von einem Mann erwarten kami, deffen gauzeS Denken nrd Streben feit vielen Jahren nur eben diese einzige, aber durch die dazu gehörigen Reminiscenzen ein wahres welthistorische« Intereffe in sich haltende Cpecialität cultivirt. Der ConfessionaliSmuS ist hier zur Begründung eines Weltbürgerthums fermentirt, wo jede Einseitigkeit oder Engherzigkeit undenkbar erscheint. Dr. Julius Beer. Ilterarifchrr Wochenbericht. - Jolowicz. Dr. H., Geschichte der Juden in Königsberg. Ein Beitrag zur Sittengeschichte de« preußischen Staates. Nach urkandlichen Onellen bearbeitet. Posen 1867. 8. Nicht nur die Universalgeschichtsschreibung, sondern auch die einzelnen Specialgebiete der Geschichtsschreibung haben in unsrer Zeit eine gewaltige Veränderung der ganzen Methode erfahren. Nachdem man sich überzeugen mußte, wie in so vielen Dingen unsere „geschichtliche" Kenntniß auf bloßen Hypothesen beruhe uud jeder historischen Gewißheit ermangle, fing man bald an, sich thßilS durch neue Prüfung de« altem Materials, theils durch maffinhafte Herbeischaffung und sorgfältigste Sichtung neuen Stoffe«, neuer Grundlagen, statt einer Fortbildung überkommener Geschicht«Meinungen einen festen wiffenschastlichen Boden zu gewinnen. — Jede gründlich« gewissenhafte Monographie ist ein Quader in da» Fundament einer soliden Geschicht« - Ichreibung. ...;i. >M ,, Pyp diesem Gesichtspunkte au« müssen wir da« obige Buch mit Freude begrüßen. S« giebt eiuk getreu objektive, ausführliche, ja man kann sagen vollständige Darstellung der äußeren Beschichte der'Juden Königsberg« von ihrer ersten Aüsiedlung im heutigen Ostpreußen bi« auf die Gegenwart. Die Thatsachea sind nach den Quellen berichtet, ihr Ursprung und Verlauf wird au« dem zeitgemäßen Kulturzustande von Stadt, Provinz Mb Staat erklärt. Sehr viele neue bisher unbekannt gebliebene Thatsachen liefern zur Handel«- und Kulturgeschichte de« Mittelalters und der neueren Zeit schätzbare Beiträge; da« Buch Im Ganzen enthält eigentlich einen beträchtlichen Theil der Geschichte Königsbergs. Manche Partieen des Werkes werfen ein eigenthümliche« Licht auf die religiösen, staatlichen, socialen und insbesondere literarischen Zustände, während andere reichen Stoff zum Nutzm der Statistik und der Oekonomik, und für biographische Studien bieten. Der Verfasser hat zu seiner Arbeit außer einer Menge gedruckter Werke und Urkunden sämmtliche Judenakten der städtischen und königlichen Behörden Königsbergs benutzt. Wir sprechen dem Verfasser für die vielfache Belehrung, die er uns durch seine mühsame Arbeit verschafft hat, unseren aufrichtigen Dank au-, und werden noch einmal Gelegenheit nehme», auf dieselbe zurückzugehen. —tz. Vermischtes. — Wir sind in der Lage von cmem erfreulichen Zengniß de« in unserer Gemeinde herrschenden WohlthätigkeitSsinnc« Mittheilung zu machen. Ein Menschenfreund, der unbekanM bleiben will, hat dem städtischen Magistrat die Summe von zehntausend Thalern mit der Bestimmung übergebe», daß die jährlichen Zinsen dieser Summe in größeren Raten an verschämte Armen hiesiger Stadt, ohne Unterschied der Eonfession, verthcilt werden soll, lieber die Verthcilung soll ein Lnratorium zu entscheiden haben, das aus einem Mitglied de« Magistrats, einem Mitglied der städtischen Armen-Direktion und einem vom jüdischen Gemeinde- Vorstand zu designircnde» Mitgliede der jüdischen Armen-Com- Mission gebildet werden sott. —.In der am 2. März stattgehablen Sitzung der Geographischen Gesellschaft Hierselbst beleuchtete der bekannte Afrika-Reisende Herr Schweinfurth u. A. die EntstehungSwcise de« Tobten Meere», welche» er al« den nordöstlichen Zipfel des Rothen MeereS betrachtet; der von demselben durch Sandüberschüttungen, welche heute das Wady Araba darstellen, vor Zeiten abgeschnürt und so durch Verdunstung zu einer außerordentlichen Depression seine- Spiegels veranlaßt worden sei. Sowohl die relative Tiefe de« Rothen Meere», als auch die Consignation de« Jordanthaler sprächen für diese Ansicht. rSachsen Anhalt'sche Fürstenthümer. In den letzten Jahren sind in Uebereinstimmung mit den deutschen Grundrechten, welche bestimmen: „die Religion-Verschiedenheit bildet kein bürgerliches Ehehinderniß", Ehen zwischen Christen und Juden seitens der Regierung weder beanstandet noch erschwert worden, ja der Weimar'sche Landrabbiner Dr. Heß hat stets solche Misch Ehen ohne Bedenken eingesegnet; so wurde vor einigen Jahren der Tenorist Carl Knopp mit einer Frau evangelischer Eonfession in der Hauptkirche zu Weimar unter Anwesenheit de« Oberrabbiners Dr. Heß getraut.^ Ofen. Am 21. März empfing der Kaiser eine Deputation der Pesther israelitischen Cultu-gemeinde. \ Laubh.

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