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Die Gegenwart · 1867-03-29 · 13 (29.3.1867) · p. Seite 103

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
13 (29.3.1867)
Date
1867-03-29
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Berliner Wochenschrift ftr -Wisch» Lngelegachettm. 108 ein Grab gefunden, da» von den Ueberlebenden oft sogar innig beneidet wird. Da» Wasser de» Jordan ist wohlschmeckend, hell und krh« stallrein; nur zur Zeit seine» Hochgangp», wenn e» die sandigen Ufer aufwühlt, wird e» schmutzig-Mj^aber nach kurzem Still« stand reinigt e» sich' und der Satz Mt zu Äodttr. Der Jordan, Scheriet-el-Kebir, entspringt in «ner sumpfigen Gegend nahe von Hasbeiah im Libanon, fließt in dm See von Gmezarech, schießt dann nach vielm Windungen und Krümmungen hinab in da» - Ghor und begräbt seine Flutheu im todtm Meere. Nahe vor dem Ausflüsse ist sein Lauf träge und stagnirend. Sein grader Lauf beträgt ungefähr 25 und sein viel» und fchnellgekrümmter wohl reichlich 70 deutsche Meilen. Seine Breite mißt bei Jericho 80, bei seinem Einströmen in dm Salzsee, wo er ein kleine» Delta bildet, 300 Fuß, und seine durchschnittliche Tiefe 12 Fuß. Einst spiegelten sich in dem Wasser de» Jordan blühende Städte, jetzt elende Trümmerhaufen. Da lag-in dem herrlichen Thale Aulon Jericho, die hochberühmte Dattelstadt. Wer kennt nicht die Erzählung der Bibel, nach welcher ihre Mauern von dem Schalle der Posaunen Josua'S in Schutt und Staub sinkm? Da« mal» wurden alle Bewohner der Stadt, mit Ausnahme Rachab'» und de» Hausgesinde» ihre« Vater», auSgerottet. Wieder aufgebaut, verherrlichte sie die Schule der Propheten; sie blühte auf» Neue und wurde nach Jerusalem die erste Stadt Palästina'». Zur Zeit Augustu» hielt hier Herode» seinen königlichen Hofhalt. Große Paläste ragtm über da» Blätterdach der Palmen empor, mächtige Wasserleitungen versorgten die volkreiche Handelsstadt mit frischem Labettank, ein Amphitheater lockte die schaulustige Menge, und in der Schauburg kam da» Volk zu Berathungm zusanimen; reiche Handelsherren, welche die vornehme Welt Rom'» und Alexandrien'» mit dem kostbaren Harze der Balsamstaude versorgten, hattm ausgedehnte Magazine angelegt, und auf kunstreichen Straßen, die über da» felsige Gebirge zog«, strömten hier die Karawanenzüge zusammm. Hier traf sich der Jude, der Grieche, der Römer und der Araber; au» Italien und Spanien kamen Legionäre und Tänzer-, Gladiatoren, Rabulisten und Conr« ttsanen. In diese» Gewühl der reichen Handelsstadt treten die ungebändigten Söhne J»mael's und Esau'S, die unter ihren Zelten lagern, ihre Rinder- und Schafheerden von den Weideplätzen am Jordan in Jericho feilbieten, kriegerisch-malerische Gestalten, und weder dem Kaiser noch seinen Königen treupflichtig. . Mit dem Glanze Jerusalem'» erblich auch der Stern von Jericho. Von den KönigSpalästcn und den alten Herrlichkeiten blicken nur mehr dürftige Ueberreste au« Sand- und Steinhaufen, geborstene Säulenstümpfe, halb in Schutt begraben, und Bogen von Wasserleitungen; die Schlingpflanzen überwuchern, herab. Ein elende» Dorf von ungefähr dreißig erbärmlichen Hütten, die eher Biehställen al» menschlichen Wohnungen ähnlich sehen, hie und da ein schwarze» Beduinenzelt und ein alter Wartthurm — da» ist da» Bild von dem heutigen Jericho. Die herrlichen Pal« mcuwälder, unter denen einst in schattiger Kühle die Großen von Jericho gewandelt, sind abgestorben, und verschwunden sind die Pflanzungen von Zuckerrohr und Indigo. Die Bewohner von Rihha, dem früheren Jericho, arabisch Sidr, find negerartig; sie haben schwarze», wollige» Haar und schwächliche, schlaffe Ge« sichtSzüge. Dxp Anblick der schmutzigen Hütten, die au» Lehm und BzBl^n zusammengeklebt sind, und in deren Jauern diechalbnackten Bewohner in Gesellschaft struppiger Kläffer herumlungern, ist ein ekelerregender. Dornhecken, die da» Eindringen der Schakale zur Nachtzeit abwehren sollen, umzäuneu da» Dorf, mm die Stätte wilder Räuber-Romantik, einst die herrllchste Domäne Palästina'», die Antoniu» der schönen Eghpter-Königin Kleopatra zum Geschenk gemacht. R. Fr. Pr. Vermifchle». — Die hiesige jüdische Gemeinde-Knabenschule zähtt jetzt 627 Schüler in 14 Klaffen (8 Stufen und 6 Parallel-Klassen) nach folgender Uehersicht: «lasse. Schülerzahl Davon sind geboren: hier au»wärt». 1. 18 13 5 2. 42 21 21 3a. 32 15 17 3b. 31 15 16 4a. 49 26 23 4b. 48 24 . 24 &a. 45 16 29 5b. 48 19 29 6a. . 54 32 22 6b. 56 28 28 6c. 29 5 24 7a. 54 25 29 7b. 41 16 25 8. 80 45 35 Summa: 627 300 327 Die 8. (unterste) Klasse scheint ganz unverhältnißmäßig überfüllt zu sein. .... — Königsberg. Herrn Dr. Jolowicz Hierselbst ist von Seiten der Berliner jüdischen Gemeinde eine sehr ermun« ternde und ehrende Anerkennung für seine „Geschichte der Juden in Königsberg" zu Theil geworden. ^Lapchheini (Wüttemberg). Der jüngst verstorbene Buchhändler Isaak Heß in Ellwangen hatte der hiesigen israelitischen Gemeinde eine kleine auserlesene Volk»« und Schnlbibliothek vermacht, welche dieselbe vor einigen Tagen in Empfang nahm. E» hat sich nun im Anschlüsse an diese schöne Stiftung ein Ver« ein gebildet,-dessen Mitglieder sich zu jährlichen lleinen Beiträgen verpflichteten, nm diese Bibliothek von Jahr zu Jahr entsprechend vergrößern zu können. Beinahe sämmtliche Gemeinde-Mitglieder haben sich diesem löblichen Vereine angeschloffen^ überzeugt von der hohen Wichtigkeit einer solchen Sache für die moralische und intellektuelle Entwickelung de» Volke». Prag. Vor einigen Tagen starb hier nach mehrwöchent« lichen Leiden Frau Judith Goldschmidt, die Wittwe de» Fabrikanten Michael Goldfchmidt. Der Chef der Firma „Michael Goldschmidt und Sohne", Herr Joseph Singer, der Schwiegersohn der. Verstorbenen hat au» diesem Anlasse der israelitischen EultuSgemeinde-Repräsentanz 1200 Gulden zur'Vertheilung an verschiedene WohlchätigkeitS-Anstalten und Vereine übergeben. Laubh. Form eine» Juden-Eide» im Mittelalter. Es ist bekannt wie schlimm e» den Juden im Mittelalter erging, wo Jeder sie anllagen konnte und mit Bestimmtheit anzunehmen war, daß der Richter sie verurtheilen werde, oft ohne Prüfung de» Vergehen», welche» ihnen zur Last gelegt worden war, ohne Verhör. In jener Zeit war e» schon ein Zeichen besonderer Humanität und Gerechtigkeit, wenn der Richter den angeklagten Juden in einem zweifelhaften Falle einen Eid schwören ließ; im Folgenden

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