Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 12 (22.3.1867)
- Date
- 1867-03-22
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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verfiuer Wochaschrift Dr güdchch« Nugetegeuheite». 96' über die Judeuschast, daß er fie vor der Aoflösung in sich ftlbsst und in den Urbrei de» Menschenthum» krästiglich schützt."/ Der Rabbi hörte die» sehr wohlgefällig au; Herr Bonnheim schien aber nicht ganz einverstanden zu sein. Er dachte vielleicht ckriseinen Sohn „den Staittanwilt" — wie er ihn zu ne» um liebtet obgleich er eben erst al» Reftrendariu» seine Station bei der Staatsanwaltschaft machte — und an dessen Eärrld^. bemerkte, er: „Mein werthester Herr Baron, da erlaube ich mir doch einm bescheidenen Zweifel; warum soll denn zum Beispiel mein Neffe hier, der Dr. Bender, nicht rin Professor der Physik sein können, ohne daß da» Jubenthum, Gott behüte e», zu Grunde geht; ich sollte doch meinen, daß, wmn der Staat, bei dm Pflichten, die er un» auferlegt, nicht unser Gewissen bestagt, er auch bei den Rechten, die er un» schuldig ist, auf dasselbe nickt regardiren sollte." P „Da spricht noch der liberale Verfassungsschwindel au» Ihnen, liebster Bonnheim, der sich ewig auf der Schaukel „Rechte und Pflichten"" wiegt," versetzte der Baron. „Der Staat schuldet dm Bürgem bloß creatürliche Rechte; politische Rechte sind ihrer Natur nach Privilegien, auf die man keinen erzwingbaren Anspruch hat. Und wa» die Pflichten anlangt, so beschränken sie sich im moderigen Staat leider nur auf da- Steuerzahlen, und diese Pflicht wird Jhnm wohl schwerlich am Sabbath zugemuthet." Betty stand am Fenster und schaute auf die Straße. Bei den letzten Wortm de» Barons wandte sie sich um und rief dem Vater zu: „So eben reitet Bruder Wolf, der dm ganzen Morgm exerciren mußte, in dm Hof; der arme Junge war heute recht krank und sehr übel zum Reiten gelaunt, ich rieth ihm, sich von unsrem Rabbi ein Attest zu erbitten, daß er al» rechtgläubiger Jude am Sabbath nicht exercirm dürfe; aber der Gedanke an die Miene, welche sein Rittmeister zu einer solchen Entschuldigung machen würde, wirkte so heiter auf ihn, daß er sich vergnügt auf das Pferd warf und, wie ich sehe, jetzt in bester Reiterlaune zurückgekehrt ist." t Der Baron fühlte, daß sein staatliches Pflichtenregister ein große« Loch hatte, durch welche» seine, polltische Philosophie vollständig durchfiel. Er nahm au» der Dose des Hausherrn eine Prise, und war froh, al» der Bediente mit der Meldung eintrat, daß in dem Nebensaal angerichtet sei.- i Vermischte«. Ein Rescript de» Kultusminister» vom 23. Januar d. I. erklärt die Aufnahme de» jüdischen Religionsunterricht» in Ifflt Lehrplan einer höheren Schule für unzulässig. Zulässig ist die Erlheilung desselben an die jüdffchm Ghmnaflal- und Reak-Schßler außerhalb der gewöhnlichen Schulzeit im Lokal solcher A» stälteu. Dabei wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Direktoren die betreffendem Schüler erforderlichen Fall» zu Ordnung und Regelmäßigkeit im Besuch de» Religionsunterricht» anhalten. — Unter dm ca. 1300 Millionen Menschen, welche die Erde bew-hoeu». Md ngch Kolb» Handb. der vergleichmdm Statistik 4. Aufl. etwa 800 Millionen „Heiden'", 337 Millionen Ehrtsten, 166 Millionen Muhammedaner und nur 6 Millionen Juden, welche Zahl un» aber auch noch zn hoch gegriffen schetX. Bon,^>en in Europa sich aufhalteoden» auf 3% Millionen geschätzten, Juden befindet sich die Mehrzahl in Rußland, welche» deren 1,800,000 Mt; Oesterreich hat 1,053.000, Preußen 384,800, da» übrige Deutschland 192.000»); der Rest ist über Europa zerstreut, In Frankfurt a. M. kommt rin Jude auf 10 Christen, in Prenßm einer auf 73 Christen. Ja Sachsm giebt e» nur sehr wenige Juden, in Schweden und Norwegen ist da» Berhältniß rin sehr unbedeutende», denn eS kommt ein Jude auf 6000 Christen. Merkwürdigerweise scheint die Anzahl der Juden in Frankreich, England und Belgien, wo sie emancipirt und im Vollgenuß aller bürgerlichen und politischen Rechte sind, abzunch» men, während sie in Ländem zunimmt, wo dieselben wmiger frei sind, oder gar verfolgt werden. Kl . . n. — Rach einem Bericht des Missionär» Krüger bestehen 33 MissionSgesellschaften, die sich allein mit der Bekehnmg de» „Volke» Israel" befchäfttgen. Sie zählen 200 Missionäre, von denen die Hälfte vom Judenthum übergetretme Proselyten sind. Seit Beginn dieses Jahrhunderts sind etwa 20,000 Israeliten getaüft worden. — In der jüdischen Gemeinde Wien'» fanden nach der „Pr."", im Jahre 1866 120 Trauungen und zwei Ehescheidungen Statt; geboren wurden 918 eheliche, 40 uneheliche Kinder, darunter 549 männliche, 440 weibliche; todtgeborm wurden 63. Es fanden demnach im Ganzen 1021 Geburten Statt. Gestorben sind 148. Die Liste der verstorbenen, dem Kin?eSalter nicht Angehörigen weist 400 minnllche, 321 weibliche, in Summa 721 Personen nach; darunter 43 an der Cholera. Selbstmorde kamen 6 vor. •) Rach den Bolkszähluugm von 1862—63. Daeanzev * Liste. (Aufnahme groti*. Stelle. Brt. Adresse. Antrittszeit. «ehaU. Besondere Bemerkungen. Lehrer. tkattowitz sOdrrschlrs.j Borst. S. Hammer. 1 1. April. «00 Thlr. fix. — Oualificatiou zur Borbcreit. Zweiter Lehrer, iaator. Schulvorstand L. Wöllstein. 1. Mai. 190 Xbtr. für Quarta ist nachzuw. Pnvatunterricht ca. 100 Thlr. Fr. Wohnung, Rebeneinkunft u. Mescritz. Bromberg. Borfid. d. Shaag^Sem. Losort. 500 Thlr. •psiy ntsTHt' Bassist und Ehordirigent. Pilsen. 3*r. Tultur^vorst. 500 st. »st. Soll außerdem entweder al« HiUf6> " lchrrr vd« al» HMfilschllchier verwendet werden, wofür 100 fl. Tautor u. Schächter. Arad. Borst. Ios. Huschmann. — 600 fl. Ist. Uebliche Emolumente. — Soll wo. möglich auch Mohel sein. — Meldüng bi« 20. April. Haullrhrer. Kiew sRußlauds. Rädere« durch Dr. Zuckermann, Wallftr. Id. Brc«lau. ,