Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 12 (22.3.1867)
- Date
- 1867-03-22
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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K ''2 -- SkM Mtft oMciat kkw I Pwwnll.lÜM kiottU _ - - - - ■’ Berliner Woche / r Jüdische Angelegenheiten. r Freitag, den 22. Mir?. _M. 12. _' Erster Jahrgang. 1867. Mt 9fr* 14« beginnt dazweite Quartal, wir er» suchen höflichst, daS Abonnement reehtzeitig erneuern z« wollm, damit'in der Zusendung keine Unterbrechung erfolgt. Dir Expedition. Inhalt: vebrr staatliche Freiheit. (Fortsetzung) — «orrr»p«»den)t»: Balm, Berlin, Schwerin, Leogenau. — Salomou Munt. — tlnalekta. — SrllSrnng. — -rüttlet»»: Gkit-ru M«: neuerer Zeit. 1. „Sin fromme« Hau«" (Schluß.) — »erwischt«. — N««,nüiste.-Inserate. _y Arber staatliche Freiheit. . (Fortsetzung zu S. 82.) Am schwärzesten war der Sklave» Loo» in Spart.a, dem oft gepriesenen Muster-Militärstaate voll griechischer Manuertüchtigkeit und — grauenvoller Rohheit. ' Sie erinnern sich aus dem Jugeuduaterrichte, wie die Helgten behandelt wurden, wie die spartanischen Jünglinge alljährlich ein nächtliche- Treibjagen auf sie anstellten, um sich in dem ernsten Kriegshandwerk zu üben. In Athen war die Lage der Sklaven besser, in Rom wieder härter; die Strafen für die geringsten Vergehen ebenso willkürlich als unmenschlich. Sie haben ja oft auch von jenem römischen Ritter, einem Freunde de- Kaiser- AugustuS gelesen, der verurtheilte Sklaven in die Muränenteiche werfen ließ, „nicht al« ob es, berichtet Pliniu», nicht genug Landbestien gäbe, sondern well man auf keine andere Weise so den ganzen Menschen in Stücke reißen zu sehen bekommen konnte." Irgend eine Silbe de» Tadelhat Pliniu« für diese Geschichte nicht! — Grundsatz aller Völker war: Der Sklave ist nicht Person, sondern Sache; bei allen Völkern galt der Grundsatz: Der Herr hat unbeschränkte- Recht über Leben und Tod de- Sklaven; so spricht dienoch Caju» au-, einer der berühmtesten Recht-lehrer der römischen Kaiserzeit, dessen Worten noch jetzt unsere Juristen lauschen. Erst Antonius, fetzt er hinzu, habe den römischen Herren die- Recht beschränkt. Aber nicht nur damaterielle Wohlleben, auch die Kultur der Alten basirte ans den Sklaven, denn diese waren nicht blozur rohen Arbeit vorhanden, sondern wurden auch zu literarischer, gelehrter Arbeit benutzt; auch die Erzleher, Sekretäre, Vorleser, Hau-ärzte, gelehrten Hülf-arbeiter, waren Sklaven. Durch Sklaven ließ Pliniu» die Au-zÜge au» schier zahllosen Büchern anfertigen, and brachte so auf bequeme Art ein Werk voll stüpeNder Gelehrsamkeit zu Stande. In Rom waren die Bücher nicht theurer al» bei un-, da» Abschreiben wurde durch Sklaven fabrikmäßig betrieben; einer diktirte, hundert schrieben nach. Attiku», Cicero'» geistvoller Freund, soll die» zuerst eingerichtet haben. Und wenn nur noch einzelne edle Minner da» Unrecht diese- Unwesen» eingefehen, nicht sich begnügt hätten, milde Behandlung der Sklaven zu empfehlen — da» ist geschehen, — wen« vir «irgendwo ausgesprochen fänden, daß der Sklave doch auch Mensch, dl h. in unserem Sinne, mit Menschenrechten geboren, sei. Keine Spur, überall bei den Dichtern ist der Sklave der verworfene, der nicht-würdige Gehülfe der Lüste seine» Herrn und bei den Philosophen wird die Sklaverei gerechtferttgt, naturrechtlich gefunden; dem Aristoteles steigt freilich einmal ein Zweifel auf, ob die» Berhältniß nicht mit dem Willen und der Ordnung der Ratur im Widerspruch stehe, aber er weist ihn ab. Wir kommen darauf noch rin andere- Mal zurück; hören Sie zwei Sätze an, »«zeichnend für alle». Juvenal, ein späterer römischer Satyriker-, »oll strenger Sittenreinheit, sagt: i . I „Du Narr, ist denn der Sllave auch ein Mensch?" und Aristoteles:* „Der Sllave ist ein beseelte» Werkzeug; dct- 'Werkzeug ein unbeseelter Sllave. Und nun haltest Sie dem gegenüber »inen Ausspruch au» dem Buche Hiob: ' Hab' ich gering geachtet da» Recht meine« Knechte» Und meiner Magd, wenn sie stritten gegen mich? Was wollt' ich thun, wenn Gott aufstünde, Wenn er es rügte, was wollt' ich ihm erwiedern? Hat nicht, der mich geschaffen, auch ihn geschaffen. Hat nicht im gleichen Schooße un» gebildet der Eine? Fürwahr, diese wenigen Sätze, einander gegenüber gestellt, sagen genug! Mag man noch so viel reden nnd dichten von dem Glanz« und der Herrlichkeit de« Nassischen Alterthum»; von der sittlichen Hoheit, vor dem Geiste devon Religion getragenen Volksleben» in Israel verschwindet da» wie die Mondbeglänzte Zaubernacht, Die den Sinn gefangen hält. — „Wundervolle Märchenwelt, Steig' auf in der alten, Pracht!" mag ein Dichter rufen; aber wie vor der Sonne der Mond erbleicht, so erlischt der Zanberschimmer von dem Strahlenglanze dereligiösen Lichte. Aber e« gab doch auch im biblischen Staate Sllaven? Daist indeffen schon dem Worte nach etwa» ganz andere«. Wir machen einen großen Unterschied zwischen dem Sklaven und dem Knecht oder Diener, so thaten auch die andern Völker de» Alterthum»; die Ursprache der Bibel hat nur da» eine Wort, welche» einen „Dienenden" bezeichnet. Wie wir nun von dem Diener eine» Privatmannes, von Dienern de» König», de» Staate», der Kirche, de» Gesetze» u. s. ». reden, wie in höflicher Umgaugssprache sich einer de» andern ergebnen Diener nennt, so findet sich in all diesen Beziehungen da» hebräische Wort; da» ist nicht „Sklave"! Ja selbst der höchste Ehrenname, „Knecht Gotte»," wird mit demselben Worte «»»gedrückt, aber doch nicht „Sklave"? Uebvchaupt macht e» ja der Mame nicht au», sondern die rechtlich gesetzlich« Stellung; die ist aber nach den Gesetzen Mose»' hiwmelweitl von der anderer Sllavev verschieden und hebt die