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Die Gegenwart · 1867-03-15 · 11 (15.3.1867) · p. Seite 81

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
11 (15.3.1867)
Date
1867-03-15
Page
Seite 81 (sequence 1)
Language
German
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Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Stab« »tatt •fr. tatl akictn |aom*n. FrrÜag, dm 15. Mär?. R». 11. Erster Jahrgang. 1867. Mit -kr. 1*. beginnt das wir ersuchen höflichst, das Abonnement re^tzeitig erneuem zu wollen, damit in der Zusmdung keine Unterbrechung erfolgt. Die Expedition. Inhalt: Uebrr staatlich, Freiheit. (Fortsetzung.) — ««rn»»m,dra,e»: Berlin, So«lar, Prag, Pari«. — Vvlffenschasttiche»: Heme und da» Juden, chmn. (Schloß.) — Ieui>eton: Briefwechsel über Judenthum und Jude», heit in der Gegenwart. — Skizzen au« neuerer Zeit. 1. ,„Ein ftomme« ^au«" (Fortsetzung.) — Vacanzeulistr.-Inserate. Arber staatliche Freiheit. (Fortsetzung zu €5. 74.) Da» steht fest, die Menschheit hat dem Ideal immer fern gestanden;^ Klassen und Stände, ungleich an Rechten, waren vor» Händen von AnbeginA.der Geschichte bi» heute. Wie ist da» zu erklären? Müssen wir darum zugeben, daß die» Streben, sich der Art nach Ständen zu gliedern, daß von diesen einer dem andern übergeordnet sei, in der Natur der Menschen liege? Nein, e« ist da» Heidenthum, welche« die» au« sich erzeugt hat. und Reste der heidnischen Anschauung sind eö, die e» conservireu. Ein Gott — Eine Menschheit; Bielgötterei — Vielheit« liche Menschheit. Die Bibel deutet auch an, daß, schon vor der Sündfluth, zugleich mit dem Götzendienste, die Menschen begonnen haben, sich in „Göttersöhne" und „Menschenkinder" zu theilen. In der ältesten und ausgeprägtesten Form, dem Kastenwesen Indien», ist da» nun am deutlichsten zu erkennen. Mag diese« geschichtlich au» Eroberung und Obmacht fremd eingewau« derter Stämme zu erklären sein; mag man darauf Hinweisen, daß die Kasten nach Farben bezeichnet werden, also auf verschiedene Bölker und Mischungen hindeuten; mag im Mahabaratha auch ein« Stelle sich finden: ,,e» giebt keinen Kaftennnterschied, die ganze Welt ist von Brahma erschaffen, erst nachher hat sie sich nach den Beschäftigungen gespalten;" — die Sache ist vorhanden. Bier Hauptlasten: Brahminen, — Gesetzgeber und Herrscher; Krieger; Ackerbauer und Kaufleute; dann die Sudra'» — Arbeiter^ unter allen die verworfenen Paria«. Und diese Kasten bestehen, nach indischer Religionsanschauung, allerdings Kraft göttlichen Recht»; sie sind verschiedene Fleischwerdungen Brahma'«, au» Haupt, Brust, Bauch und Extremitäten entstanden. Woher da Gleichheit? Da muß natürlich eine unübersteigliche Kluft vorhanden sein, die Berührung, ja der Hauch der nieder» Kaste muß die höhere entwürdigen^ und verunreinigen. Sehen wir ja nicht auf Indien herab, al» un» fernliegend, tief unter unserer Eivilisation stehend! Wir werden später sehen, wie Arhnliche» durch die ganze Geschichte geht, wie e» z. B. von Plato aufgei nommen und ausgebildet wurde, und wie e» noch in unseren Tagen zuweilen in der Unterscheidung von Lehr-, Wehr« und Nährstand sich wiederspiegelt. Wa» nun in Indien , Borderafien, Eghpten, je nach der Götterlehre sich entwickelt hat, daffelbe finden wir in Hella» und Rom; auch dort find r» die den Göttern oder Halbgöttern entflammten Geschlechter: Die Herakliden, Atriden, Aeneaden, au» Heuen die „Hirten der Bölker" entsproffen sind; und wie der -Götterstaat de» Olymp in obere und geringere Götter, so mußte Hach die Menschheit sich in Edle und Unedle. Familien von tzMticher und menschlicher Abkunst, Gebietende und Gehorchende Walten. ' Gehen wir nun auf da» Einzelne ein, vom untersten beginnend, also, da die Paria» für un» ja kein Intereffe haben, von den Wklaven der alten und neuen Welt, ich meine de» klassischen Mterthum» und der neusten Zeit. Die Sklavenfrage also. >»r sech» Jahre würde e» bestemdlich erschienen sein, diese Wage unter die bewegenden Ideen der Gegenwart zu rechnen; Was gehen un» Sklaven an? Seitdem haben Sie, mein Herren, ßöL nu» in jeder Geschäftsbräuche, und Sie, meine Damen, in jedem Faden Baumwolle, den Sie mit fleißiger Hand verarbeitet, da» gewaltige Brennm dieser Frage empfunden. Kundige und Tieferblickende haben den Brand längst unter der Asche glimmen gesehen und die culturgeschichtlichen Krankheitssymptome unter dem gesundheitsstrotzenden Aeußeren erkannt. Und wie in einem jugendlich kräftigen Organismus eine Krankheit heftiger ausbricht, so hat in dem jugendlichen kräftigen BolkSkörper der Union ein Brand und eine Krisis gewüthet, dergleichen die Welt kaum heftiger gesehen. . Sind die zu Schanden geworden, die Auflösung und Tod prophezeiht haben, scheint die Genesung im besten Gange, so laffen Sie un» dem Lenker der Bölkergeschicke danken; daß der Sieg auf Seiten de» religiösen Princip» gewesen ist, ist sonnenklar. Darum darf ich aber doch hoffen, daß die Beleuchtung der Sklavenfrage noch nicht alle« Intereffe verloren haben wird. Wir müffen aber allerdings, unserem Grundsätze der geschichtlichen Entwicklung folgend, auf da« Alterthum zurückgehen. Die antiken Völker hatten in«gesammt Sklaven. Nutzlos, zu ftagen, woher da« Institut gekommen; e« verliert sich in den dunkeln Ursprüngen der Geschichte; da, wo die Erzählung beginnt, ist e» bereit» vorhanden. Und keine« der Völker de« Alterthums hat gefragt: woher? und warum? und muß eö so sei»? Sie konnten sich offenbar Staat oder Stadt so wenig ohne Sklaven denken, wie da» Mittelalter eine Stadt ohne Mauern und Wälle, wie die Neuzeit einen Staat ohne stehende» Heer; man meinte eben jedesmal einfach: ohne die» ist e» ja nicht Stadt oder Staat. Aber nicht allein der ganze Bestand, auch die Kultur- und Geistesblüthe Griechenland» und Rom» war auf die Sklaverei gegründet. Da» ist e«, wa» die Berherrlicher de» Naspschen Alterthum» übersehen haben. Sie haben die Glanzseite betrachtet, u

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