Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 9 (1.3.1867)
- Date
- 1867-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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Berliner Wochenschrift für Jüdisch« Aagelcgmheitrn. 71 / net hat, wo er in seiner Jugend alarmer ehelicher Hausirer seine Earridre begann., Als er in Loudoii seßhaft geworden war, gefiel eS ihm sehr wohl in der Weise einpS jüdischen Gentleman der City, am Sab» bath seinen »dop geschlossen z» halten, die Predigten des «diekrabbi mit Andacht anzuhören, und nur ein rabbinisch zubcreiteteS roast-beef zu genießen. Diese an sich harmlosen Gewohnheiten verpflanzte er auch mit hierher, ohne sich einer großen That dabei bewußt zu sein. Ja ich weiß mich sehr wohl aus der ersten Zeit uoserer B erbine düng zu erinnern, daß ihn hier, in einer ganz andern Atmosphäre, die englischen Liebhabereien höchlichst genirten. Damals setzte er sich über den Zwiespalt zwischen Religion und Gesellschaft mit der Würde eine» Weltweit» hinweg. Wie seine englischen Borbilder, aber in einem andern Sinne sagte er: my borws is^my castle, d. h. mein HauS ist die Burg meines Glaubens, meine Küche ist der Heerd der Orthodoxie; in der Welt muß ich leider Cvncessionen machen. Und er machte sie mit anerkennenSwerther Liberalität. Ja, als die durchgreifenden Resiormbestrebungen zur Consti» tuirung einer schiSmatifchen Gemeinde führten, war er wahrhaftig nicht weit davon, zu der letzteren übcrzutrelen,. wenn er genug Freiheis und Stärke des Geistebesessen hätte, sich an die letzten Eonseqüenzen hinzugebe». Nur vor der radikalen Form des neuen Kultus schreckte er zurück. So blieb er in der Schwebe bis zu dem Zeitpunkte, wo der religiöse Konservatismus zu einer politischen Tugend erhoben, und das AbsvnderungSprincip des rabbinischcn Judenthums, das man früher als ein Grundübel im sozialen Organismus der christlichen Staaten perhorrescirte und nur durch die Taufwasscrkur beseitigen zu können meinte, plötzlich als ein in der geschichtlichen Weltordnung begründetes providentielleS Moment erkannt wurde, deflen Bestimmung es sei, daS jüdische Volk wie in einer schützenden Hornhaut für seinen letzten Beruf, daö ist: die Bildung eincü jüdischen MufterstaatS in Palästina, zu konserviren. Seitdem diese Anschauung auf dem Katheder, der Tribüne und in den Organen der herrschenden politischen Partciecn Anklang gefunden, brauchte auch ein weltmännischer Jude sich keiner der Absonderlichkeiten und Schrullen, die je ein rabbinischcS Gehirn ausgeheckt, mehr zu schämen, ja er durfte sich damit sogar brüsten und interessant machen, und mit Stolz gleichsam auf die alttestamentlichen Schaufäden Hinweisen, die unter den Schößen seines salonfähigen Fracks hervorlugten. r Herr Bonnheim erklärte jetzt Jedem, dem es zu wisse» frommte, daß er zu den „Strengorthodoxen" oder „Altgläubigen" gehöre, und wies, wen« er zu einem christlich» Thee geladen war, mit dem Selbstbewußtsein eine» Glaubenshelden,- und zugleich Mit aller graziösen Verbindlichkeit eine- Weltmanns , den ihm von der Hausfrau präsentirten Teller mit der verbotenen Speise zurück, während er bescheiden nach dem marinirten Hering, oder andren unschuldigen Imbissen die Hand auS« streckte." — (Fortsetzung folgt.) Vermischte». r — Amschelberg (Böhmen). Zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde ist Herr Rabbiner Ignaz Back gewählt Word», nachdem seine> Probepredigt allgemein gefallen hatte. (Laubhütte.) — Düsseldorf. Der Kaufmann Stephan Schönfcld, der t jetzige Besitzer de» Geburtshauses Heinrich Heine's, hat an demselben am 31. Januar eine einfache Marmortafel mit der Inschrift: „Geburtshaus von Heinrich Heine" anbringen lassen. Paris. Durch ein kaiserliches Dekret wird die Wahl de» OberrabbincrS Isidor zum Oberrabbiner des Eentral-Consisto» riumS bestätigt. — BodenstedtS „Mirza Schaffh", der bereits in fast alle lebenden Sprachen übersetzt ist, wird nächstens im Berlage der Decker'schen Oberhofbuchdrnckerei auch für die russischen Juden in hebräischer Sprache erschein». Der Uebersetzer ist Herr Jos. Choczner, Student än der Universität Breslau. * Die Anzahl der in Warschau wohiienden Juden beträgt nach dem „Libanon" ca. 80,000 ^Seelen. Berichtigung: In Nr. 8, S. Kt, Z. 4 v. ob. lie« „gesammten" st. „getrennten". — Daselbst Z. 8 v. ob. ist „dadurch" zu streichen. — Daselbst Z. 12 v. ob. lies „biblisch" st. „neuen". Briefkasten. Ii. S. U. in Pcfth?! 1 Vacanzen - Lifte. (Ausnahmc gratis.) Itrüe. Art. , Adresse. Lehrer-, Prediger u. Cantor. 1 Neuß.; Borst. Philipp Ostberg. Lehrer u. Cantor. ■ GoltschIenikau (Oestr.) i CultuSvorstand. ReligionS-Lehrer u. Cantor. I Iserlohn in Westphal. Borst. I. Sl. Wertheim. Tenorist. Lehrer, Cantor u. Schächter. Lehrer, Cantor u. Schächter. Brünn (Oestr.) Borst, b Cultu»-<8cm. Vräsenhaus« bei Darm- Borst. Slssur Hirsch, stadt. Treptow a. T. L. Lirpmann. ReligionS-Lehrer, Cantor und Schächter. " ReligionS-Lehrer, Cantor u. Schächter. Hauslehrer.^, Löwenberg i. S. Sicken a. d. Elbe. Quaritz. Borst. Rob. WoUenberg. Borstd. Herrn,. Ascher. , B. Borchartzt.! Antrittsikit.- Erhält. >_LJ.___! I. Juli. 400 Tblr. 1. Mai. i 600 fl. öst. Sosorl. i 300 Thlr. Sofort. Ostern.; 1. Juli. | 1. April, i Ostern. 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