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Die Gegenwart · 1867-02-01 · 5 (1.2.1867) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
5 (1.2.1867)
Date
1867-02-01
Page
Seite 33 (sequence 1)
Language
German
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DlcfrtBUtt ■tMucaat« ans *»<MÜ6un« Mitca d« «d P»st k»t«r^> fatemmm. Die Gegenwart. Wckicti**: AriaacifbT.Ctnte ict< t.Znlr 17, G»r. Berliner Wwhenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, den 1. Februar. No. 5. Erster Jahrgang. 1867. Inhalt: Der Kreilag-Sbend in der itmm Synagoge. — «arreapondenM: ©er. litt, Berlin, ©rrtlou, Bukarest. — «istenkchastliche,: Heine und da» Judenchum (Karls.) — Aualekta. — Lileralur-Perichl: Recension. Bücherlisch. — Vermischte».-Inserate. Der Freitag-Abend in der neuen Synagoge. * In der letzten Sabbath-Predigt hat der Herr Rabbiner vr. Aub die Textworte am Ende de« Wochenabschnittes, in dem von der Beschaffenheit deS zu errichtenden Altars die Rede ist,' zum Gegenstände seiner Erörterung gewählt. Er hob die dort aufgeführten Erfordernisse eines solchen Altars hervor: eist Altar von Erde soll eS fein, und wenn von Steinen, so sollen es ganze Steine sein, über die kein,Eisen geschwungen werden soll, und schließlich soll kein Stufenweg zum Altar hinaufführen. Nachdem die sittlich.religiösen Beziehungen der Einfachheit, der Ganzheit, gleichbedeutend mit Frieden und der Unterschiedlosigkeit vor Gott nachdem all diese an die obige Bauvorschrift an« knüpfenden Beziehungen der Gemeinde in der Weise nahe gelegt wurden, daß sich ihr daraus die allgemeinen, ewig gültigen Er« forderniffe eines wahren und fruchtbaren Gottesdienstes ergaben, eines Gottesdienstes wie er sein soll, warf der Prediger einen ausschauenden Blick auf den Gottesdienst wie er i st und hielt der Gemeinde in ernst strafender Weise namentlich ihren Freitag« Abend«GotteSdienst vor. Er sagte ausdrücklich: die Gemeinde, oder sehr Biele — wir' wissen die genaue Bezeichnung für den Angeschuldigten nicht mehr und nehmen daher die mildere Form — also: sehr Biele erscheinen am Freitag Abend im GotteShause ohne Gebetbuch in der Hand, ohne Gebeteswort auf der Lippe und ohne Andacht im Herzen. Pun, daö ist eine harte Anklage, um so härter als sie aus dem-Munde eines wohlwollenden Mannes komitit, und jeder Be« sucher des Freitag-Abend-GotteSdiensteü zunächst ist herausgefordert sich schuldig zu bekennen und sich zu bessern, oder, wenn er'S vermag, die Anklage zurückzuweisen. Auf eine solche vorurtheilSlose Untersuchung nun sind diese Zeilen gerichtet; möglich jedoch, daß dabei auch weitere über die Berliner Synagoge hinausgehende Gesichtspunkte in Betracht kommen. Zunächst wolle der Herr Prediger uns, den Angeklagten, die Bemerkung gestatten, daß alle die lehrhaften Anregungen, die seine sachgemäße und vom Standpunkte der Homiletik wohl berechtigte Deutung in den Altar von Erde, von unbehauenem Stein und ohne Stufen hineingelegt, den Besuchern der neuen Synagoge nicht in vollem Maße zu Gute kommen könne, da die neue Synagoge in ihrem Baumaterial und ihrem Baustiel sich ziemlich entfernt gehalten hat von der Natur-Architektonik de« AltarS im Wochenabschnitt Jithro. WaS aber die Abwesenheit der Stufen anbettifst, als Sinnbild der Unterschiedlosigkeit vor Gott, so wiflcn die Käufer und Miether der Plätze darüber mancherlei zu sagen, den Unterschied im^Hören und Sehen abgerechnet bei der ungewöhnlichen Längenausdehnung des Gebäudes. Dies sollte bloS als eine entlastende Vorbemerkung beigebracht werden. Der ernste Sinn dieser Borbeinerkung ist jedoch der: In einer Synagoge von diesem Material, von diesem Baustil und diesen Dimensionen ist daS Zusammenfaffen und Zusammenhalten der ihr Zugehörigen schwieriger als um einen Altar von Stein oder in einem sinipelq^Pauwerke; und die Beranstaltungen für das Leben und die Vorgänge in der Synagoge werden mindesten« — in ihrer Weise — soviel Ernst, Geist und Sachkundigkeit in Anspruch nehmen, als es der äußere Bau gethan. Nicht ist eS nöthig, den Zweck eines Gotteshauses des Weiteren darzulegen. WieeS äußerlich „Haus der Versammlung" genannt wird, so soll eS durch das, waS in ihm vorgeht ein Haus der Sammlung Werdern^ Die durch das Leben und die Gesellschaft Geschiedenen, künstlich oder gewaltsam Getrennten, Zerrissenen, „Zerstreuten", sollen sich sammeln vor Gott und in Gott, „daß fix alle werden ein Bund, zu vollbringen den Willen des Vaters im Himmel." Ein Kunstbau wie die neue Synagoge — wie wundervoll edel ihre Schönheit sich auch überall entfalte» mag — ist so ohne Weitere« zu diesem Werke der Sammlung nicht angethan. Ein Hauy der Bersaminlung — wie gefüllt auch immer — ist noch kein Hauö der Sammlung und in unserm Falle werden Ernsthaftigkeit, Geist und Geschick in energische Concurrenz treten müssen mit der zerstteuenden Macht des Schönen, Pie vorab von dem GotteShause Besitz genommen. Alle Herrschaft deS Aeußerlichen aber am und im GotteShause soll dienstbar gemacht werden dem Geiste, der Wahrheit, — Das ist der Begriff de« Gottesdienste«. Eö giebt nur ein einziges Mittel die Besucher eines Gotteshauses dauernd zu sammeln und zu einem starken Gefühle von Gemcinsainkeit und Zusammengehörigkeit zu erwecken: da« ist die geordnete selbstthätige Mitwirkung der Gesammtgemeinde — soweit nur immer möglich— beim Gottesdienste. Eine solche gemeinsame Action ist die Hauptquellc aller religiösen Erweckung. -Die bloße änd dauernde Passivität der Gemeinde — mag ihr gegenüber auch vergeht wuS kir wolle -Oft der Tod aller Erweckung und Erhebung, ist der Tod jede« w ahrhaften Gottesdienstes. Dauernde Passivität ist wider die Menschcnnatur; dauernde Passivität ist wider die Natur jede« Gotteshauses. Dauernde Passivität ist aber ganz im Besonderen wider die jüdische Natur im GotteShause. Der Trieb der Unmittelbarkeit ist daS Gehejmniß der jüdischen Natur. Dieser Trieb ist sein GotteSgeheimniß und die Bürgschaft seiner Ewigkeit. Der Israelit will mit seinem Gott selber ein Wort rede», das ist sein Geheimniß und seine Ewigkeit, da« hat ihn vor jeder lästigen

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