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Die Gegenwart · 1867-01-04 · 1 (4.1.1867) · p. Seite 6

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
1 (4.1.1867)
Date
1867-01-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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s Die •egntMtt reichen Ernte Ihrer gewünschten Notizen. Leidende und BergnügungSsüchtige aip» aller Herren Länder wallfahren um diese Zeit nach diesen Bädern, welche von der Natur mit grünen Berge«- ־ ketten und prächtigen Thälern geschmückt sind, von den Regierungen mit den grünen Tischen der schrecklichen Spielhöllen verunziert. Paradies und Hölle sind hier nahe an einander gerücket. Zu dieser Lölkerwanderung der neuesten Diode stellt Israel kr» geringe« Eontingent, und unter diesen; viele Rabbiner. Denn unsere Rabbiner haben um diese Zeit ihre 8ni»ov morto, weil ein großer Theil unserer GlaubenSgeaossenschast sich hütet, innerhalb dieser dreiwöchentlichen, kein Glück verheißenden Passionszeit Hochzeiten zu feiern. E» ist indesie» diese Todesstille im Heirathe» nicht der einzige Grund, weshalb.man da« schöne, geräuschvolle Leben in den Bädern am liebsten in den Tagen ״zwischen den Bedrängnissen" aufsucht. SS spielt noch ein anderes Motiv mit, das uns ein treues Bild giebt von dem innerhalb der jüdische» Kreise bestehenden Gegensätze und Streite zwischen dem grünen Lebensbaum des frischen Gedankens und dem seelenlosen Mumienschatze abgestorbener Satzungen. Während nur sehr Wenige au« der Gemeinde Israel sich entschließen können, Neujahr und VersöhnungStag aus dem häuslichen Kreise sich zu entfernen oder von ihm fern zu bleiben, weshalb vor dem Eintritt dieser heiligen Feste unsere GlaubenSbrüder -und Schwestern nach Hause eilen, — treiben die Fasttage des 17. Thamu« und 9. Ab mit den die Zwischenlinie ausfüllenden Tagen nicht Wenige «uS der Heimath in die Fremde. Woher kommt das? — Jene Feste sind dem JSraeliten heilig, weil ihre Feier auf einer unser Gemüth ansprechenden Idee ruht; diese Trauertagc widerstreben unserm Herzen, weil sie ihre Bedeutung großen TheilS verloren haben. Jene werden daher mit aufrichtigem Ernst, diese mit Widerwillen gefeiert; weil jene eine Anziehungskraft, diese eine abstoßende Gewalt für unfern Sinn haben. Betrachten Sie sich nur in den verschiedenen Gemeinden die Art und Weise, wie diese Trauer- und Fastenzeit gefeiert wird, und Sie werden sage,;: da« ist Schatten und Schein, hier laßt sich der innere Unmuth und der äußere Zwang fast auf jedem Gesichte lesen. 1 Fragen Sie, mein Freund, woher eS komme, daß jetzt'beinahe schon ein halbes Jahrhundert die Satzungen und Vorschriften für diese Tage selbst von Frommen mit Unlust und wider« strebendem Herzen beachtet, oder mit List, nach der Mahnung ,"!הוי ערום בירא (Schlangenklugheit mit Taubenfrömmigkeit zu verbinden)', umgangen werden? So sage ich. Ihnen, die Antwort auf die Frage liegt in der Geschichte dcS Lebens und in dem Leben der Geschichte. So lange der Jude — verachtet, zurückgcstcßen und verfolgt von der ganzen nichtisraelitischen Umgebung.— Tag und Nacht in Kummer und Angst lebte, kurz sein ganzes Dasein',;zwischen Bedrängnissen" המצרים T2 dahinfloß, sah er in den Gedächtniß-Tagen ״zwischen den Bedrängnissen" die Ursache seiner Bedrängnisse. Dle ErinnerungS-Trauer, des Mißgeschickes der Väter wurde ihm zur traurigen Erinnerung an sein eigenes Elend. Er klagte über' das alte Exil (גלות), weil er ein neues"hatte; er trauerte aufrichtigmber vergangene« Leid, weil er noch gegenwär« tigcS zu betrauern hatte. Darum wurden auch die vorgezeichneten Trauergebrauche mit voller aufrichtiger GemüthSstimmung apSgeübt; sie waren unfern Vorfahren keine Last, sondern eiy Bedürfniß. Selbst die durch spätere Rabbiner angeordnete Ausdehnung der Trauerzeit von Einer Woche, wie -eS der Talmud bestimmte, auf drei Wochen sagte dem gepreßten Herzen zu. Unsere Väter, denen da« äußere Leben so wenig Freude bot, brachten kein gro-- ßr« Opfer, wenn^ sie nach raLbinischer Vorschrift □3D3JWD אב ממעטין בשמחה' während dieser Trauertage sich eine« jeden Vergnügens enthielten; wogegen eine andere rabbinische Anordnung, in dieser Zeit weniger Geschäfte zu treiben מר*ח/עד התענית ממעטין במשא ומתן w bei unseren nicht Gehör und Gehorsam finden konnte, weil da« auch ihnen nicht zusagte. Sie sehen d'arau«, mein Freund, wie schön ftüher rabbinische Satzungen, mögen solche auch in dem sogenannten Schulchan-Aruch-Codex sanktionirt sein, unbeachtet blieben, sobald sie mit dem sociale» Leben in Conflikt geriethen. Zu diesem vereinzelten, in dem äußern, geselligen Leben, eingetretcnen Conflikte trat in unserer^ gegenwärtigen Epoche ein neuer, viel mächtigerer Conflikte der zwischen dein inneren Leben der Ueberzeugung und den rituellen Satzungen io der Religion. Seitdem mit dem WachSthum der religiösen Aufklärung und hninanen Bildung die Stellung des Juden in dein Staate und der Gesellschaft eine , bessere, ja fast gute-geworden, somit der Jude glücklich und zufrieden sich fühlt in dem Lande, das nun. in Wahrheit sein Vaterland ihm ist, sind die Trauerceremonieen wegen der Tempelzerstörung und des Unterganges de« jüdischen Staatenicht nur leere, sondern sogar unerträgliche Formen geworden, denen man sich möglichst zu entziehen sucht. Dieselben zum Beispiele, welche bei dem Tode eines nahen Verwandten die herkömmlichen Trauergebräuche auSüben, 30 Tage lang den Bart wild wachsen lassen und von allen Vergnügungen sich znrückziehen, scheinen wenig Lust mehr in sich zu tragen, um Zion ernstlich zu trauern, irgend ein Vergnügen sich zu versagen und ihren Bart 21, ja nur 9 Tage lang in seiner Integrität zu erhalten. Nehmen Sie, mein Freund, diesen ersten Brief, dem bald ein zweiter Nachfolgen wird, ohne Ihre Antwort abzuwarte», als Einleitung in meine Berichte, welche von dem Allgemeinen zu dem Sp^iellen übergehen sollen. Doch werde ich Ihnen neben vielen Schattenbildern auch einzelne Lichtbilder^vorführen. Ich zähle nach jüdischer Ausdrucksweise zu den neuen Juden; für Sie aber bin und bleibe ich der Alte. C. R. •s. Literarischer Wochenbericht. תרגום דברי ודמים - Tar-gum zur Chronik, 1. Buch.— XII. u. 66 S. Angehängt: Ein lateinischer Commentar aus dem IX. Jahrhundert zu den Büchern der Chronik, kritisch verglichen mit den jüdischen Quellen von vr. Abra« Ham Rahm er. 43 S.'s. Erster Theil. Thorn 1866.°״- Der Abdruck de- Targum erfolgte nach der von WilkinS (1715) ans einer Cambridger Handschrift besorgten Ausgabe, während in den »nter dem Texte fortlaufenden Noten die Varian- . ten aus der von Beck (1680—83^ nach einer Erfurter Handschrift veranstalteten Ausgabe mitgtzWWWrden. Nachdem diese beiden Ausgaben, wie auch die Wilnaer (1810), bereit« sehr rar geworden sind, ist schon dieser einfache Abdruck deS Targum etwa« Berdienstliche-. Was der Herausgeber in kritischer Hinsicht für diese» Targum noch leisten wird, werde» wir erst aus einem 2ten Hefte keunen lernen, in welchem Herr Rahmer über die Zeit der Abfassung sich zu verbreiten verspricht. Dort wünschten wir auch die Abweichungen zusammengestcllt, welche sich durch eine Vergleichung des Schrifttextes mit diesem Targum als klar und sicher ergeben, wie z. B. im 43. Verse de» 16. CapitelS, wo wir NX ביו1ו lesen, da» Targum aber את העם vor sich hatte, so auch eine Handschrift bei Kennicot. — Zu S. VIII. dtr hebräischm Vorrede — in der die Abhandlung von Chaje« in dessen אמרי בינה

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