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Die Gemeinschaft · 1928-12-07 · 15 (7.12.1928) · p. Seite 7

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
15 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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An der Grabstätte Moses Mendelssohns. Von Hermann Fa Ikenberjj. Welcher Berliner Jude, der durch Prag kommt, würde es unterlassen, den alten Prager Judenfriedhof auf zusuchen? Aber wie viele Merliner Juden Hand auf* Her/ finden den Weg nach unserem Norden, zur Großen Hamburger-Straße, um den ältesten jüdischen Friedhof in Herl in. d i e-G rab s t ä 11 e Muses Mendelssohns, ni besuchen? Wie viele kennen ihn. ja wissen auch nur von seiner Existenz? Er ist ja langst geschlossen, schon zur Urgroßväterzeit. Hun: dert Jahre sind es gerade her. und die Gegenwart hat diese geweihte Stätte, die nicht an der Heeresstraße liegt, vergessen, (übt es nichts dort, was die heutige Generation ZU ihm zielten konnte? Sollte sie, die sich jetzt bereitet, den 200. (Icburtstan Mendelsöhns zu feiern, nichts mehr dort finden, was auch sie angeht? Was die Seele bewegen könnte? Aehnlich wie der l'ra^er Friedhof die Seele jedes Besuchenden? Freilich an Alter und Nimbus, an ästhetischem Reiz, an malerischer Eigenart kann er mit dem alten Trauer Judenfriedhof nicht wetteifern. Und was diesen besonders auszeichnet, das Sagengetränkte, das Geheimnisumwitterte, das sucht man hier vergebens. Kein kabbalistischer Hoher Rabbi Loew geistert hier umher, und in dem nüchternen Grau gradliniger Mauern ist ein spukhaftes Umherwanken eines Golem nicht vorstellbar. Die Entstehung unseres Friedhofs führt nicht in das Düster und Grauen des Mittelalters hinein, und von Märtyrern, die für ihren Glauben den Scheiterhaufen bestiegen oder von fanatischen Pöbelhaufen im Gotteshause niedergemetzelt wurden, kündet hier kein Stein. Alles vollzieht sidim Lichte der (legenwart und der jüngsten Vergangenheit, und wenn auch fast während der ganzen Zeit, da auf ihm die Toten der Berliner Gemeinde zur Ruhegebettet wurden, für das Judentum die eiserne Zeit des Mittelalters noch nicht beendet war, so ist doch seine Geschichte Neuzeitgeschjehte. Ist er doch erst mit der neuen, der gegenwärtigen Gemeinde entsianden, und das ist das Jahr 1672. Die Zeugen dieser ältesten Zeit, die ersten primitiven Grabsteine sind zum großen Teil verschwunden; verwittert, zerfallen, versunken. Was geblieben ist, — und das ist noch zahlreich genug, - diis hat liebevolle, wenn auch nüchterne Pflegcrhand neuerer Zeit sorgfällig wieder aufgerichtet, geordnet und fiir die Nachwelt aufbewahrt. Baum und Strauchgruppen, grüne Rasenflächen mildern die- Eintönigkeit der grauen Steine; während * der südliche und westlic he Teil durch die gröbere Zahl der in Reihen geordneten Grabmale noc h ganz den Eindruck des Friedhofs macht, verleihen die gärtnerischen Anlagen dein übrigen Teil, auf dem die Grabsteine nur sporadisc h zu finden sind, fast ganz den Charakter des l'arks. 7

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