Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 13-14 (18.8.1928)
- Date
- 1928-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus vergangenen Tagen». Von Dr. M Holzman. Der Tag des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum weckt die Erinnerung an den iWann, der als Erster die Not- . wendigkeit betont hat, daß Rabbiner und Laien die Angelegenheiten des Judentums und der Judenheit gemeinsam beraten, weckt die Erinnerung an Abraham Geiger. In mir steigen Vorstellungen auf aus längst vergangenen Zeiten. Als Jüngling sah ich in Breslau in ehrfurchtsvoller Scheu den Denker und Kämpfer mit seinen beiden Söhnen Berthold und Ludwig zur Stätte seines beruflichen Wirkens, zur Storch- Synagoge gehn. Als Mann war mir in Berlin das hohe Lebensmut beschieden, dem hochverehrten Gelehrten, der der Forschung neue Bahnen gewiesen hatte, dem begeisterten und begeisternden Kanzelredner näher zu treten, der die Gemüter schnell zu gewinnen und die Geister mit sich fortzureißen vermochte. Dabei denke ich auch an die Anziehungskraft, die seine Predigten auf die Besucher der alten (der Heidereuter-) Synagoge ausübten, von der vor seiner Wahl die Gegner behauptet hatten, daß sie dem neuen Rabbiner leere Bänke zeigen würde. Nicht vergessen kann ich, wie sehnsüchtig wir hier einem jeden Hefte seiner Jüdischen Zeitschrift für Wissenschaft und Leben entgegensahen. Wußten wir doch, daß wir dadurch nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht gefordert, unser Blick geschärft und erweitert wird, sondern auch unser Gemeinschaftsgefühl, Israels Bewußtsein als einer geistigen Lebensmacht von weltgeschichtlicher Bedeutung gehoben und unsrer Ueberzeugung von der Notwendigkeit freiheitlicher Entwicklung in Theorie und Praxis kräftiger, auf wissenschaftlicher Forschung beruhender Ausdruck gegeben wird. Wie dankten wir ihm, wenn er gegen die Lüge, die offene und die verhüllte Lüge im Cultus auftrat, wenn \ er gegen das üehnlassen beim Herkommen seine Stimme erhob, wenn er die volle Geltendmachung der gewonnenen Ueberzeugung verlangte und ermahnte, daß man den Unverstand und die Trägheit nicht scheuen solle, die sich gegen die Forderungen der Erkenntnis auflehnen, zumal diese dem Wesen des Judentums, seiner idealen Geistigkeit entsprechen. Wie freuten wir uns, wenn er uns einen Einblick gewährte in seinen wissenschaftlichen Verkehr mit Amtsgenossen und andern Gelehrten des In- und Auslands. 4