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Die Gemeinschaft · 1928-05-20 · 12 (20.5.1928) · p. Seite 10

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
12 (20.5.1928)
Date
1928-05-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Religion und Kultur. Von Rabbiner Dr. Gottschalk, Prsnkfurt a. M. „Siehe, Finsternis bedeckt «lic Erde, und Dunkel die Volker. Aber Uber Dir strahlt der Ewige auf, und seine 'Herrlichkeit erscheint Ober Dir." Kein Wort zeichnet klarer vielleicht als das Prophetenwort, welche Bedeutung unserem Feste nach noch heute zukommt, welche ihm einstmals zukam — welche Stellum,' unsere Religion in der Kultur einnimmt. Gewiß, auch die Weisen anderer Nationen, gewiß auch griechische Weltvernunft ahnte einen Sinn in flieser Welt, ahnte das ewig .Schattende, ewig Gestaltende. Aber es war eben Wcltweishcit, war eben Philosophenlehre und darum nicht für die Bienge geeignet. Anders kam die Hots: halt \oin Ewigen als ein Leuchten, ein Aufflammen, als ein himmlisches Feuer, wie is Botticelli einst dargestellt-, al> ein himmlisches Feuer in grbCen Seelen. a!s das Feuer religiöser Weltkultur. Religion und Kultur - zwei Worte, die oft genug miteinander im Kampfe gelegen, die sieh aber auch noch heute befehden. Wer soll herrschen, wer >oll vorangehen? Wer soll dienen? Wer soll geh) rchen? Ks hat schon Zeiten genug gegeben, da die Religion die Führung gehabt, da sie die Kultur bestimmen durfte. Zeiten gab es. da man im Namen der Religion alle die Menschen verketzert Und gelästert hat, die sich den Himmel anders gedacht, die Entstehung des Menschen anders gelehrt, als es die Religion getan. Damals folgte Kultur der Religion. Und ist es heute denn etwa anders, wenn man in einer bestimmten Religion den Menschen die Bücher vorschreiben möchte, welche Sic lehren und lesen sollen? Und gab und gibt es das nicht auch bei uns bei ganz besonders Streng* glaubigen? Aber freilich, »s gibt auch das Gegenteil: Religion soll der Kultur nachfolgen. Erst Wissenschaft, erst Technik, erst Kunst, erst Arbeit, und dann, wenn man will, auch noch Religion. Als Anhängsel für Zurückgebliebene, als Uc.b< rbleib-el für Itü: k-t;indige, gut genug für alle die. welche den Kinderschuhen noch nicht entwachsen. Und sollen wir uns nun in der Frage entscheiden, <»b erst Religion und dann Kultur, crsl Kultur und dann Religion, s" gilt es zunächst einmal festzustellen: was bedeutet Kultur, was bedeutet Helmion? l'nd wieder kann der Prophet uns lüliien: ,>ic!.c. Finsternis bedecket die Erde." Für uns ist Wissenschaft noch nicht Kultur und auch nicht Technik und auch nicht Kunst, l ud das bekannte Wort Goethes >pi-i<• 111 nicht dagegen. Denn zu der Behauptung daß, wer Wissenschaft und Kunst besitzt, auch Religion habe, gehört die andere ganz unzertrennlich, daß der wahre Künstler nur solange produktiv i>t, wie er religiös ist. Also auch nach Goethe ist Kunst und Wissenschaft nicht unbedingt mit Religion gleichzusetzen. Man kann sie besitzen und hat doch keine Religion, wenn man nicht rcliffiös ist. l'nd was das bedeutet, zci','t 10 \

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