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Die Gemeinschaft · 1928-04-01 · 11 (1.4.1928) · p. Seite 10

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
11 (1.4.1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Gerade aber Iiier an »lieser Stelle, wo Profanes und Heiliges miteinander sich meng) und ununtci scheidbar ist, gerade hier sollte iler Ort sein, von dem ans wir, die wir erneuert sein wollen, weil wir das Alte nicht lassen können, unseren Weg nehmen müssen. Der Zugang und das Verständnis zu der überbrachten Form und t!rolle unserer Religion ist uns verloren gegangen. Wir staunen ehrfürchtig vor ihr, aber verstehen sie nicht mehr. Und sollten aber auch daran Bichl «ragen, sie zu mindern oder zu verstoßen. Denn nur nebenbei sei es bemerkt sie wird auch ohne uns bestehen," wie sie seit Ewigkeit bestanden hat. Aber nicht um sie um uns geht es. Wir brauchen sie und wollen sie. l'nd da wir sie nicht in der großen Herrlichkeit ihrer Besonderheit erlassen können, sollten wir trachten, dort an der Grenzc ihrer habhaft zu werden, an der das lYssaclimahl steht. l ud das ist die Heiligung des Alltags, des Profanen, der irdischen Verrichtung. Die Durchdringung alles Alltäglichen mit dem Gefühl und dem Wissen, daß es gar nichts Alltägliches, sondern immer neu ein Wunderbares ist. vor dem man fragend steht: Mali nlschtannoh. So ist uns zu allererst! und wichtigst für diesen Abend, daß eine Mahlzeit die religiöse Handlung sein soll. Knie Mahl zeit zwar, an der einiges wohl vorgeschrieben ist durch das Zeremoniell, an der anderes wieder von vornherein symbolisch geda hi ist. eine Mahlzeit aber doch eigentlich so, wie eine jede des Jahres sein könnte und sollte. Wie sie meist aber doch in unserer Zeit nicht mehr ist: daß alle Mitglieder des Hauses zu dieser festen — festlichen Handlung sich versammeln, von den verschiedensten Arbeitsplätzen und Beschäftigungen kommen und von überallher (it danken, Erlebnisse und Kragen mitbringen. So entsteht dann beim Speisen das Gespräch. Immer wieder erhebt einer seine Stimme zum Mali nischtaniioh. und der Hausherr und die Aeltercn werden nicht müde zu belehren und zu erklären aus Freude daran und nicht aus Beruf bis es Zeit ist aus« inander zu gehen. Zur Arbeit, zum Werk in dem dann im dritten Feste des irdischen Jahres, dem SukkohlVsie, in der Tat ein Werk vollendet, die Hütte gebaut wird. Fragt aber einer, ob das ..schon" eine religiöse Handlung, „schon" eine Krnciicriingslat. „schon" ein neues Lied dem Ewigen ist, so antworten wir ihm: nichts ist „schon". und alles ist „erst." Was aber vermögen wir, die wir uns so weit von Gott enthüll wissen, die wir uns wohl noch als Kreaturen, kaum noch als Geschöpfe fühlen, was vermögen wir mehr zu tun als in unser alltäglichstes Leben, jenen wollenden, ahnenden Geist der Gemein »ehalt und des Hundes zu tragen. Religion, die die Kraft hüben soll, uns zu kräftigen, muß Tradition haben, darf nicht unser Werk sein. Darum wollen wir ja nicht Neuschöpfer, sondern Erneuerer sein: und darum wollen wir mit unserem Geist und Fühlen die Tage erfüllen, deren ursprünglicher Gehalt uns verborgen ist. 10

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