Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1927
- Issue
- 9 (25.9.1927)
- Date
- 1927-09-25
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Zarat hustras Loblieder auf Ahura Mazda, Lootses Preis des Tao lesen, s« können wir nicht bestreiten, daß sich hier ebenso Monotheismus wie innige Gotlcsgemeinschaft kundgibt. Wenn wir N o k r a t e s\ yy" der Gottcsstimmc in seinem Inneren zeugen hören, von der Gottverwandtschaft der menschlichen Seele, wenn Ii piktet Gott seinen Vater nennt, dem er ähnlich werden will, in dessen Willen er sich ergibt, den er in seinem Innern gegenwärtig fühlt, so müssen wir gerade vom religiösen Standpunkte aus bekennen, daß der Gott der Liebe sich auch hier offenbart, auch hier sein Licht hat scheinen lassen. „Wo und inwiefern;", sagt Trocltsch, „die groben Religionen konkurrierend in den Ger siehtskreis treten, sobald die Geschichtsforschung die Menschlichkeit auch der religiösen Geschichte zeigt, da wird ein anderes Verständnis der Offenbarung notwendig. Dieses andere Verständnis kann dann nur von dem allgemeinen () f f e n ba r u n gs - c Ii a r a k t e r aller Religion ausgehen, von ihm aus die gesteigerten religiösen Individuen und die darum sich sammelnden Erkenntnisse als Offenbarung im engeren Sinne verstehen". Diese gesteigerten religiösen Individuen sind die Offenbarungsträger. Keiner Gemeinschaft aber ist eine solche Anzahl religiöser Genies entsprossen wie der israelitischen. Mit Recht nennt Jehuda halevi Israel das religiöse Herz der Menschheit und die einzelnen bedeutenden Männer die Herzen dieses Herzens. Das Bewußtsein erfüllte Israel mit Stolz, daß Gott sich in seiner Mitte offenbart, ein Bewußtsein, das stets in ihnen wtark und lebendig war. Ließ man nun auch die Offenbarung zunächst nur für die Vergangenheit gelten, so nahm man doch im Grunde genommen eine Fortdauer der Offenbarung an, wenn man die m ü n d 1 i che Leb re als gleichzeitig mit der schriftlichen dem Moses auf dem Berge Sinai gegeben betrachtete. Ja, das ganze Mittelalter hindurch ist man vou einer religiösen Sclbstgcwißheit erfüllt, die von dem Gefühl, Träger von neuen Offenbarungen zu sein, nicht weit entfernt ist. „Tatsächlich sind im Judentum," sagt Baeck „damals auch die Kräfte der Selbständigkeit, der geistigen Unabhängigkeit so lebendig gewesen, wie wohl nirgend anders im religiösen Leben jener Tage. Die alte Offenbarung wird immer zu Neuem; die Religion erfahrt ihre stetige Renaissance." Dieser Geist der Selbständigkeit, diese freie Gewißheit des religiösen Empfin dens ist aber später, besonders von der Zeit des Schulchan Aruch an. verloren gegangen. Man hat dann die Offenbarung an eine bestimmte Periode der Geschichte gebunden, man verstand sie als ein System bestimmter Lehrsätze und Gebot«. Damit trat eine Erstarrung ein, die im großen und ganzen bis zum 19. Jahrhundert angehalten hat. Erst der Liberalismus hat den Kampf gegen diese Erstarrung und Ermattung aufgenommen, einen Kampf, zu dem er nicht zuletzt durch die vergleichende Religionsgcschir.hte ermuntert worden ist. (Fortsetzung folgt)