Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1927
- Issue
- 8 (1.6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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\\ 'Blens gegeben, die ihn dir Versuchung; überwinden 1»L\:. Ali' einer sulchen Auffassung vom Wesen eles Menschen «m geben sieh dir höchsten sittlichen Korderungen. Der willens frei« Mensch s«>ll nach „Heiligkeit" streben, d.theißt. ci soll in Heiligem Bemühen dem göttlichen Urbild aller Sittlich kcii nachstreben: ..Nac h Vollendung sollst du ringen vor dem Ewigen deinem Gotte!" (Deut. tcX, 13.1 Aus der Kraft der Willensfreiheit --oll der Mensch emporwa« hsen zu jener mm liehen Höhe, die ihren reinsten Ausdruck aber auch ihre schwerste AüfgaBe findet in der Erfüllung des Satzes: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst ^Menschenliebe, Nach stenliebe das letzte Ziel der jüdischen Ethik. So wird im Judentum die ganze Religion in den Dienst der Sittlichkeit ge stellt wie ja auch, ganz im jüdisc hen Sinne, M<»ritz von Egid) die Forderung erhob: Religion nicht mehr neben unserem Lehen, unser Leben selbst Religion! Auch Hilter jüdischen Auffassung von der Idee «ler sitt Ii« hm Freiheit haben wir — neben dem Begriff des ..Linzigen-* Ciottes eine grundlegende Unterscheidungslehre gegenübet dem Christentum. Ist nämlich des Menschen Seele rein und an befleckt hei seiner (ieburt. d. h. vereint das Judentum die Idee der „Erbsünde", ist ferner dem Menschen Freiheit des W illens gegeben, .so kann und soll auc h nur er selber die Reinheit der Seele sich erhalten. Das Christentum, «las den Menschen ohne eigene Schuld s,ündig werden läßt, hat in notwendiger, aber auch großartiger Konsequenz seiner Lehre von der Erbsünde eine Frlösungs-Lehre g«-sc hallen, die aus himmlischer Gnade durch den Opfertod des Gottcs-Sohnes dem gläubigen Sünder die göttliche Verzeihung verheißt Das Judentum kennt einen solc hen Erlösungsgedanken nicht; kein Mittler sichert hier die göttliche Gnade. Wer den Wen s'u liehen Lehens verlassen hat. der hat nur ein Mittel, die Vei söhnung mit der Gottheit zu erlangen: die Umkehr vom Bösen, die- Rüc kkehr auf eleu Weg sittlichen Handelns. Erst wer die Reinheit seines sittlichen Inns wieder hergestellt hat. kann m Harmonie mit dem Göttlichen leben. So hat das Judentum seine gante Well auf dem Grunde e iner sittlichen Weltanschauung und auf dem Fundament einer sittlichen Lebensführung errichtet, Daraus ergibt sich der He grifl der jüdischen Frömmigkeit. Fromm sein, heißt im jüdi sehen Sinn«- Lebensheiligung durch* sittlichen Wandel im Ilm blick auf das göttliche Urbild der Sittlichkeit Jüdisch.- Reli gi«»itat bedeutet «Ii.- Uebereinstimmung des menschlichen lim* mit der Erkenntnis vom sittlic hen Wesen der Gottheit und det daraus hergeleiteten sittlic hen Aufgabe des Mens« hcn. Ni< ht ein dogmatisches Bekenntnis wie im Christentum ist entscheidend für die Bewertung der Frömmigkeit, sondern einzig und allein religiöse Gesinnung und sittlich«« Hande ln Wie «ler einzelne sich seinen Gott «hmkt. ist hierbei un *t heblich. Dem subjektiven Kmpfindeh ist weitester Spielraum 11