Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 3 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Menschen schon immer so gedacht und Bevorzugte, denen es gegönnt war, diese und noch höhere Wunder des Frühlings besungen haben. Religiös gestimmte Gemüter, das offenbart auch unser jüdisches Schrifttum, sehen in ihm die unmittelbare und beispiellos starke Einwirkung des waltenden und erlösenden Qottesgcistes. l'ns Städtern und modernen Menschen freilich »st dies nicht leicht gemacht und oft sogar verwehrt, einen Blick tn diese liebliche Offenbarung zu tun. Will es doch beinahe so erscheinen, als uh selbst die kleinen Oasen der Natur innerhalb des steinernen Meeres nur zaghaft erwachen und mit ihren grünenden Zeichen melden: Wir sind da, euer Frühling ist da' Soll darum dieses erblassende Wunder nicht in bloße Schwärmerei ausarten, der wirklicher (iewinn fehlt, dann müssen hoch andere Kräfte geboren sein und in uns wachsen, sonst steht auclr der Frühling sehr bald nur noch im Kalender. Wie wahrhaftig hilft uns hier das Judentum mit seinem Fest der Befreiung, das in der heiligen Sprache Pessach heißt. Die alte Ueberschreitungsfeier, welche dem in ägyptischer Knechtschaft erniedrigten Volke zurief: „Ihr seid zum Leben bestimmt und nicht zum Tode", kann auch dem heutigen Israel einen mächtigen Impuls, eine starke Hoffnung gewähren. Die Gefangenschaften und Fesselungen unseres Daseins, die Fron und/ das Gebeugtsein sind zwar unsichtbarer geworden, aber ist nicht aller Druck eine Angelegenheit der SeeleV Wer Ober sich hinaus und seine iinge ein Organ dafür hat. das alles zum Lichte streben will, den muß unser Fessach anregen, die große Freiheit mitzuschaffen. Menschenfreiheit und Glaubensfreiheit. An Lust und Willen, an der Fähigkeit. Freiheitsführer der staatlichen und. bürgerlichen Gemeinschaft zu sein, fehlt es uns .luden nicht Aber l.ust zur Glaubensbefreiung, wo wird sie noch oder schon wieder gefunden V Nein die Seelen behagen sich in der Knechtschaft, die die Religion auferlegt und sie zum harten Gebieter Uber sich macht, und haben gar keinen Sinn dafür, daß ein solches Bekenntnis, das in Gott den finsteren Diktator sieht, mit dem Götzendienst der alten Zeiten innerlich und äußerlich verglichen werden muri Wenn unsere Propheten in ihren umwälzenden, grundstürzenden Reden verkündet haben, daß Qott den Opfern abhold sei. wiewohl die Tradition und alte Pergamentrollen das Gegen-