Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1925
- Issue
- 2 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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darauf Wert (relegt, daß der Barmizwa nicht bloß die Berocho spricht und die Haftora tubräisch oder deutsch vortragt, sondern daß er auch seinen Toraabschnitt oder die Sabbat Sidra (die sich auf ein inhaltlich bedeutsames Stück konzentriert) leint. Um so die Jugend und damit das zukünftige Geschlecht immer mehr zu selbst tätigen Mitgliedern des Gottesdienstes zu erziehen, wird dahingestrebt. daß auch sonst an Sabbaten und Festen wenigstens jeder Jugendliche s; ine Parascha vorbereitet und leint. Alle diese Aufaben sollen durch unterrichtliche .Einrichtungen gefördert werden, durch hebräische Kurse, Barmizwakurse. Konfirmandenkurse für Mädchen. Auch das Synagogenkonzert, das am Bußtag in unserer Synagoge unter Mitwirkung namhafter Künstler und unseres verstärkten Chors stattfand, diente dem Gedanken, das Interesse für religiöses Leben und religiöse Betätigung in immer weiteren Kreisen des Nordens zu wecken, und es hat diese seine Aufgabe erfüllt und durch seinen materiellen Ertrag uns zugleich in den Stand gesetzt, eine wenn auch bescheidene Grundlage zu einer UnterstQtzungskasse zu schaffen. Wie sehr sich unser Gottesdienst im Norden eingebürgert hat, zeigt der wachsende, rege besuch, besonders am Freitag- Abend. Es offenbart sich hierbei, wie notwendig es ist, mit dem in der Gegenwart und in der Großstadt sinnlos gewordenen Brauch des wechselnden S'man zu brechen, und wie vielen der Sabbat, zum mindesten der Sabbateingang, wieder lieb werden kann, wenn die Gelegenheit gegeben ist. eine Sabbatfeier zu der Tageszeit zu begehen, in der die im Beruf Stehenden ihre Tagesarbeit vollendet haben. Daß der Liberale Synagogenverein Norden in seinem Kreise eine bedeutsame religiöse Aufgabe übernommen hat und ihr erfolgreich nachstrebt, ist von Vorstand und Repräsentanten der Hauptgemeinde dadurch anerkannt worden, daß für die Erhaltung des Gottesdienstes eine namhafte jährliche Subvention bewilligt worden ist. Erst dadurch wird es auf die Dauer möglich, die großen Anforderungen, die eine fortschrittliche Gestaltung des Gottesdienstes uns auferlegt, zu erfüllen. Denn die Gemeinschaft dieser fortschrittlich gesinnten Menschen des Nordens, die durch starkes religiöses Bewußtsein zusammengeschlossen wird, ist zwar jederzeit bereit, für dieses Bewußtsein Opfer zu bringen, aber sie kht und wirkt im ärmsten Teile Berlins und kann auf große Beiträge und Spenden aus diesem Bezirk und — bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage — auch aus anderen nicht rechnen. Trotz aller solcher Schwierigkeit glaubt unsere Gemeinschaft an ihr« Aufgabe, für den Aufbau des religiös liberalen Lebens im Norden bahnbrechend zu wirken, hegt sie die freudige Hofnung. daß hier allmählich eine Keimzelle des lebendigen religiösen Judentums entsteht.