Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1925
- Issue
- 2 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist ein großer Trost, also mehr als erstaunlich, was die Jugend, aber auch unsere Männer und Frauen leisten können, wenn sie geweckt werden und wollen, und das Wort des zum Gebet gewordenen Berichtes meldet sich in unserer Erinnerung: „Du gäbest viele in die Hand weniger!" Wo liegen nun die Parallelen zwischen den Mackabäern, Uber die dieses Urteil zuerst geprägt wurde, und uns: unter welcher Voraussetzung können sie gezogen werden? Wir müssen den Begriff „aussichtslos" aus unserem Denken streichen, dann» werden wir der heutigen Not und ihren Forderungen gerecht und fangen an, im Kleinen zu wirken. Ist das nicht auch der eigentliche Sinn des Wunders vom Krüglein heiligen Oeles? Es leistete mehr, als man erwarten durfte; Dauer und Leuchtkraft hatten sich vervielfacht. Wie der Keim alles Lebenden im Stande der Winzigkeit gerade die höchste Kraft besitzt und uns die nicht ganz zu begreifende Wahrheit vorweist, daß noch stärker als die Gewalt dieser rätselhaften Materie die ihr innewohnende Potenz sein muß, so sollen wir, aber wir alle, in schlichtem Vertrauen, doch beflügelt von der unsichtbaren Größe einer heiligen Aufgabe den Feind suchen und schlagen! Den Feind in uns selbst! Denn das ist die Großtat der edlen Helden gewesen. Antiochus Epiphanes war ja garnicht die höchste Gefahr und die Hellenisten auch nicht. Ihre Versuche, eine Verbindung von jüdischem und griechischem Geiste zu schaffen, waren im Grunde etwas Natürliches, Gesundes, Notwendiges und Hochpolitisches- Hätte damals das Judentum nicht auf beiden Seiten den Extremismus gewählt und sklavisch entweder alles urteilslos adoptiert oder sich jeder weltverbindenden Tendenz begeben, die Völkergeschichte würde eine andere Bahn betreten haben, und das Judentum wäre die Weltreligion geworden! Aber dies hinderte 'der jüdische Feind im eigenen Lager, jene Oberschicht, die morsch und faul bis zum Kern, nur noch durch Geld und Ehren gestachelt, gewissenlos die Gesamtheit verriet und obendrein in schlechten Ruf brachte. Böse und Narren sind auch heute Geistesverwandte, und vor ihnen wollen wir uns hüten. * Wer jedem anderen Streben den vorgedruckten Totenschein aushändigt, weil es seinen Genuß und Gewinn stören könnte, der will den freien Geist im Judentum ausmerzen und seinen Genius paragraphisch einzwängen. Er versagt Billigung und Bewilligung, ehe er urteilsberechti^t ist. Wohl dem echten jüdischen Liberalismus, er glaubt nicht nur an seine eigene Kraft im Judentum! Um im Bilde der Mackabäergeschichte zu sprechen: Es gellt bei uns nicht um Wettrennen, sportliche Leistungen und die einzufangende Gunst der Massen. Es handelt sich nicht um das Herausstampfen von Talenten, um Lockung oder Suggestion. Den Erfolg wird nur haben, wer still und im Kleinen ohne Ehrz