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Das Füllhorn · 1836-10-28 · 44 (28.10.1836) · p. Spalte 351-352

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
44 (28.10.1836)
Date
1836-10-28
Page
Spalte 351-352 (sequence 4)
Language
German
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Verhaftung statt gefunden, da es unmöglich war, die eigentlichen Lheilnehmer an de« Errzesse zu ermitteln. — Die allgem. Zeitung enthält hierüber in einem Korrespondenz-Artikel aus Berlin vom IS. Okt. Folgende-: Ich sprach einen glaubwürdigen Mann, der auS Posen jurückkommt, und der mir die Versicherung gibt, daß dasjenige, wa» dort zwischen christlichen uud jüdischen Einwohner« vorgefallen, kaum der Rede werth ist, und daß Dem Arrest keine tiefere Bedeutung, wie «an leider befürchtete, zu Gruude liegt. Ä Hein ehemals polnischen und noch katholischen Städten etwa- Gewöhnlicher, daß zu de« Zeiten der jüdischen Feiertage Reckungen und Mißverständnisse sich entwickelten, welche kn frühere« Lagen in Pole« blutig und gräuelvoll vor sich gegangen. In der Stadt Posen herrschte zwischen Christen und Jude« streng auSgrftsrvchene Trennung und Sonderung für allen Umgang und alle Leben-Verhältnisse, nur in der jüdischen Gemeinde «alte ein gottrSfurchtiger Sinn und ein ernster Wille, angeregt und gefördert durch den hochberühmten Obcrrabbiner Akiba Eger. Auch hätten die Juden von vorn herein sich der deutschen Kultur uiid dem deutschen Leben angeschloffeu, von dessen freier Eutwicklmug sie für sich Heil und eine freundlich gesicherte ZUkmist ^warteten; und, vertrauend auf die Weisheit und die Gnade einer erleuchteten Regierung, gehe die allgemeine Stimmung dahin, daß die Behörden verföhnungssinn und Duldung erwecken, und daß sie nicht den Gedanken aufkommen lassen werden, artige es km Willen der Regierung, die Juden in der öffentlichen Meinung und Würdigung herabzudrücken. Da man aus einem der geringfügigsten Straßenereigniffe einen förmlichen Roman gesponnen hat, der sich alabenteuerliche Sage in die fernsten Kreise wälzte, so freue ich mich, Ihne« so beruhigende Mitteilungen sowohl über da» Faktum als die Lendeuz machen zu können; und ich freue mich um so auftichtiger, da die Juden in Preußen, nach der strengsten Prüfung, ein fteundliches Loos verdienen, weil sie mkt allem Ernst und lobenswerten Eifer ihre Stellung Mb ihre Psiichttn erfülle«, von der polnischen bian Vir ftanzöflsche Tränze tauche« allenthalben deutsche Schule» auf, die jüdische« Handwerker mehre« sich jährlich, und nicht der flüchtige Schwindelgetst, solidem eine sich bewußte Gesinnung, eine treue und vaterländische Gesiunuug geht über die Gemeinden. (Berlin, IS. Okt.) Dem hiesigen Seidenfabrikanten Joel Wolfs Meier ist auf ein« Eingabe folgeudeköuigl. Schreibe« zugekommeu: AuS Ihrer - Eingabe vom 22. v. M., deren Anlagen hierbei zurückgchen, habe Ich mit Befremden ersehen, daß Sie dm Antrag gemacht, daich durch rin Wort der Gnade Sie uud Ihre Glaubensgenossen vor unverdienter Verachtung bewahren möge, und Sie Habs» die Veranlassung zu diesem Gesuch auS eiuer, öffentlich bekannt gemachten Verordnung des Justizmtnlsters, über die unpassenden Umschreibungen de- Namen- Jude , Md in welcher zugleich eine ftühere und nicht gehörig beachtete Verordnuug wegen jüdischer Vornamen erinnert wurde, welche Memer Ordre vom IS. Juni zu Grunde lag, entnommen. In dieser Ordre habe ich dm Ministerim und Behörden anbrfohlm, in ihren Berichten sich, wmn von Juden die Rede sep, der modemen, vielfältigen Umschreibungen dieser Bezeichnung zu enthalten, und wen« hieran- Geringschätzung Md Verächtlichkeit in Hinsicht aus Juden gefolgert werden sollte, so kann dabei nur böftr Wille oder Jrrthum zu Grunde liegm, indem Ich nichtanderbrabfichngt habe, als diejenige Bezeichnung, welche in allen Gesetzen, auch in dem letzten über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden, vom 11. März 1812 ausgenommen worden ist, für die allein richtige zu halte«, mithin auch firr diejenige, bereu sich die Ministerien und Behörden zu bedienen haben. — Sie werden hieraus Meine Absicht, dm gesetzlich bestehende« Zustand der Juden auftrcht zu erhalten und hieranalso auch entnehmen, daß eS gar keines erneuerten Worteder Gnade und Beruhigung bedarf. Eine vorurtheilSfrei unternommene Vergleichung der jetzige« und der früheren Zeiten mit Bezug auf die Verhältnisse der Juden im preußischen Staate kann wohl nur zum Vortheil der ersterm au-schlagm, und treue Erfüllung der Unterthanen - und Büraerpflichten wird, zu welcher Religion sich auch die SitIzelneu bekfnnm, von Mir «ach wie vor stetanerkannt werden. Ich »erstatte Ihnen vorr dieser Ordre jeden beliebigen Gebrauch zu mache«. Berlin, IS. Okt. 1836. Gez. Friedrich Wilhelm." Redlgirt von Rabbiner Ä. Rosenfeld. — Gedruckt in der Fr. Humanu'/chm Buchdruckers.

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