Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 40 (30.9.1836)
- Date
- 1836-09-30
- Page
- Spalte 319-320 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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genwärtig ein Oberrabbinat in Kassel ein« gerichtet", auf einem Jrrchume beruhen müsse. Das kandrabbinat für Kucheffen bestehet gesetzlich audem kandrabbiner zu Kassel, welcher zugleich Rabbiner für die Provinz Niederheffen ist, und auden Provinzial« Rabbinern zu Fulda, Hanau und Marburg, nebst denjenigen ausserordentlichen Mitgliedern^ welche da-Ministerium de- Innern noch dazu zu berufen für gut finden wird, und soll halbjährlich in der Residenzstadt zusammentreten. Bijetzt aber sind die da- Land» rabbinat bildende Mitglieder noch nicht zusammenberuftn worden, und somit kann auch noch kein Oberrabbinat für Kurhessen in Kassel eingerichtet sein. _ (Fr. Journal.) (London.) Der Buchdrucker Bentley kündigt an, daß bei ihm nächstendie Memoiren deverstorbenen Hrn. Nathan v. Rothschild nebst dessen Portrait erscheinen werden. _ Kaiser Nikolaus von Rußland. Einst ging der Kaiser an einem Ostertage unbe« gleitet auseinem Pallast. Indem er vor der Schildwache, die da aus dem Posten stand, vorbeiging, grüßte er sie nach russischer Sitte am Osterfeste, mit den Worten: "Christ ist auferstanden!" worauf gewöhnlich dann^ erwiedert wird: »Fürwahr er ist e-l" — der Soldat, steif dastehend, schwieg. Der Kaiser sagte: -Christ ist auferstanden!" "Daist nicht wahr!« erwiderte die Schildwache ganz ernsthaft. «Was?« rief der Kaiser erstaunt: »Ist der Kerl besoffen? Ich sage dir: Christ ist auftrstanden!« »Und ich sage dir,« versetzte der Soldat, ohne sich ausser Fassung bringen zu lassen: »eist nicht wahr!« "Kerl!" rief der Kaiser noch erstaunter; »wo biß du her? Wabist du?« »Ei« Jude.« Antwortete der Soldat ohne alle Verlegenheft. Der Kaiser ging fort und lachte von ganze« Herzen. _ M i « j e l 5 e. Zu den ersten, gewichtigsten und standhafteste» Dertheidigern der Rechte der Juden gehört ganz vor» züglich, wie in Deutschland der unvergeßliche Dohm, so in Frankreich der hochherzige edle Menschenfreund, Heinrich Gregoire, Bischof von Bloi-. Scho« im Jahre 1788 schrieb er ein Werk, «Versuch über die physiche, moralische und politische Verbesserung der Juden«, davon der Akademie zu Metz gekrönt, und, seines besonder« Werthewegen, auch in'- Englische übertragen wurde. — So wie jene Männer, die für die Fortdauer de- Haffe- und de- Druckeihr Wort und ihre Feder gebrauchten und noch gebrauchen, unsere ganze Verachtung verdienen, so verdienten andererseitjene Edlen, die der religiösen Unduldsamkeit und dem feindseligen Sinne und Wirken mit Ernst und Eifer, sowohl durch Schriften, als durch'- Wort in parlamentarischen Versammlungen, entgegen »laten, und für die Rechte der Juden sich erklärten und noch erklären, eiu Ehrendenkmal von Seite der Juden. Worin dieß bestehen mag, dasei vor der Hand de» Nachdenken Anderer überlassen. Wir begnügen uns damit, diese Idee für'- Erste hier angeregt zu habet;, deren Ausführung der Folgezeit angehören möge. Die Kenntniß der Namen aller der Edlen, die in Schrift und Sprache ihre Summe für Israel erhoben, wäre indeß vor Allem nöthig. ES wäre dieß eine schöne Arbeit für einen jungen, rüstigen, thätigen Mann,, der au-Schriften, Korrespondenzen, Katalogen und Acten landständischer Verhandlungen zu schöpfen die Müh« übernehme. _._ AphoriSme audem Talmud. Die Gelehrten ,u Jabn« pflegten zu sagen: Ich bi» »tn Geschöpf, mein Nächster (der ungeledrtr Feldbau«») ist auch »in Geschöpf (d. h. hat nicht weniger Werth alg ich). Ich arbeite »u Hause, er zu Felde. Ich gehe früh« an meine «r> beit, er tbut dasselbe. Sr kann stch^ meiner »rbeit nicht rühmen» ich mich der Seinen nicht. Du könntest etwa denk»», ich leiste viel, er wenig; nachdem «at un« aber -«lehrt wurde, kömmt r« auf da« Mehr oder Weniger gar nicht an, sonder« auf die göttliche, heilige Absicht. St—d. kdigirt von Rabbiuer S. W. Roseafeld. — Gedruckt in der Fr. Humann'schm «uchdntckerei-